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Wandel wagen

Im Gegenteil, es hat "vielerlei Einstellungen" zugelassen, auch eine, die dann den Ausschlag gegeben hat, den Sprung nicht zu wagen. Das ist für Werner der maßgebliche Punkt: "Jede Entscheidung für einen Job ist ein Wagnis, das im Rückblick als solches gar nicht mehr erkennbar ist, sondern nur noch als verpasste Gelegenheit erscheint, von der ich gar nicht weiß, ob sie die große Chance gewesen wäre."

Erkennbar ist allenfalls, dass derjenige, der die Stelle angenommen hat, im neuen Job aufgeblüht ist. "Aber wäre ich selber aufgeblüht? Ich weiß es doch nicht." Entscheidend für die eigene Lebensgestaltung sei etwas anderes: aus den ausgelassenen Gelegenheiten, den vielen ungelebten Leben, neue Möglichkeiten zu schöpfen. Wie im Fußball gebe es auch im Leben gelegentlich eine "Nachspielzeit", die Chancen bietet, etwas "zu erledigen, was man in der regulären Spielzeit versäumt hat".

Wandel wagen

Entscheidungen, so Werner, finden immer unter "Bedingungen von Ungewissheit" statt. Sie entziehen sich dem Kalkül, sind ein "Sprung", der besondere Eigenschaften verlangt: vor allem den Mut, von der eigenen Freiheit Gebrauch zu machen, die Kraft, gegen die eigene Angst anzukämpfen. Veränderungen zu bejahen, so der Psychoanalytiker Fritz Riemann, fordert uns: Wir müssen uns von etwas Gewohntem, Vertrauten lösen, uns in Neues, Unvertrautes wagen. Letztlich, so Jürgen Werner, bedeute jede Entscheidung "symbolisch das Durchschneiden der Nabelschnur". Dieses "Sich-Verabschieden-Können" sei etwas, was "ein Leben lang zu lernen ist".

Manche schaffen es nie. Einer von Werners Klienten, Exchef eines großen Familienunternehmens, hatte sich den Erwartungen der Familie gefügt: Er übernahm die Firma gegen seine eigenen Berufswünsche, litt an dieser Entscheidung, quälte sich mit ihr – und versagte schließlich als Unternehmer: Er trat zurück. Ein anderer Klient machte Karriere bei einer Beratung und korrigierte die Entscheidung später, weil er sich zu Schönerem berufen fühlte: Er eröffnete eine Kunstgalerie. Und fühlte sich im Nachhinein durch seinen Erfolg bestätigt.

"Eine Entscheidung", sagt Jürgen Werner, "ist in dem Maße gut, wie sie eine Versöhnung mit Fehlentscheidungen zulässt." Wie im Fall des Werbers aus Wiesbaden. Er bekam eine zweite Chance. Und griff beherzt zu: Er nahm eine Stelle in Düsseldorf an, mit Blick auf den Rhein, und kehrt seither jedes Wochenende nach Pensionopolis zurück.

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