Partner von:

Doppelbelastung Sport und Studium

Mit 25 haben Sie parallel zu Ihrer Turnkarriere ein Studium begonnen. Wie bringt man die Disziplin für so eine Doppelbelastung auf?

Ich kannte das auf anderem Niveau ja schon aus der Schule – vom Prinzip her war es also nichts Neues. Aber es ist und bleibt nicht einfach. Ich versuche, diesen Sommer fertig zu werden. Vor Kurzem hatte ich drei schriftliche Tests, die ich zwischen meinen Terminen unterbringen musste. Das Zeitmanagement ist wirklich sehr, sehr schwierig.

Aber gerade am Anfang meines Studiums, wo ich noch versucht habe, es in normalem Tempo durchzuziehen, habe ich auch gemerkt, wie gut es mir getan hat, nebenbei auch etwas für den Kopf zu tun. Den Unistress konnte ich dann wiederum sehr gut in der Turnhalle rauslassen. Das Eine hat also das Andere positiv beeinflusst. Klar, zeitlich war es schwierig. Immer dienstags zum Beispiel habe ich morgens um acht angefangen und bis abends um acht durchgearbeitet: Studium, Training, Studium, Training. Und bei Wettkämpfen hatte ich immer meine Lernsachen dabei, damit ich beides hinkriege. Ich hatte und habe aber auch immer die Unterstützung der Sporthochschule Köln. Ich konnte zum Beispiel Klausuren vor- oder nachschreiben, wenn sie in einen Wettkampf oder die Vorbereitungsphase gefallen sind. Die Doppelbelastung war also einerseits sehr anstrengend. Andererseits hat sie mich noch weiter nach vorne gebracht, weil es schön ist, sich geistig mit anderen Themen auseinanderzusetzen und mit den Kommilitonen über sportwissenschaftliche Dinge zu sprechen.

Ein Motivationstief hatten Sie also nie?

Eigentlich nicht. Klar, jeder ist mal müde oder hat nicht die größte Lust auf Uni oder Arbeit. Ich bin trotzdem jeden Tag in die Turnhalle gegangen und durch den Spaß am Sport kam die Motivation dann auch zurück. Im Studium wusste ich: Es hilft einfach nix! Wenn ich die Klausur nicht noch einmal schreiben will, dann musste ich mir halt in den Arsch treten. Das habe ich von klein auf gelernt. Mein Bruder und ich mussten schon zu Grundschulzeiten immer zuerst die Hausaufgaben machen, sonst durften wir nicht in die Turnhalle. Das hat sich so in den Kopf eingebrannt, dass ich mich gar nicht frage, ob ich jetzt Lust habe zu lernen oder nicht.

Ich bin aber niemand, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen kann. Außerdem weiß ich, dass ich mich vormittags besser konzentrieren kann. Dementsprechend habe ich meinen Tag geplant, von 10 bis 15 Uhr Gas gegeben und dann war Feierabend. Wenn es nötig war, habe ich aber auch mal bis 2 Uhr nachts mit einer Freundin für die Statistikklausur gelernt und bin dann um 6 Uhr wieder aufgestanden.

Führen Sie heute ein "normales" Studentenleben, samt ausschweifenden WG-Partys und verpennten Vorlesungen?

Leider habe ich keine Zeit dafür. In Nordrhein-Westfalen gibt es momentan keine Anwesenheitspflicht, das heißt, ich kann frei entscheiden, wann ich an der Uni aufschlage – und das ist gut so. Denn momentan bin ich terminlich so eingebunden, dass ich wenig da bin. Ich hatte Termine für Eurosport in Vorbereitung auf Olympia, Sponsorentermine und jetzt bin ich drei Wochen in Südkorea bei den Olympischen Winterspielen. Ich habe also bisher nicht die Gelegenheit, ein richtiges Studentenleben zu führen, und ich weiß auch nicht, ob das noch einmal kommt.

Sie haben Ihre Laufbahn als Profisportler im Dezember 2017 beendet. In Ihrem Alter fangen andere erst an, ihre Karriere auf den Weg zu bringen. Wie steckt man sich neue Ziele, wenn man schon so viel erreicht hat wie Sie?

Es ist schwierig, wieder diese eine Sache zu finden, in die man genauso viel Herzblut steckt wie in den Sport. Das ist meine große Herausforderung für die Zukunft – wieder etwas für mich zu entdecken. Ich hatte ja nie Zeit für ein Hobby, für etwas, von dem ich sagen würde: Das kann ich jetzt ausbauen.

Momentan kompensiere ich diese Lücke mit vielen verschiedenen Dingen. Eines der Ziele ist natürlich, mein Studium dieses Jahr abzuschließen. Gerade baue ich außerdem ein Haus in Wetzlar. Die Arbeit für Eurosport und Sponsoren füllen meine Tage zusätzlich ganz gut. Wo es langfristig hingeht, wird sich zeigen. Ich arbeite sehr gerne für Eurosport – das könnte also eine Aufgabe sein, die ich noch weiter ausbaue. Ich kann mir aber auch vorstellen, als Trainer zu arbeiten, weil mir das Turnen weiter sehr am Herzen liegt. Die Optionen sind also da. Jetzt bin ich in einer Phase, in der ich Dinge ausprobieren kann, um zu sehen, was mir gefällt. Ich bin dankbar dafür, dass ich diese Zeit habe und dass sich aus dem Sport neue Möglichkeiten für mich ergeben haben.

nach oben

Du hast eine zündende Idee für einen Artikel auf e-fellows.net? Schreib für uns als Gastautor. Wir freuen uns auf deine Beiträge!

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren