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Aus dem Leben eines Verbindungsstudenten

Quelle: freeimages.com, Dawson

Erzkonservativ bis rechts, Zwangssaufen und Kotzen bis zum Umfallen, Festhalten an verstaubten Werten, Seilschaften statt Leistungsprinzip, undemokratisch, freiheitsberaubend, frauenverachtend. Willkommen in der Verbindungswelt – Sammelbecken für Reaktionäre und Sozialversager! Oder etwa nicht? Ein anonymer e-fellow und Verbindungsstudent gewährt Einblicke.

Seltsam, dass es dieser Anachronismus "Studentenverbindung" bis ins 21. Jahrhundert geschafft hat. Und warum übt etwas derart Abstoßendes trotzdem noch einen gewissen Reiz aus? Man fragt sich, was genau trotz klarer Faktenlage noch immer viele junge Studenten in die Fänge dieser Quasi-Sekten treibt. Und was dort hinter verschlossenen Türen Okkultes geschieht.

Verbindungen: alle gleich?

Ich bin Mitglied einer schlagenden Studentenverbindung, also die ganz üble Sorte. Als ich letzte Woche eine Phase latenter Unproduktivität damit überbrückte, die e-fellows.net community nach dem Thema "Verbindungen" zu durchforsten, habe ich den Entschluss gefasst, eine Lanze zu brechen. Heute, nur eine Woche später, bin ich schon wieder etwas klüger: Mir ist klar geworden, dass das völlig unmöglich ist. Und das hat verschiedene Gründe: Zunächst wird auch in der Community mancherorts klar, dass Corps nicht gleich Burschenschaft, CVer nicht gleich Turnerschaft ist. Konzentriere ich mich also auf die Gemeinsamkeiten? Davon gibt es schlicht zu wenige. Nur Corps, weil ich einem angehöre? Auch hier gibt es große Unterschiede! Nur auf uns? Das gleiche Problem. Nur auf mich? Wen interessiert das!

Saufen und Fechten? Stimmt!

Außerdem: An jedem der Vorurteile ist etwas dran. Ich zum Beispiel habe schon mal getrunken bis zum Umfallen. Mehrmals. In einem ganzen Buch könnte ich niemanden davon überzeugen, dass das nötig ist – ähnlich wie das alte Thema Fechten. Trotzdem will ich beides beibehalten. Diskussionen weiche ich mit meinem Totschlag-Argument aus: "Wer es nicht miterlebt hat, wird es nicht nachvollziehen können." Ein feiger Schachzug, auch wenn ich das tatsächlich ernst meine.

Ich werde euch also unmöglich dazu bringen können, bei Facebook "Gefällt mir" zu klicken, sobald es um Verbindungen geht. Das will ich auch gar nicht, ich selbst finde einige Verbindungen grauenhaft und sehr viele Verbindungen peinlich. Ein paar gehören verboten. Ich kann euch aber ein paar Gedanken mitteilen, die möglicherweise zu einem etwas differenzierteren Bild beitragen, sofern ihr nach dem Wort "Kotzen" noch weitergelesen habt.

Teilnahme am Programm ist Pflicht

Vorweg möchte ich aber (nicht ohne Freude daran) das Klischee noch ein bisschen bedienen und wahrheitsgetreu aus unserer Aktivität berichten: Sie dauert drei Semester, außerhalb der Semesterferien gibt es nur äußerst wenig Freizeit. Getrunken wird fast täglich, häufig exzessiv. Jeden Tag gibt es gemeinsame Mahlzeiten, eine Stunde Fechtunterricht, kaum ein Abend oder Wochenende vergeht ohne Programm.

Sämtliches Programm ist verpflichtend, sofern man nicht krank oder aus Studiengründen befreit ist. Wenn ich zum Geburtstag meiner Tante will, muss ich das zunächst besprechen. Im ersten Semester, als "Fuchs", also Neueinsteiger, habe ich von überhaupt nichts eine Ahnung, darf an keiner Entscheidung mitwirken, werde immer wieder verarscht und bin für sämtliche niedere Arbeiten zuständig.

Und das alles nur wegen eines billigen Zimmers?

