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Ich bin dann mal weg, Chef

Palmen Sommer Urlaub Auszeit [Quelle: freeimages.com, clshearin]

Quelle: freeimages.com, clshearin

Eine Zeit lang Abstand vom Job oder dem Studium hilft vor allem, Kraft und Motivation zu sammeln. Eine Auszeit kann aber auch völlig neue Perspektiven eröffnen. Und sie gibt Zeit, um sich darüber klar zu werden, ob man auf dem richtigen Weg ist – beruflich wie privat. Bei welchen Symptomen ist eine Auszeit fällig? Und welche Möglichkeiten gibt es eigentlich, diese Zeit sinnvoll zu gestalten?

Während ihre Freunde zu Hause in München Biochemie büffelten, entdeckte e-fellows.net-Stipendiatin Denise im rund 8.000 Kilometer entfernten Nanjing einen völlig neuen Alltag: Erhu, Kalligraphie und Chinesisch bestimmten den Tagesablauf in ihrer chinesischen Gastfamilie.

Konzentration auf die Sprache

Für Denise war der Aufenthalt in China die perfekte Auszeit: "Ich habe mich bewusst gegen ein Praktikum entschieden, weil ich mich nur auf die Sprache konzentrieren wollte", erzählt sie. Das hat sich gelohnt: "Mittlerweile spreche ich besser Chinesisch als Französisch." Schon während der Schulzeit war ihr klar, dass sie längere Zeit in China verbringen möchte. Ins Ausland ging sie schließlich nach dem vierten Semester. Ein guter Zeitpunkt, wie sie rückblickend findet: "Nach zwei Jahren Studium brauchte ich einfach mal etwas Neues."

Wann passt die Auszeit

Den einzig richtigen Zeitpunkt für eine Auszeit gibt es nicht. Klassische Gelegenheiten sind die Zeit zwischen Abitur und Studienanfang, nach der ersten Hälfte des Studiums oder nach vier bis fünf Jahren im Beruf. Die Entscheidung dazu fällt gerade Berufstätigen oft nicht leicht. Denn die Angst ist häufig groß, nach der Rückkehr im Unternehmen außen vor zu sein, während die Kollegen Karriere gemacht haben. Die deutschen Studenten gehen zwar viel und gerne ins Ausland, doch als Auszeit würden sie diese Monate nicht bezeichnen. In den meisten Fällen sind ein Praktikum oder ein Semester an einer ausländischen Hochschule die Gründe.

Zeit zum Nachdenken

Denise hat ihren Aufenthalt auch ohne Praktikum oder Auslandsstudium nicht bereut. "Ich hatte wirklich Zeit zu überlegen, ob ich mit meinem Studium den richtigen Weg eingeschlagen habe." Zwischendurch fragte sie sich zum Beispiel, ob sie nicht doch Sprachen hätte studieren sollen. Mittlerweile ist sie sich aber sicher, dass Biochemie genau das Richtige ist. Für Denise steht fest, dass sie ihre Chinesischkenntnisse gerne im Job einsetzen würde – an erster Stelle stehen sollen sie jedoch nicht. "Der chinesische Markt wächst enorm und da ich Patentanwältin werden möchte, können mir meine Sprachkenntnisse sicher helfen."

Sabbatical als Firmenphilosophie

Während Studenten vergleichsweise unkompliziert eine Auszeit nehmen können, sieht die Situation bei Berufstätigen schon anders aus. Das Sabbatjahr – auch Sabbatical genannt – existiert zwar als Arbeitszeitmodell, doch nicht jedem Arbeitgeber gefällt die Idee, dass sein Mitarbeiter über Monate oder gar Jahre ausfällt. In einigen Unternehmen gehört die Auszeit jedoch zur Firmenphilosophie.

