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Gefangen im eigenen Netz

Frau, Karriere, Aufstieg, Frauennetzwerk, Arbeiten [Quelle: Pexels.com, Autor: Andrea Piacquadio]

Quelle: Pexels.com, Andrea Piacquadio

Immer mehr Managerinnen organisieren sich in Frauenverbänden. Die haben das Ziel, mehr Frauen in die Chefetagen zu bringen. Doch oft bewirken sie genau das Gegenteil.

Jeannine Budelmann hatte Malstifte und Kekse dabei. Und ihre kleine Tochter. "Ist ja interessant, was heute alles geht", kommentierte das ein älterer Mann und Gast auf der Verbandssitzung, zu der Budelmann, Geschäftsführerin des gleichnamigen mittelständischen Elektronikunternehmens, gekommen war, um mit den anderen Mitgliedern über die Belange der regionalen Wirtschaft zu sprechen. Und um klarzustellen, dass etwas Interessantes für ihn nicht zwangsläufig etwas Gutes bedeutet, fügte er hinzu: "Das wäre früher nicht gegangen."

Die Szene, die Budelmann Anfang des Jahres erlebte, verdeutlicht, womit Frauen, vor allem berufstätige Mütter, in männergeprägten Führungszirkeln bis heute zu kämpfen haben. Gerunzelte Stirnen, kaum verhohlene Skepsis. Und die Szene macht klar, warum sich immer mehr dieser Frauen in eigenen Frauennetzwerken organisieren: weil sie dort ohne Vorurteile behandelt werden, sein dürfen, wie sie sind – und zugleich den alten Männerbünden etwas entgegensetzen können, um den eigenen Aufstieg zu orchestrieren. So zumindest lautet das Kalkül, das hinter den diversen Verbünden steckt, die in den vergangenen Jahren neu entstanden oder stark gewachsen sind. Sie heißen Verband deutscher Unternehmerinnen, Business and Professional Women, Deutsche Juristinnen oder Deutscher Ärztinnenbund, es gibt sie als interne Netzwerke bei KPMG oder der Deutschen Telekom. Und sie eint der Glaube, dass es ohne sie keinen Weg zur Gleichberechtigung gibt: Nur wenn Frauen sich gegenseitig helfen, können sie das Patriarchat der Macht brechen.

Zumindest die grundsätzliche Einsicht trifft zweifellos zu: Für die Karriere sind Netzwerke essenziell. Es sind die Orte, an denen die Trends und Gerüchte aus der Branche ausgetauscht, Allianzen geschmiedet werden, in denen man sich Rat und Unterstützung holt – und im besten Fall den entscheidenden Tipp für den nächsten Job. Etwa jede dritte bis zweite Stelle, so zeigen es Studien und Befragungen, wird in Deutschland über persönliche Kontakte und nicht über Stellenausschreibungen vergeben. 2018 war laut dem Statistischen Bundesamt nur jede dritte Führungskraft weiblich. Seit 2012 ist dieser Anteil nur um magere 0,8 Prozentpunkte gestiegen. Da liegt der Schluss nahe: Wenn Frauen so selten aufsteigen, brauchen sie offenbar eigene Netzwerke, die ihren Interessen dienen.

Doch je mehr von diesen Bündnissen es gibt, desto mehr Frauen bemerken auch die Kehrseite der Klüngelei: Legitimieren solche Netzwerke nicht gerade die Art von informellen Machtstrukturen, die sie aufbrechen wollen? Und stärken sie dadurch, dass sie sich von den Männern abschotten, womöglich gerade die Macht derer, die sie eigentlich entmachten wollen?

Auf der Suche nach Verbündeten

Jeannine Budelmann würde nie einem Frauennetzwerk beitreten. "Wenn wir ständig darauf hinweisen, dass Frauen spezielle Netzwerke, eine spezielle Förderung brauchen, dann zementiert das nur das Problem, dass Frauen häufig noch unterrepräsentiert sind", sagt sie. Sie hält den Austausch mit Männern für unverzichtbar, um die Sichtbarkeit von Frauen zu erhöhen. Selbst wenn das mal anstrengend wird. Früher beschäftigten sie die spitzen Bemerkungen noch lange. "Irgendwann habe ich aber verstanden, dass mich die Männer als Stellvertreterin für alle jungen Frauen angingen und die Bemerkungen nur selten persönlich gemeint waren", erzählt sie. Inzwischen sucht die 33-Jährige ganz bewusst den Draht zu Männern, die sich genauso wünschen, dass Kindererziehung und Karriere nicht nur der einen oder dem anderen in einer Partnerschaft vorbehalten ist – oder dass Meetings stärker von Sachlichkeit statt von gockelhaftem Gehabe geprägt sind.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Sonderbarer Artikel, zumindest beim Ärztinnenbund geht es ja auch um Patientinnenversorgung und Forschungsförderung. Wirkt nicht so als sei die Journalistin bei irgendeinem der Verbände jemals vorstellig geworden...

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