Man kann so manchen Vorwurf äußern, aber: Die Entscheidung für einen Eintritt in eine Verbindung ist in den seltensten Fällen der Weg des geringsten Widerstandes. Ständige Rechtfertigung nach außen, dazu die hohen Anforderungen des Verbindungslebens, studieren will man nebenbei auch. Die Aussicht auf ein günstiges Zimmer in Uni-Nähe und ein abstraktes Versprechen von "Vitamin B" würden keinen Menschen klaren Verstandes dazu bewegen, meiner Verbindung beizutreten. Was dann?

Die Freiheit der Verbindung geopfert?

Vielen geht es um die Erlebnisse, die vielen Wochenendfahrten mit einer lustigen Truppe, enge Freundschaften, die in dieser intensiven Zeit zustande kommen. Ich persönlich war und bin ein freiheitsliebender Mensch – und wollte mich zu Studienbeginn eigentlich nicht gleich wieder unterordnen. Dabei hatte ich im Nachhinein eines nicht begriffen: Zum einen, dass es bereits Freiheit bedeutet, mich überhaupt selbstbestimmt für oder gegen eine Aktivität zu entscheiden. Zum anderen, dass Freiheit nicht fehlinterpretiert werden sollte als die Option, sich ständig alles offen halten zu können. Das ist Vergeudung.

So sprang ich über meinen großen Schatten und habe mich dafür entschieden. Drei Semester à 16 Wochen, also netto knapp zehn Monate meiner Lebenszeit, habe ich geopfert – natürlich am Ende für mich selbst. Was hat es mir gebracht? Viel mehr, als ich dachte! Und die Wochenend-Touren, das Abendprogramm, die Partys? War alles klasse, aber das macht es nicht aus. Hier eine Auswahl:

Grenzerfahrungen

Alkoholkonsum. Fechten. Schlafentzug. Programmzwang. Konflikte. Das Ganze in einer Gruppe von Jungs, die 24 Stunden am Tag miteinander zu tun haben – und meist heterogener sind, als dies von außen bisweilen den Anschein hat. Warum all diese Zwänge? Weil es die Zeit intensiver macht. Ich habe mal gelesen, dass Kostümpartys erfolgreicher seien als "normale" Feten, was daran läge, dass die Gäste einen eigenen Beitrag zur Party leisten mussten, indem sie sich um ein kreatives Outfit gekümmert haben. Ergo: Mehr Input bedeutet mehr Output. Es schweißt enger zusammen, wenn jeder bestimmte Dinge durchmachen muss. Die Identifikation mit einer Gruppe wird gestärkt, wenn jeder Opfer bringt. Gruppenzwang? Auf jeden Fall!

Wenn ich von meiner Aktivität erzähle, gilt grundsätzlich folgende Faustformel: Je ätzender und anstrengender die Situation war, desto größer das Lächeln, mit der ich an sie zurückdenke. Natürlich hat das auch kompetitive Gründe: Die eigene Trinkgeschwindigkeit und -kapazität trägt als Aktiver in einem nicht von der Hand zu weisenden Umfang zum eigenen Selbstwertgefühl bei. Das ist vielleicht ein bisschen traurig, aber auch ein kleines bisschen komisch! Warum gehen Menschen an ihre Grenzen? Um sich selbst besser kennenzulernen. Es ist überraschend, was man alles zustande bringt, wenn man nur muss!

Kostenloses Konfliktmanagement-Training

Ich bin – nach wie vor – ein rechthaberischer Mensch, was mein Umfeld nicht ganz zu Unrecht hin und wieder auf die Palme bringt. Methodisch allerdings habe ich mich gebessert: Früher habe ich andere Meinungen eher plattzuwalzen versucht. Eine Strategie, die einen manchmal vielleicht auf dem schnellsten, selten aber auf dem besten Wege zum angestrebten Ziel führt. Die Kritik und Konflikte innerhalb des Verbindungslebens bleiben intern.