Zeit, sich Wünsche zu erfüllen

Auszeiten sind oft dazu da, sich lang gehegte Wünsche zu erfüllen: beispielsweise eine akademische Weiterbildung, Elternzeit oder eine längere Reise. So auch bei Philipp Brunner: "Nach zwei Jahren im Job habe ich mir zwei Monate unbezahlten Urlaub genommen und eine Rundreise durch das südliche Afrika gemacht. Teilweise bin ich die Strecke mit dem Motorrad gefahren – das war schon immer ein großer Traum von mir." Je nach Projektsituation reagiert Oliver Wyman flexibel auf die Auszeit-Wünsche der Mitarbeiter. "Natürlich ist es häufig sinnvoll, ein Projekt erst zu Ende zu führen", erklärt Brunner. "Manchmal kann aber auch ein Kollege einspringen und die eigenen Aufgaben übernehmen."

Vaterschaft und MBA

Als Philipp Brunner vor einem halben Jahr Vater wurde, nahm er sich erneut zwei Monate frei. "Das war noch aufregender als meine Afrikarundreise", erzählt er lächelnd, "und ich war froh, mir so viel Zeit für meine Familie nehmen zu können." Für Brunner steht nun bereits die nächste Auszeit vor der Tür. Im Januar beginnt sein MBA-Studium am renommierten INSEAD in Fontainebleau und Singapur. Seine kleine Familie ist natürlich mit von der Partie.

Im Mittelpunkt: Kraft und Energie tanken

Neben spannenden Reisen oder akademischer Weiterbildung steht für den jungen Familienvater Kraft und Energie tanken im Mittelpunkt jeder Auszeit. Schon im Studium unternahm er viele Rucksacktouren und streifte zehn Monate durch Südamerika. "Es ist kein Geheimnis, dass mein Job als Unternehmensberater zeitaufwändig und anstrengend ist. Die Auszeiten nutze ich, um mich Dingen zu widmen, zu denen ich sonst nicht komme. Außerdem bleibt mir so der Spaß am Job wesentlich länger erhalten."

Planung, Finanzierung, Versicherung

In der Bibel steht das Sabbatjahr als Ruhejahr für das Ackerland. Nachdem ein Feld sechs Jahre lang bebaut wurde, liegt es im siebten Jahr brach. Heute wird der Begriff für eine Auszeit im Beruf verwendet. Angefangen hat diese Form der vorübergehenden Pause vom Arbeitsleben bei Wissenschaftlern in den USA, die ein Forschungsfreisemester nehmen konnten. Inzwischen erfreut sich das Modell weltweit großer Beliebtheit.

Sabbatical-Verträge sichern die Rückkehr

Für Beamte und Hochschulprofessoren sind die Möglichkeiten für eine Auszeit im Tarifvertrag geregelt. Auch in vielen anderen Berufen ist eine Auszeit mittlerweile denkbar. Doch wie man die freie Zeit ergattert, ist häufig Verhandlungssache. In der freien Wirtschaft wird mit einem so genannten Sabbatical-Vertrag schon vorher festgelegt, auf welcher Position man nach der Auszeit wieder einsteigt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht kein gesetzlicher Anspruch auf eine Auszeit. Einige Unternehmen haben interne Regelungen aufgestellt, bei anderen hängt alles vom Verhandlungsgeschick des Arbeitnehmers ab.

100 Prozent Arbeit, 75 Prozent Gehalt

Bietet die Firma Arbeitszeitkonten an, kommt die Frage nach der Finanzierung oft gar nicht auf: Der Arbeitnehmer kann über mehrere Jahre Überstunden ansparen und sie dann nach Absprache mit dem Chef auf einmal in Anspruch nehmen. Vorteil: Das Einkommen bleibt konstant. Andere arbeiten zu 100 Prozent, lassen sich aber nur 75 Prozent ihres Gehalts auszahlen und wieder andere nehmen unbezahlten Urlaub. In Dänemark unterstützt der Staat das Sabbatjahr finanziell, die vorübergehend frei gewordene Stelle wird nach Möglichkeit durch einen Langzeitarbeitslosen besetzt. Der Mitarbeiter kann nach seiner Auszeit problemlos wieder auf der alten Position einsteigen, und dem vorher Arbeitslosen fällt der Widereinstieg ins Berufsleben leichter. In Finnland und den Niederlanden gibt es ähnliche Modelle.

