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Bewerbung beim Jobwechsel

Karriereleiter Leiter Entscheidungen [Quelle: Fotolia, alphaspirit]

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Unzufriedenheit mit dem Gehalt, fehlende Aufstiegschancen oder mangelnde Perspektiven – die Gründe für einen Stellenwechsel sind vielfältig und individuell. In unserem Interview verrät dir ein Business Coach, wie du du deinen Wechselwunsch erfolgreich in die Tat umsetzt.

Aus welchen Gründen kommen Ihre Klienten mit dem Wunsch nach einem Jobwechsel zu Ihnen?

Einer der häufigsten Gründe bei meinen Klienten ist das Gehalt. Nachdem sie einige Jahre gearbeitet haben, stellen sie zum Beispiel fest, dass sie im Vergleich zu anderen auf ähnlichen Positionen zu wenig verdienen. Oder sie merken, dass sie gerne eine schnellere Gehaltsentwicklung hätten, als die aktuelle Stelle ihnen bietet. Ein zweiter Punkt ist keine Aussicht auf Beförderung und wenig Initiative zur Weiterentwicklung der Mitarbeiter seitens der Vorgesetzten. Ein dritter Grund sind laut meiner Klienten häufiger auch "nervige Kollegen". Das bezieht sich vor allem auf den Chef, der ja der wichtigste Kollege in der direkten Zusammenarbeit ist.

Zentral ist letzten Endes auch die Sinnfrage: Die Klienten hinterfragen, warum sie in dem Job arbeiten oder Teil dieses Unternehmens sind. Da geht es um das Thema Berufungsfindung: Was ist eigentlich das, was ich für den Rest meines Lebens machen möchte?

Wann raten Sie dazu, die Entscheidung für den Jobwechsel zu überdenken und wann ist er aus Ihrer Perspektive eine richtige Option?

Ein Überdenken der Situation empfehle ich, wenn es eher ein kurzfristiger Impuls ist, eine Reaktion auf eine plötzliche Enttäuschung oder einen Frustschub, weil sich viele Sachen aufgetürmt haben. Ist die Ursache zum Beispiel "nur" ein nerviger Kollege, hinterfrage ich den Jobwechsel erst einmal. Wenn der Klient oder die Klientin grundsätzlich mit dem Unternehmen und den Aufgaben zufrieden ist, sollte man vielleicht eher überlegen, wie man mit dem Chef oder den Kollegen besser auskommen kann, statt gleich das Weite zu suchen.

Hält die Unzufriedenheit bereits länger an und sind kurz- bis mittelfristig keine Verbesserungen in Aussicht, halte ich es dagegen für eine richtige Option, den Jobwechsel anzustreben.

Als ersten Grund nannten Sie die Unzufriedenheit mit dem Gehalt: Was ist, wenn jemand die Gehaltsfrage als Druckmittel einsetzt?

Grundsätzlich rate ich davon ab, da Druck immer Gegendruck erzeugt. Im Gehaltsgespräch, bei dem ich eigentlich etwas Positives erreichen möchte, bewirke ich so automatisch verhärtete Fronten gegenüber dem Vorgesetzten, mit dem man oft jeden Tag zu tun hat. Auch disziplinarisch hat er oder sie einen direkten Einfluss auf meine Arbeit, meine Bewertung und meine Beförderung. Daher würde ich auf keinen Fall ein Druckmittel verwenden, wenn ich daran interessiert bin, in dem Unternehmen zu bleiben.

Habe ich mich dagegen schon entschieden, dass ich es auf jeden Fall verlassen möchte, kann ich natürlich schauen, was gehaltstechnisch noch möglich wäre. Kommt es zum Konflikt und die Gehaltserhöhung wird abgelehnt, sollte ich aber definitiv wechseln. Sonst mache ich mich selbst unglaubwürdig.

Ich stoße immer wieder auf den Ratschlag, dass man nach einem Jahr, drei oder auch fünf Jahren wechseln sollte, wenn man Karriere machen will. Wie stehen Sie zu solchen Aussagen?

Als grundsätzlich notwendig sehe ich es nicht. Wenn ich mir vorstellen kann, meine gesamte Laufbahn bei meinem aktuellen Arbeitgeber zu bestreiten, brauche ich keinen Wechsel. Man kann sich auch innerhalb eines Unternehmens entwickeln. Eine Garantie dafür gibt es natürlich nicht. Es kommt immer darauf an, was der Klient wirklich möchte und ob er eine Fach- oder eher eine Führungskarriere anstrebt.

Will ich unbedingt Vorstand werden, komme ich schneller ans Ziel, wenn ich mehrfach das Unternehmen wechsle. Denn damit steigere ich meine Chancen auf größere Sprünge in der Hierarchie. Das ist auch bei der Gehaltsentwicklung ein klarer Vorteil. Bei einem guten Jobwechsel in eine andere Firma – nicht innerhalb desselben Unternehmens – ist es durchaus möglich, eine Steigerung zwischen fünf und 15 Prozent auszuhandeln. Das kann man dann durchaus auch alle zwei Jahre machen.

