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"Neid muss man sich hart erarbeiten"

Fabian Hambüchen [Quelle: © Bettina Theisinger, Autor: Bettina Theisinger]

Quelle: © Bettina Theisinger

2017 hat der Ausnahmeturner Fabian Hambüchen seine Karriere beendet. Im Interview erzählt er von Ärger auf dem Schulhof, Konkurrenzdenken in der Turnhalle und verrät die besten Motivationstipps seines Mental-Coachs.

Nach dem Ende Ihrer Profikarriere blicken Sie auf große Erfolge zurück – doch die harte Arbeit dafür wurde nicht von allen Seiten honoriert: Mitschüler haben Sie für Ihren "Schwuchtelsport" belächelt, manche Lehrer hatten nur wenig Verständnis für Ihre außerschulische Karriere. Wie schafft man es gerade in jungen Jahren, sich von solchen Widerständen nicht aus der Bahn werfen zu lassen?

Meine Klassenkameraden fanden meinen Sport nicht so attraktiv wie etwa Fußball. Für mich war das aber kein Problem. Ich wusste: Ich will das machen – und damit gab es für mich keine Debatte, sich hänseln oder mobben zu lassen. Manchmal habe ich als Reaktion auf blöde Sprüche dann einfach einen Salto gemacht und meinte: "Probier doch mal, ob du das auch kannst" – dann war es meistens gut.

Der Konflikt mit einer meiner Lehrerinnen war in der 12. Klasse, als es schon in Richtung Abi ging. Ich wusste: Wenn diese Lehrerin mir einen Strich durch die Rechnung macht, kann es passieren, dass ich mein Abitur nicht bestehe. Das war also schon ernster als Sticheleien unter Klassenkameraden. Ich habe deshalb auch überlegt, mich ganz auf den Sport zu konzentrieren und das Abi später nachzuholen. Aber ich hatte meine Mutter an meiner Seite, die sich immer sehr für mich eingesetzt hat – auch bei den Schuldirektoren. Die standen meistens hinter mir und waren der Dreh- und Angelpunkt, um meinen Schulalltag mit dem Sport zu vereinbaren.

Eine Karriere als Leistungssportler ist nicht nur physische Schwerstarbeit – Ihr Onkel Bruno hat als Mental-Coach mit Ihnen an Ihrer Psyche gearbeitet. Welche Tipps waren für Sie besonders wertvoll und welche davon können Sie auch heute noch anwenden?

Von Bruno habe ich von klein auf gelernt, Negatives in Positives zu verwandeln. Die Weltmeisterschaft in London musste ich wegen eines Bänderrisses während des Trainings vorzeitig beenden, obwohl ich gekommen war, um meinen WM-Titel zu verteidigen. Trotz des Ärgers wollte ich meinen Mannschaftskollegen beim Qualifikationswettkampf zuschauen – konnte es aber nur schwer ertragen, als ich dann auf der Zuschauertribüne saß. Ich sagte zu Bruno: "Ich gehöre hier nicht hin! Ich bin Turner. Ich will da unten sein!" Bruno hat mich gebeten, mir dieses Gefühl einzuprägen und abzuspeichern, wie auf einem USB-Stick. Obwohl ich anfangs nicht wusste, was er damit wollte, bin ich seinem Ratschlag gefolgt.

Als ich mich zwei Jahre später bei der Deutschen Meisterschaft 2012 kaum aufs Turnen konzentrieren konnte, weil ich mit einem Mannschaftskollegen Stress hatte, kam mir aber genau dieses Gefühl von der WM in London zugute. Bruno brauchte nur zu fragen: "Kannst du dich noch an das London-Feeling erinnern?" – und sofort war der unbändige Wille zu turnen wieder da. Und ich holte den Titel.

In Ihrem Buch beschreiben Sie auch den sogenannten "Schubladen-Trick", mit dem Sie Dinge verarbeiten, die Ihnen den Schlaf rauben. Was hat es damit auf sich?

Vorneweg: Diese Methode ist sehr individuell, nicht jeder kann sie eins zu eins übernehmen – aber jeder kann seine eigenen Bilder finden. Wenn man zum Beispiel vom Job gestresst ist, kann das Büro für diesen Stress stehen. Du stellst dir nun zur Stressbewältigung einen großen Schreibtisch in einem Bürogebäude vor, mit vielen großen Schubladen. Themen, die dich belasten, die du nicht mit nach Hause nehmen möchtest, packst du nun in diese Schubladen. Denn es bringt nichts, wenn du dir die ganze Nacht Gedanken machst über eine Situation, die du gerade nicht ändern kannst. Sobald das Thema in der Schublade verstaut ist, machst du sie zu und verlässt dieses Gebäude. Geh an einen Ort, mit dem du Frieden und Glückseligkeit verbindest.

Für mich sind das zum Beispiel der Strand und das Meer. Bei all dem Trubel, den ich mit der Schule, dem Training und jetzt mit dem Studium hatte und habe, sind drei Wochen Urlaub am Meer für mich die Zeit, in der ich mir Erholung und Kraft hole. Spätestens wenn ich mir vorstelle, dass ich am Strand bin und das Meeresrauschen höre, sind meine Sorgen vergessen und ich schlafe ein. Welches Bild man verwendet, muss jeder individuell für sich wissen – das können auch die Berge sein. Wichtig ist nur, dass man sich den Ruhepol möglichst bildlich vorstellt.

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