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"Morgens gehen wir erst mal am Meer spazieren"

Homeoffice am Strand [Quelle: pexels.com, Autor: Andrea Piacquadio]

Quelle: pexels.com, Andrea Piacquadio

Modernes Arbeiten ist flexibler denn je. Warum nicht den Schreibtisch am Strand aufbauen? Drei digitale Nomaden erzählen, wie sie da arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Manche Menschen haben während der Pandemie ihr Homeoffice ins Ausland verlegt. Sie arbeiten von unterwegs, mit Meerblick, in den Bergen oder jeden Tag an einem neuen Ort. Hier erzählen drei von ihnen, wie es ist, die eigene Wohnung zu kündigen und sich für das Homeoffice an einen schöneren Ort zurückzuziehen.

Im Moment arbeiten wir auf einem Parkplatz direkt am Strand

Marion Wagner, 33, Marketingleiterin

Mein Partner und ich haben schon lange davon geträumt, andere Länder und Kulturen kennenzulernen. Jeden Tag so gestalten, wie wir das möchten, völlig flexibel. Etwas erleben, von dem man ein Leben lang zehren kann. Den letzten Anschub, es wirklich zu machen, hat uns die Pandemie gegeben. Im März dieses Jahres habe ich erfahren, dass ich zum Jahresende meine Festanstellung als Teamleitung im Marketing verlieren werde. Coronabedingt soll unser ganzes Team aufgelöst werden. Mein Partner arbeitet auch im Marketing als Projektmanager und wurde zu diesem Zeitpunkt in Kurzarbeit geschickt. Ins Büro mussten wir nicht mehr, wir durften plötzlich zu 100 Prozent mobil arbeiten. Also war klar: jetzt oder nie! Erst haben wir überlegt, einen Bus zu kaufen und auszubauen. Aber das ist eine große Investition und der Ausbau kann, je nachdem, was man will, ewig dauern. Wir aber hatten es plötzlich sehr eilig, loszukommen.

Im Juli haben wir uns einen VW T6 gemietet, der kostet uns inklusive Versicherung 750 Euro im Monat. Die Ausstattung ist allerdings sehr minimalistisch. Wir haben eine Matratze und einen Tisch, Campingstühle und einen Gaskocher. Außerdem eine mobile Toilette und seit Kurzem einen Wasserkanister. Den nutzen wir auch als Dusche. Im Moment arbeiten wir auf einem Parkplatz direkt am Strand mit Blick auf die Wellen, man kann sogar noch baden. Wir sind ungefähr eine Stunde nördlich von Rom, in einem kleinen Ort nahe Grosetto an der Maremma-Küste. Wenn wir morgens aufstehen, gehen wir erstmal eine Runde mit unserem Hund am Meer spazieren. Diese Freiheit gefällt uns besonders gut an unserem Nomadenleben. Mittlerweile sind wir durch fast ganz Italien gereist. Angefangen haben wir am Gardasee, dann sind wir immer weiter in den Süden bis Neapel gefahren. Meist bleiben wir eine Woche an einem Ort.

Die Akkus unserer Handys können wir im Bus aufladen

Marion Wagner, 33, Marketingleiterin

Wenn wir irgendwo ankommen, müssen wir uns zuerst darum kümmern, Strom zu bekommen. Das ist im Moment noch unser größtes Problem. Die Akkus unserer Handys können wir im Bus aufladen, Internet liefert unser mobiler Router, aber für die Laptops brauchen wir eine Steckdose, zum Beispiel in einem Café. In den vergangenen Monaten haben wir so viele andere Menschen kennengelernt, die mit dem Bus unterwegs sind. An den Stellplätzen kommt man leicht ins Gespräch, das fühlt sich manchmal an wie ein großes Hostel. Die anderen erzählen uns von schönen Stellplätzen, manchmal packt jemand eine gute Flasche Wein aus und fast immer werden die Busse verglichen. Alle zeigen stolz ihr ausgebautes mobiles Zuhause. Da haben wir uns viel Inspiration geholt.

Am Anfang hat sich unsere Reise noch nach Urlaub angefühlt, aber mittlerweile haben wir einen richtigen Arbeitsalltag, der unterscheidet sich gar nicht so sehr von früher. Montag bis Freitag ist unsere Arbeitswoche, morgens nach dem Frühstück klappen wir unsere Stühle auseinander und unsere Laptops auf, beantworten Mails, haben Videocalls und machen fast alles, was wir im Büro auch tun würden. Wir kommen eigentlich erst nach Feierabend dazu, unseren Aufenthaltsort zu genießen. Also Sehenswürdigkeiten anzuschauen, irgendwo essen zu gehen oder im Meer zu baden. Weniger arbeiten wir von unterwegs aus definitiv nicht, manchmal sogar mehr. Hin und wieder nerven uns auch Dinge am Nomadenleben. Wenn zum Beispiel ein Kabel in der untersten Kiste liegt und man erst alles durchwühlen muss. Dann denken wir: Verdammt, zu Hause müssten wir einfach nur eine Schublade aufziehen. Vor Kurzem hatten wir außerdem einen Unfall. Wir haben beim Rückwärtsfahren einen Mauervorsprung übersehen und uns zu sehr auf den Park-Assistenten verlassen. Seitdem fahren wir ohne richtige Heckscheibe durch die Gegend und suchen eine Werkstatt, die das unterwegs reparieren kann. Das war kurz ein Schock. Aber wir sind dann erst mal Pizza essen gegangen und haben beschlossen: Das bringt uns nicht aus der Ruhe.

Es ist schön, zu merken, wie wenige Dinge wir eigentlich zum Leben brauchen

Marion Wagner, 33, Marketingleiterin

Letzte Woche waren wir an der Amalfiküste unterwegs, eine Freundin aus der Heimat hat uns in unserem Van besucht und begleitet. Da haben wir bemerkt, dass unsere Freundinnen und Freunde uns schon ein bisschen fehlen. Klar können wir telefonieren und skypen. Aber bei unserem jetzigen Lebenskonzept können wir nicht einfach nachmittags einen Kaffee mit einer Freundin oder abends ein Bier mit Kollegen trinken gehen. Dafür ist es schön, zu merken, wie wenige Dinge wir eigentlich zum Leben brauchen. Unsere Dreizimmerwohnung in München steht voll mit Sachen. Aber im Bus sehen wir, dass wir keine große Auswahl an Schuhen, Kleidung und Kosmetikprodukten benötigen. Es hat uns an keinem Tag unser Smart-TV von zu Hause gefehlt. Wir haben einfach festgestellt, dass unser persönliches Glück weder von 90 Quadratmetern noch von sonstigen Besitztümern abhängt. Unser Nomadenleben gefällt uns so gut, dass wir unterwegs beschlossen haben, unsere große Wohnung in München zu kündigen. In den nächsten Wochen fahren wir noch mal zurück, um sie aufzulösen. Wo es danach genau hingeht, wissen wir beide noch nicht. Aber das ist ja gerade das Spannende daran.

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