Miete, Steuern, Versicherungen

Für die Finanzierung sollte man im Vorfeld seine Fixkosten (Miete, Steuern, Versicherungen) kalkulieren und sich überlegen, welche Auslagen man für die Auszeit benötigen wird. Je nach Vorhaben können die extrem variieren. Zusätzlich sollte man einen Puffer von idealerweise zwei bis drei Monatsgehältern für Unvorhergesehenes einplanen. Auch mit der Versicherung sollte man im Vorfeld sprechen. Was passiert mit der Renten- und Krankenversicherung, mit der Pflege-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung? Eine Pauschallösung gibt es hierfür nicht, da viele Faktoren eine Rolle spielen: Ist die Auszeit bezahlt oder unbezahlt? Wie viele Jahre ist man bereits in der Versicherung? Ist man gesetzlich oder privat versichert?

Planungszeit hängt vom Arbeitgeber ab

Auch die Zeit, die man zum Planen braucht, unterscheidet sich je nach Job und Arbeitgeber. Gerade bei großen Unternehmen gibt es häufig Programme, die eine Auszeit relativ schnell und ohne jahrelange Planung ermöglichen. In kleineren Betrieben ist das hingegen eher unüblich. Daher sollte hier der Arbeitnehmer frühzeitig mit dem Vorgesetzten über seine Pläne sprechen. Wichtig ist, sich vor dem Gespräch mit dem Chef darüber zu informieren, wie der Arbeitgeber zur Auszeit steht. Man sollte gute Argumente dafür sammeln, wie das Unternehmen von der langen Abwesenheit seines Angestellten profitieren kann.

Arbeitgeber zur Auszeit

Herr Dr. Fritz, viele Hochschulabsol- venten möchten nach einigen Jahren im Beruf gerne eine Auszeit nehmen. Welche Möglichkeiten bietet McKinsey hier?

Bei uns steigt jeder Hochschulabsolvent, der einen
Magister-, Diplom- oder Masterabschluss hat, als Fellow ein. Das Fellow-Programm sieht vor, dass man zwei Jahre lang als Berater arbeitet und dann im dritten Jahr die Möglichkeit hat, einen weiteren akademischen Abschluss zu erwerben, also zu promovieren oder einen MBA zu machen.

Wie finanzieren Ihre Mitarbeiter die akademische Auszeit?

Unsere Berater bekommen nach dem Ausstieg auf Zeit ein Jahr lang ihr volles Gehalt. Dauert das akademische Programm länger, wird die darüber hinausgehende Zeit nicht vergütet. Allerdings ist das Gehalt unserer Berater so bemessen, dass sich auch eine längere Promotionszeit finanzieren lässt.

Gibt es bei McKinsey auch die Möglichkeit, eine Auszeit zu nehmen, um eine Weltreise zu machen oder sich um seine Kinder zu kümmern

Ja, auf jeden Fall. Unsere Mitarbeiter können alle zwei Jahre in den so genannten  "leave" gehen und sich eine Auszeit nehmen. Wie lange die dauert, besprechen wir individuell. Ein Kollege hat vor kurzem an der Rallye Paris-Dakar teilgenommen und im Anschluss eine Weltreise gemacht. Er war insgesamt sechs Monate unterwegs. Aber auch längere Auszeiten sind möglich.

Wie profitiert McKinsey von den Auszeiten seiner Mitarbeiter?