Man sollte also mindestens zwei Jahre bei einem Unternehmen bleiben?

Aus meiner Erfahrung: Ja. Dabei macht es keinen Unterschied, ob ich den Job in dieser Zeit innerhalb oder außerhalb des Unternehmens wechsle. Es geht eher darum, eine gewisse Stetigkeit und Konstanz zu beweisen. Sich als jemand zu zeigen, der bei Problemen oder auch vor schwierigen Aufgaben nicht geflüchtet ist. Das vermittelt, dass die Person verlässlich ist und auch langfristig denkt und arbeitet.

Will man als dynamisch und aufstrebend gelten, schnell Karriere machen und ein entsprechendes Profil im Lebenslauf haben, sollte man jedoch nach zwei bis fünf Jahren die Stelle wieder wechseln … bis man am Ende auf der gewünschten Position ist.

Gehen wir von Folgendem aus: Ich habe zwei Jahre Berufserfahrung in einem Unternehmen gesammelt und möchte mich durch einen Jobwechsel weiterentwickeln. Sollte ich schon im Anschreiben auf meine Motivation dafür eingehen?

Ja, man sollte die Motivation für den Wechsel im Anschreiben unbedingt begründen, aber immer mit positivem Bezug auf die neue Stelle und einer auf die Zukunft gerichteten Perspektive. Hier rate ich meinen Klienten zu Formulierungen, die für sie stimmig sind, und bespreche das Anschreiben mit ihnen, ohne zu viel vorzugeben. Ein individuelles, möglichst wenig standardisiertes Anschreiben ist die beste Chance, um eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zu erhalten.

Wie sollte man den Wechselwunsch im Vorstellungsgespräch am besten begründen?

Ein gutes Argument für den Wechselwunsch wäre, dass ich mich entfalten und meine Fähigkeiten in der neuen Position besser zur Geltung bringen will. Aussagen wie diese verankern einen positiven Eindruck und signalisieren, dass man motiviert ist, gleich loszulegen. Sie vermitteln dem neuen Chef oder der neuen Chefin, dass hier jemand kommt, von dem das Unternehmen sofort profitieren kann. Ein ebenso gutes Argument ist die Suche nach neuen Herausforderungen, die man in der Stelle gegeben sieht. Dabei kann man mit dem potenziellen neuen Arbeitgeber abgleichen, ob man dieselben Erwartungen hat. Sehr positiv aufgenommen wird auch der Wunsch nach mehr Verantwortung.

Was ist, wenn man mit seinem bisherigen Arbeitgeber unzufrieden ist?

Wenn Bewerber mit ihrer aktuellen Stelle sehr unzufrieden sind, sollten sie dieses Gefühl erst einmal anerkennen, ihm Raum geben und nicht versuchen, es zu unterdrücken. Zum Beispiel können sie – allein oder zusammen mit einem Coach – alles aufschreiben, was sie frustriert und warum. So müssen sie den Frust nicht weiter mit sich herumtragen und verarbeiten ihn direkt. Erst danach halten sie fest, warum ihnen das neue Unternehmen mehr Potenzial bietet und sammeln positive Argumente. Dadurch kommen sie automatisch dazu, die bisherige Arbeit hinter sich zu lassen und – auch emotional – einen Abschluss zu finden. Manchmal ist der Jobwechsel ein Trauerprozess, was nachvollziehbar ist. Er sollte weitgehend abgeschlossen sein, bevor man überhaupt in das erste Vorstellungsgespräch geht, damit man keine negative emotionale Stimmung mitbringt.

Lügen gegenüber dem potenziellen neuen Arbeitgeber würde ich jedoch unbedingt vermeiden. Was nicht bedeutet, dass man alles sagen muss. Man lügt nicht, wenn man Dinge weglässt oder rhetorisch professionell darstellt.

Manche Bewerber fürchten, dass der aktuelle Arbeitgeber etwas von den Wechselbemühungen mitbekommt. Wie kann man dem entgegenwirken?

Es gibt den klassischen Sperr-Vermerk, den man in den Bewerbungsunterlagen anführen sollte: "Da ich mich in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis befinde, bitte ich Sie, diese Bewerbung vertraulich zu behandeln." Das ist absolut gängig und professionell. Bewerbe ich mich im gleichen Unternehmen, kann es passieren, dass mein Chef mich nicht gehen lassen will. Diese Gefahr besteht durchaus, wenn die Unternehmenskultur nicht auf interne Wechsel ausgerichtet ist. Darauf sollte ich mich dann einstellen und vorher schon an den Punkt gekommen sein, das Unternehmen zu verlassen, wenn die interne Bewerbung nicht funktioniert. Dann habe ich auch nichts zu verlieren. Bei einer guten Unternehmenskultur ist es gewünscht, dass sich die Mitarbeiter in anderen Abteilungen weiter qualifizieren. Dann ist es in der Regel kein Problem, da es zur gelebten Kultur des Unternehmens gehört.

Haben Sie Tipps, wie man die interne Bewerbung konstruktiv vor dem Vorgesetzten vertritt?

Ähnlich wie im Vorstellungsgespräch: ehrlich, offen, professionell und mit guten Argumenten. Am besten sind Sachargumente, keine emotionalen Argumente. Selbst wenn der Vorgesetzte unsachlich wird, sollte man sich selbst nicht auf das gleiche Niveau begeben und stattdessen klar bei der Sache sowie wertschätzend in der Kommunikation bleiben. Wenn man Konflikte austrägt, zieht man in der Regel immer den Kürzeren. Der Vorgesetzte wird im schlimmsten Fall seine Machtposition ausnutzen und Hürden für den Wechsel aufbauen.

Sich neben dem Job zu bewerben und Vorstellungsgespräche zu organisieren, ist für Wechselwillige oft eine große Herausforderung: Wie sollten sie es angehen?

Das ist eine Frage des Zeitmanagements. Es geht darum, sich selbst zu organisieren und auch seine Prioritäten so zu verändern, dass sie nicht mehr nur auf dem aktuellen Job liegen. Ich empfehle meinen Klienten immer, ihren Wechsel wie ein Projekt professionell zu planen. Der erste Schritt ist dann, einen Projektplan zu machen und zu überlegen, welche verschiedenen Meilensteine jetzt anstehen, was der zeitliche Horizont und meine Deadline ist. Dadurch kommt erfahrungsgemäß eine ganz andere Dynamik in den Bewerbungsprozess.

Zuvor muss man die Situation natürlich klar analysieren. Sonst ist die Motivation zum Wechsel nicht so hoch und man bleibt in seinen Emotionen und seiner schwelenden Unzufriedenheit gefangen. Diese klare Reflexion und Selbstklärung findet oft nicht statt.

Manche Bewerber fragen sich auch, ob der Wechsel ihre Situation tatsächlich zum Positiven verändert. Woran erkenne ich denn, dass der neue Job besser für mich ist?

Die absolute Sicherheit gibt es nie. Aber ich kann die Fehlerwahrscheinlichkeit verringern, indem ich mich im Bewerbungsprozess nicht nur empfehle, sondern auch meinerseits den neuen Arbeitgeber prüfe. Dafür sollte ich für mich klären, in welcher Wertekultur ich mich wohlfühle, denn nur da werde ich letztlich erfolgreich sein. Bei jedem Kontakt mit dem neuen Unternehmen sollte man hinterfragen, wie sich die Situation gerade anfühlt, und sich die Option offenhalten, dass der neue Job vielleicht gar nicht besser ist.

Die direkt erlebte und gelebte Unternehmenskultur sollte zum Bewerber passen. Im falschen Umfeld können auch sehr gute Leute ihr Potenzial nicht voll entfalten. Sie arbeiten sich jahrelang ab und enden im Zweifelsfall im Burn-out – ein Aspekt, den viele Bewerber unterschätzen, weil sie zum Beispiel unbedingt bei einem bestimmten Top-Unternehmen arbeiten wollen und nicht bedenken, dass es vielleicht gar nicht das Richtige für sie ist.

Wenn der Jobwechsel erfolgreich war und der neue Vertrag schon unterschrieben ist: Worauf sollte man im Umgang mit dem alten Arbeitgeber achten?

Es gibt ja diesen Spruch: Man trifft sich immer zwei Mal im Leben. Vielleicht möchte man irgendwann sogar in das ursprüngliche Unternehmen zurück. Daher sollte man dort möglichst keine verbrannte Erde hinterlassen. Auch hier sind ehrliche Gespräche die beste Vorgehensweise, insbesondere mit dem direkten Vorgesetzten. Klare Argumente, warum man sich wegbewirbt, sollte man durchaus nennen. Wenn sie stimmig sind, ist das absolut professionell. Es kann auch passieren, dass der bisherige Arbeitgeber ein Gegenangebot macht. Doch wenn der Vertrag mit dem neuen Unternehmen schon unterschrieben ist, würde ich definitiv gehen. Denn in den wenigsten Fällen kann das bisherige Unternehmen dem Wechselwilligen das bieten, was er eigentlich möchte. Oft versuchen es die Unternehmen mit einer Gehaltserhöhung oder einem höheren Titel. Doch auch mit mehr Gehalt sind die eigentlichen Themen nicht verbessert und es wird die Unzufriedenheit aus meiner Erfahrung nicht auf Dauer überdecken können.

Ein guter Arbeitgeber bietet dem Mitarbeiter an, in bestem Einvernehmen auseinanderzugehen, in Kontakt zu bleiben und zu schauen, wie die nächsten Jahre verlaufen. Wenn ein ehemaliger Mitarbeiter in einem neuen Unternehmen oder einer anderen Branche Erfahrungen macht, kann dies sehr nützlich sein. Womöglich kommt er zu einem späteren Zeitpunkt in einer höheren Position zurück und die Ausbildung, die er in einem anderen Unternehmen erworben hat, bringt viele positive Veränderungen.

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