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Wertpapierhändler schlägt Fondsmanager

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Quelle: unsplash.com, Notreone

Wo lässt sich in der Finanzbranche am meisten verdienen? Der Gehaltsatlas von F.A.Z. und Gehalt.de gibt Aufschluss. Und: Lohnt es sich eigentlich noch, Investmentbanker zu werden?

Der deutsche Arbeitsmarkt jagt von einem Rekord zum nächsten. In manchen Regionen und Industrien jammern die Arbeitgeber über Fachkräfteengpässe. Und obwohl es gedauert hat, bis sich diese Tatsachen auch in den Portemonnaies der Arbeitnehmer materialisierten - 2018 wird voraussichtlich ein Jahr mit ordentlichen Gehaltssteigerungen: Das Münchner Ifo-Institut geht davon aus, dass die Tariflöhne in diesem Jahr im Durchschnitt nominal um 2,4 Prozent steigen werden. Mit 3 Prozent rechnet der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Wie ein Kontrastprogramm lesen sich dagegen Geschichten über die Finanzbranche.

So ist die Zahl der Arbeitsplätze in den Banken zwischen den Jahren 2008 und 2017 um 10 Prozent geschrumpft. Auch für die weiter gefasste Finanzbranche, unter die auch Versicherungen und Dienstleister fallen, sieht die Statistik der Arbeitsagentur trist aus. Das größte deutsche Geldhaus, die Deutsche Bank, scheint von einem Skandal zum nächsten zu taumeln und muss in der Not Stellen abbauen. Die Commerzbank droht aus dem wichtigsten deutschen Aktienindex Dax zu fliegen - zugunsten des weitaus kleineren Zahlungsabwicklers Wirecard. Kleine Fintechs reüssieren und wollen den Platzhirschen das Wasser abgraben. Was ist da los? Können Eltern ihren Kindern heute noch raten, in Banken und Versicherungen Karriere zu machen, wenn sie solides Geld verdienen wollen?

Die Antwort ist differenziert, birgt aber die beruhigende Nachricht, dass ein rapider Gehaltsverfall in den Finanzberufen keineswegs zu erwarten ist - trotz aller Widrigkeiten. Philip Bierbach, Geschäftsführer der Vergütungsplattform Gehalt.de sieht etwa die Gehaltsentwicklung in den Banken gelassen. Auch über die Konkurrenz durch kleine Fintechs macht er sich kaum Sorgen. "Die Fintechs stehen aktuell stark im Fokus", sagt er. "Allerdings wird es noch lange dauern bis von einem signifikanten Marktanteil die Rede sein kann." Viel gefährlicher für die Banken seien Konzerne wie Amazon oder das chinesische Pendant Alibaba, das aktuell daran arbeitet, mit seinem riesigen Kundenpotential die Finanzwelt zu erobern. "Trotzdem schlägt so eine Entwicklung sich nicht so schnell in den Gehältern nieder", sagt Bierbach. "Denn es gibt ja geltende Arbeitsverträge. Lediglich der variable Anteil der Gehälter und der Wert der Aktien sind davon betroffen."

Rechnet man all diese Größen mit ein, haben Arbeitnehmer in den Finanzberufen in Deutschland noch immer gute Aussichten auf ansehnliche Gehälter. Die besten gibt es - das ist wenig überraschend - in Frankfurt am Main. Durchschnittlich 76 290 Euro brutto lassen sich dort in den Finanzberufen verdienen, wie aus dem neuen Gehaltsatlas von F.A.Z. und Gehalt.de hervorgeht, für den 7524 Gehaltsdaten aus Banken, Versicherungen und von Finanzdienstleistern analysiert wurden. Hinter Frankfurt folgen Stuttgart und München. Dort sei "das Gehaltsniveau insgesamt sehr hoch", was sich auch in den Gehältern in den Finanzberufen widerspiegele, sagt Bierbach.

Insgesamt zeigt der Gehaltsatlas für die Branche, dass die Gehälter im Schnitt im Norden Deutschlands geringer ausfallen als im Süden und im Osten geringer als im Westen. Im Bundesländer-Ranking finden sich die fünf ostdeutschen Länder auf den hintersten Plätzen. Das liegt laut Bierbach aber nicht nur am ohnehin niedrigen Gehaltsniveau in dieser Region: "Zusätzlich haben die Unternehmen ihre Stammhäuser hauptsächlich in den westlichen Bundesländern", sagt er. "Dort verdienen Beschäftigte grundsätzlich mehr." Auch Berlin schneidet in der Rangliste nicht sonderlich gut ab und liegt unter dem Bundesdurchschnitt. Der Wettbewerb um Fachkräfte sei in Berlin womöglich entspannter als in anderen Großstädten, mutmaßt Bierbach, weil die Hauptstadt "viele Berufseinsteiger und jüngere Arbeitnehmer anzieht". Für die Zukunft Berlins malt er aber ein etwas freundlicheres Bild. Der Zuzug vieler, unter anderem auch größerer Unternehmen spreche für steigende Gehälter auch in den Finanzberufen.

Und in welchen Finanzberufen gibt es ganz unabhängig von der Region die besten Gehaltsaussichten? Den Daten zufolge haben die Wertpapierhändler die Nase vorn mit einem durchschnittlichen Bruttojahresgehalt von 90 110 Euro. Dahinter folgen die Fondsmanager mit 88 190 Euro. Investmentbanker rangieren den Daten zufolge erst auf Platz drei. "Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 haben viele Investmentbanker ihren Job verloren", sagt Bierbach. "Trotzdem besteht die Möglichkeit, immer mehr Geld anzulegen, da das Zinsniveau weiter gen null tendiert". Bei Privatanlegern sind deshalb zum Beispiel ETFs (Exchange Traded Funds) beliebter geworden. "Diese sorgen für reichlich Liquidität an den Börsen, und damit verdienen Fondsmanager sowie Wertpapierhändler weiterhin viel Geld", sagt Bierbach.

Gehälter in der Finanzbranche [Quelle: FAZ]

Weitaus weniger lässt sich hingegen als Privatkundenberater verdienen. Dieser Beruf steht mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 45 301 Euro ganz am Ende der Liste. Das passt ins Bild von sterbenden Bankfilialen auf dem Land. Auch Kreditsachbearbeiter und Versicherungsmakler verdienen mit 49 619 und 51 921 Euro jährlich eher unterdurchschnittlich. Zwei Zweige gibt es übrigens in der Finanzwelt, die auch mit Blick auf die Beschäftigtenzahlen ordentlich wachsen: Der Bereich Compliance - nach den Skandalen der Finanzkrise wenig überraschend - und der Bereich IT. Die Digitalisierung macht auch vor diesem Berufsfeld nicht halt.

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