Wir möchten, dass unsere Berater nicht nur im Beruf mit Leidenschaft und vollem Einsatz bei der Sache sind. Auch privat sollen sie die Chance haben, Dinge mit Begeisterung zu machen. Wenn jemand leidenschaftlich gerne reist, Sprachen lernt oder sich eine Zeit lang nur seiner Familie widmet, wird er entspannt und zufrieden zu uns zurückkehren. Und davon profitieren natürlich auch das Arbeitsklima und sein Einsatz im Beruf.

Frau Stroh, wie reagieren Sie, wenn ein Mitarbeiter mit der Bitte zu Ihnen kommt, eine Auszeit nehmen zu dürfen?

Generell ist es bei uns möglich, für einige Zeit aus dem Job auszusteigen. Ich schaue dann zunächst, wie lange der Mitarbeiter bereits bei uns ist. Hat jemand gerade erst die Probezeit beendet, ist natürlich noch kein günstiger Zeitpunkt für eine Auszeit gekommen. Wichtig ist auch, dass der Mitarbeiter zu unseren Leistungsträgern gehört.

Bietet Accenture spezielle Programme für eine Auszeit an?

Wir bieten sehr viele verschiedene Modelle an, je nach Bedürfnis: Die Jüngeren möchten häufig einen weiteren akademischen Abschluss machen, zum Beispiel einen MBA oder eine Promotion. Wir kooperieren unter anderem mit der Goethe-Universität in Frankfurt und unterstützen es, wenn unsere Mitarbeiter dort einen Executive MBA absolvieren. 50 Prozent der Studien-, Reise- und Unterbringungskosten erstatten wir ihnen und stellen sie natürlich für die Präsenzphasen frei. Momentan bauen wir ein ähnliches Modell für Promovenden auf.

Wie viele Ihrer Mitarbeiter nehmen an diesen Programmen teil?

Wir haben das Executive-MBA-Programm mit der Goethe-Universität vor fünf Jahren eingeführt. Es gibt allerdings noch viele weitere Möglichkeiten, die Auszeit zu gestalten. Insgesamt bilden sich über verschiedene Modelle etwa ein bis zwei Prozent unserer Mitarbeiter in einem MBA oder PhD-Studium weiter.

Welche anderen Möglichkeiten gibt es, die Auszeit zu gestalten?

Viele Mitarbeiter nutzen die Zeit, um sich in einem sozialen Projekt zu engagieren. Dafür gibt es beispielsweise die Accenture Development Partnership, in der es um die Beratung von Entwicklungshilfe-Organisationen geht. Unsere Mitarbeiter erhalten während dieser Zeit 50 bis 75 Prozent ihres regulären Gehalts. Eine weitere Möglichkeit ist unsere VSO-Partnerschaft (Voluntary Service Overseas). Dabei kann die Kollegin oder der Kollege für sechs oder neun Monate an einem sozialen Projekt mitarbeiten. Das kann ganz unterschiedlich aussehen: Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, die eigenen IT-Kenntnisse in Projekte einzubringen, Flüchtlingscamps mitaufzubauen oder als Englischlehrer zu arbeiten.

Welche Möglichkeiten zur Finanzierung bietet Accenture seinen Mitarbeitern noch an?

Unsere Mitarbeiter haben die Chance, Überstunden abzubauen oder mit einem Gehaltssparmodell beispielsweise zwei Jahre lang regulär zu arbeiten und derweil auf einen Teil des Gehalts zu verzichten. Der angesparte Teil wird ihnen dann während der Auszeit bezahlt.

Was antworten Sie einem Mitarbeiter, der Zeit für eine Weltreise haben möchte?

Mir ist es besonders wichtig, dass ich einem Mitarbeiter nicht einfach für irgendetwas freigebe. Ich möchte grundsätzlich verstehen, welche Ziele ein Mitarbeiter mit einer Auszeit verfolgt. Unsere Mitarbeiter sind unser Kapital und daher ist es uns wichtig, sie in jeglicher Hinsicht zu fördern und zu unterstützen.

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