Das führt dazu, dass nach außen leicht der Eindruck einer Gesinnungs-Gleichschaltung entsteht. Häufig ist aber genau das Gegenteil der Fall: Nie zuvor habe ich derart persönliche Kritik erfahren, häufig auch vor der Gruppe, was es nicht schöner macht. In anderen Lebenslagen kann man Konflikten aus dem Weg gehen. Das ist unter Aktiven nicht möglich – zu sehr hockt man aufeinander. Schnell lernt man daher, auch substanzielle Kritik konstruktiv zu äußern. Wer nur Dampf ablässt, lässt seinem Gegenüber kaum eine andere Wahl, als auf stur zu schalten. Und wer selbst bei konstruktiver Kritik auf stur schaltet, landet in einer Sackgasse – und wird daraus lernen. Auch heute nervt mich Kritik an mir natürlich ganz ungemein. Ich habe aber dazugelernt.

Hilfe beim Studium dank "Alter Herren"

Die meisten Verbindungen haben auf die veränderte Realität reagiert, dass neben einer intensiven Aktivität auch ein erfolgreiches Studium möglich sein muss. Ob Lerntage, Alkoholverbot in Klausurenphasen oder Tutorien – es gibt vielfältige Möglichkeiten, eine Vereinbarkeit mit dem Studium zu fördern. Ehemals Aktive - die sogenannten "Inaktiven" und "Alten Herren" stellen ein hilfreiches Netzwerk dar – ob es um Tipps bei der Hausarbeit, die Organisation eines Auslandssemesters oder Studienortswechsels oder die Unterstützung bei der Bewerbung um Praktika geht.

Natürlich ändert dies nichts daran, dass die Voraussetzungen unterm Strich schwieriger sind als ohne Verbindungsleben. Aber: Ein ordentliches bis gutes Studium auch während der drei Semester Aktivität ist möglich – es erfordert ein gelungenes Zeitmanagement und die Steigerung der eigenen Effizienz! Wer das geschafft hat, legt häufig unmittelbar nach der Aktivität studientechnisch richtig los – das schlechte Gewissen, gegenüber den Kommilitonen aufholen zu müssen, drängt einen nicht selten auf die Überholspur.

Zeit zum Lernen trotz Programm

Natürlich gibt es auch viele Beispiele von im Studium scheiternden Verbindungsstudenten. Für die Juristen, die innerhalb der letzten Jahre in meiner Verbindung aktiv waren, gilt aber zum Beispiel, dass sie ausnahmslos den Freischuss wahrgenommen und ihr Studium im Durchschnitt mit einem Staatsexamen von über 9 Punkten abschlossen haben – der gleiche Durchschnitt wie an der Bucerius Law School. Durchfallquote: 0 Prozent. Gewiss sind andere Studiengänge etwas weniger aktivitätskompatibel, aber: Das Gelingen des eigenen Studiums liegt in den meisten Fällen an einem selbst, auch wenn man bei Misserfolgen gerne die Gründe andernorts sucht.

Soft Skills im Härtetest

Was kann man noch lernen außer den Umgang mit Kritik, Zeitmanagement und die Verbesserung der eigenen Effizienz? Die Liste der Soft Skills, über die in Zusammenhang mit Verbindungen selten gesprochen wird, ist deutlich länger: Ob bei eigenen Vorträgen oder auf den berüchtigten Kneipen: Die freie Rede wird geübt. Häufig wird gerade Füchsen ohne Vorwarnung ein Stichwort gegeben, zu dem sie eine Rede halten sollen. Bloßstellung vor der Gruppe? Manchmal vielleicht. Exakt dieselbe Aufgabe hat allerdings mein Bruder bei einem Assessment Center gestellt bekommen. Im schlimmsten Falle bleibt immerhin die Erfahrung, dass eine Blamage nicht das Ende der Welt ist, sondern menschlich ist und jedem widerfährt.

Demokratie versus Gruppenzwang

Unerlässlich ist es außerdem, zum Teamplayer zu werden. Das, was häufig den Vorwurf des Kollektivismus hervorruft, ist letztlich nichts anderes als die Lehre, dass man sich manchmal im Leben einfach nicht zu wichtig nehmen darf und tatsächlich einem Gruppenzweck unterordnen muss. Überraschend ist dabei, wie viel Kritik diese simple Sportlerweisheit hervorruft, obwohl in einer jeden Verbindung die Entscheidungsfindung nach demokratischen Grundsätzen verläuft. Zwar darf man in einer Verbindung nicht von Anfang an mitentscheiden - im Leben aber auch nicht.

