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Die Kraft der Kooperation

Die digitale Wirtschaft ist die Summe aller Zusammenhänge, nicht der Gegenstände. Es sind die Verbindungen, die zählen, die Anschlussfähigkeiten. Unter der Bedingung der Digitalisierung gilt es deshalb in besonderem Maße, sich vom Gegeneinander über das Miteinander zum Füreinander zu entwickeln. Ich will mithin gleich zu Anfang des zweiten Ks die innere Einstellung fokussieren. Das gesamte Mindset muss sich ändern: Verbinden statt Trennen. Es braucht meiner Erfahrung nach unbedingt ein entschiedenes "Ja!" zur Kooperation. Aus ganzem Herzen. Das ist das Commitment, nicht die eigenen Ego-Interessen durchzusetzen, sondern andere zu beteiligen, einzubeziehen, zu unterstützen. Den anderen mitgewinnen zu lassen. Wer in einer Kooperationsarena den anderen zum Verlierer macht, schwächt das Gesamtsystem. Und damit sich.

Was können Sie dafür tun? Zunächst selbst entschieden sein. Entschieden für Kooperation. Sich aktiv für Zusammenarbeit anbieten. Das Gemeinsame betonen, nicht das Trennende. Nicht von Synergie reden und "Game of Thrones" inszenieren. Zweitens: Bei anderen das Bewusstsein für den Kooperationsvorrang wecken. Wir können nur gemeinsam gewinnen!

Drittens: Dahin gehen, wo es wehtut. Jedermann weiß: Das einzige Wesen, das Veränderung liebt, ist ein nasses Baby. Der Rest der Menschheit ist tendenziell veränderungsscheu. Manchmal gar reaktionär. Selbst wenn die Notwendigkeit verstärkter Kooperation in digitaler Zeit unabweisbar ist: Man hat alle zu Gegnern, die aus der Selbstoptimierung bisher ihre Vorteile zogen. Also, das steht für Sie an: Reden, reden, reden. Sie müssen jedes Register ziehen, um skeptische Menschen von der Notwendigkeit intensivierter Kooperation zu überzeugen. Die Frage nach dem "Warum?" ist zu beantworten, auch die nach dem "Wohin?". Lassen Sie es dabei nicht an Klarheit missen! Es ist Ihre vorrangige Aufgabe als Führungskraft, Aufmerksamkeit zu steuern, Blicke zu bahnen, Energien zu lenken. Immer wieder. Aber Sie können nicht jede Botschaft in Watte packen. Sie können auch nicht jede Maßnahme totdiskutieren. Das dauert alles zu lange. Sie müssen schon Tacheles reden, zwar nicht überzeichnen, aber auch nicht schonungsvoll mildern.

Zum Beispiel, wenn offene Nörgelei oder verdecktes Hintertreiben nicht konfrontiert wird. Wenn Egoisten unbehelligt bleiben. Wenn für Diven Sonderregeln gelten. Um es deutlich zu sagen: Sie müssen Diven ausschließen – manche Leute sind geradezu das personifizierte Dementi von Kooperation. Sie müssen bereit sein, den Kooperationsvorrang durch den Ausschluss von Mitarbeitern durchzusetzen. Wenn Sie nicht mit der Beendigung des gemeinsamen Weges drohen können, wird Kooperation niemals wirklich ernst genommen.

Für diese Konsequenz brandet kein Applaus auf, dafür werden Sie vielleicht sogar verhauen. Aber das ist Ihr Job. Dafür werden Sie als Führungskraft bezahlt. Das Ausschließen müssen Sie selbstverständlich rechtlich einwandfrei machen, fair, angemessen gestalten. Aber Sie müssen es machen. "Ein Problem lösen" heißt manchmal: sich vom Problem lösen. "Dann verliere ich meine besten Leute!", höre ich Sie rufen, und Sie gehen in den Keller, um die Hausmarke Schwermut zu öffnen. Ja, ein Preis ist fällig. Was Sie vielleicht verlieren, sind die besten Einzelspieler. Ein Unternehmen ist jedoch um den Kooperationsvorrang herum gebaut. Es nützt Ihnen nichts, wenn ein Verteidiger im Fußball 95 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnt, aber keine Viererkette spielen kann. Mit der Trennung stärken Sie langfristig das Unternehmen. Sie werden sehen: Kaum ist der Superstar gegangen, entwickeln sich diejenigen, die bisher in seinem Schatten standen.

Der Trennungsscheue hält fest aus Prinzip; er liebt alle Mitarbeiter wie die Kinderlose alle Kinder. Das mag sympathisch sein, schwächt aber die Kooperation. Es gehört zu den Paradoxien der Digitalisierung, dass Sie sich trennen müssen, um besser verbinden zu können.

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