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Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Quelle: pixabay.com, PourquoiPas

Vor allem berufstätige Mütter haben Schwierigkeiten, ihre Arbeitszeitwünsche zu realisieren, zeigt eine neue Studie.

Es gibt den Gender-Pay-Gap und den Gender-Care-Gap. Ersterer beschreibt den Einkommensunterschied von 18 Prozent zwischen den Geschlechtern, unter anderem weil Frauen sich häufiger für schlechter bezahlte Berufe entscheiden und viel mehr Teilzeit arbeiten als Männer. Letzterer die Tatsache, dass Frauen sich immer noch deutlich mehr um die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen und die Hausarbeit kümmern als ihre Partner. Beide Lücken könnten aber durchaus kleiner sein, denn das Potenzial für die Angleichung von Arbeitszeiten zwischen den Geschlechtern ist da.

Darauf deutet eine neue Studie des Ifo-Instituts für die Bertelsmann Stiftung hin. Demnach arbeitet die Hälfte der männlichen Beschäftigten mehr als gewünscht. Dagegen gelten bei den Frauen 17 Prozent als unterbeschäftigt, sie würden ihre Arbeitszeit gern aufstocken. Der Anteil liegt damit fast doppelt so hoch wie bei den Männern, von denen neun Prozent weniger arbeiten als gewünscht. "Unterschiedliche Arbeitszeiten sind einer der Hauptgründe für die unterschiedlichen Erwerbseinkommen von Männern und Frauen", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Das zu ändern sei "gesellschaftlich geboten". So hatte die Bundesregierung die neue Grundrente auch mit dem Argument eingeführt, gerade den Frauen helfen zu wollen, die zwar lange gearbeitet, aber nur wenig verdient haben – etwa in einem Teilzeitjob.

Zufriedene Teilzeitbeschäftigte

Die Studie, die ein Team um den Ifo-Experten Andreas Peichl erstellt hat, beleuchtet die Entwicklung der tatsächlichen und gewünschten Arbeitszeiten seit 1985. Dabei zeigt sich, dass bei den Vollzeitbeschäftigten die tatsächliche Arbeitszeit durchweg über der gewünschten Arbeitszeit liegt. Arbeitnehmer im Full-Time-Job würden im Durchschnitt gern rund sechs Stunden weniger pro Woche arbeiten. Bei den Teilzeitbeschäftigten klaffen Wunsch und Wirklichkeit dagegen weniger stark auseinander. Hier besteht zwischen gewünschter und tatsächlicher Arbeitszeit nahezu kein Unterschied – unabhängig vom Geschlecht. Im Durchschnitt arbeiten erwerbstätige Männer in Deutschland 41 Wochenstunden, bei den Frauen sind es neun Stunden weniger.

Die Wunscharbeitszeit liegt mit 37 Stunden bei den männlichen Beschäftigten und 30 Stunden bei den weiblichen deutlich niedriger. Die Durchschnittsbetrachtung verdeckt aber, dass gerade unter den Frauen ein hoher Anteil gern mehr arbeiten würde – diesen Wunsch aber nicht erfüllen kann. Dies gilt besonders für berufstätige Mütter. "Fehlende oder zu teure Kinderbetreuung führt immer noch dazu, dass insbesondere Mütter ihre Arbeitszeitwünsche nicht realisieren können", sagt Dräger. Zwar hat die Bundesregierung vor acht Jahren den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für unter Dreijährige eingeführt.

Doch nach einer im Oktober 2020 veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) fehlen trotz der Milliardeninvestitionen in den Kita-Ausbau rund 342.000 öffentlich geförderte Betreuungsplätze. Statistisch betrachtet geht damit jedes siebte Kind unter drei Jahren leer aus. Die Ifo-Studie zeigt aber auch, dass die Geburt von Kindern und die Betreuungssituation auf die Arbeitszeitwünsche von Männern so gut wie keine Auswirkungen haben. Dies deute darauf hin, dass die traditionelle Rollenverteilung in Paarhaushalten weiter dominiere.

Infolge der Corona-Pandemie könnten sich die festgestellten geschlechtsspezifischen Arbeitszeitdiskrepanzen noch verstärken, heißt es in der Studie. Maßnahmen wie die zeitweisen Kita- und Schulschließungen stellten "einen erheblichen zusätzlichen Schock für die Realisierung von Arbeitszeitwünschen dar und dürften in einer Verschärfung der bestehenden Restriktionen für Eltern, aber insbesondere Mütter, resultieren", heißt es in der Studie. Die Forscher machen sich überdies dafür stark, Fehlanreize im Steuer-, Abgaben- und Transfersystem abzubauen: "Zu nennen sind hier das Ehegattensplitting und Minijobs, die dazu führen können, dass Personen mangels finanzieller Anreize weniger arbeiten, als sie eigentlich können und wünschen." Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte jüngst im Handelsblatt-Interview erklärt, eine Reform des Ehegattensplittings sei eine "dringende Aufgabe für die nächste Legislaturperiode".

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