Fazit

Was will ich euch also sagen? Erst einmal möchte ich rechtfertigen, warum ich anonym schreibe: Kaum eine Minderheit steckt so schnell in einer Schublade wie wir Verbindungsstudenten. Berichterstattung wie jüngst zu den besorgniserregenden Vorgängen innerhalb der Deutschen Burschenschaft haben zwar glücklicherweise nicht das Geringste mit mir zu tun, färben aber auf die gesamte Verbindungslandschaft ab. Wer noch alle Tassen im Schrank hat, ist daher gut beraten, sich nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu outen.

Vor allem aber will ich für einen differenzierteren Blick werben. Ich habe beschrieben, welche Erfahrungen und Lehren einem die Verbindungszeit bescheren kann. Man kann viel über sich selbst und über andere lernen, Qualifikationen für Studium und Beruf teilweise spielerisch erwerben und nebenbei enge Freundschaften knüpfen, die verblüffend häufig verblüffend lange halten.

Keine Reue

Natürlich bleibt viel Raum für Kritik. Häufig hilft es aber, das ganze Brimborium mehr als großes Spiel denn als bitteren Ernst zu betrachten. Ein Augenzwinkern schadet selten! Zur Kenntnis nehmen muss man auch, dass wir Verbindungsstudenten - wie jede andere gesellschaftliche Gruppe - aus Individuen bestehen, die sich unterscheiden. Überraschend gering ist die Quote derjenigen, die rückblickend ihre Entscheidung für eine Verbindung bereuen. Überraschend hoch ist die Quote derjenigen, die ihre Aktivität als intensivste und prägendste, häufig auch schönste Zeit ihres Lebens beschreiben. Und für alle, die das trotzdem beim besten Willen nicht nachvollziehen können: Das kann ich sehr gut verstehen! Aber was soll's – lasst uns einfach den Spaß!

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Kommentare (20)

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  1. Max

    Bitte seht davon ab, die Identität (oder auch die Verbindung) des Autors zu erraten zu versuchen. Der Autor möchte anonym bleiben, dieser Wunsch sollte respektiert werden. Kommentare mit Vermutungen über seine Identität werden daher gelöscht. Danke für euer Verständnis! Max von e-fellows.net

  2. JJ

    @Alter Herr: Wild mit den Armen rudernd im Kreis laufen?

  3. Alter Herr

    JJ, Mensch, was würden wir ohne Ihre Empfehlung machen?

  4. JJ

    Alljenen, die das mit den Fremdwörtern und den langen Sätzen nicht verstanden haben empfehlich ich: Best, O., Handbuch literarischer Fachbegriffe, dort: "Ironie, die".

  5. Christian-Ulrich Frhr. v. Ketelhodt

    Lieber "Alter Herr", es dürfte vermutlich eher hilfreich sein, sich dem intellektuellen Niveau - aber auch der in diesem Fall kaum zu übersehenden Selbstironie in diesem Blog anzupassen, ohne dabei laut über irgendwelche Ungezogenheiten zu schwadronieren. Ressentiments sind an dieser Stelle doch wohl von unserem jungen corpsstudentischen Freund hinreichend erörtert, ohne dass es notwendig erscheint, neue zu schüren. Wer es trotzdem nötig hat oder sich hier irgendwie überfordert fühlt, mag dann tatsächlich zur BILD-Zeitung greifen. Dennoch, um Ihrer Genomanalyse entgegenzutreten - Nein, das Corpsstudentendasein muss man sich gewiss erarbeiten. Die Anleitung dazu ist hier zur Genüge beschrieben. "Gutmenschen", Weltverbesserer oder Vollpfosten sind dafür aber gewiss ungeeignet. Insofern ist eines sicher: Solche Gene schlummern nicht in mir.

  6. Hausgast

    Im Gegensatz zu den zuvor von Paula zitierten Damen möchte ich dem Autoren ein Lob für dessen pointiert formulierten Einblick in die Verbindungswelt geben, auch wenn einige Aspekte durchaus noch eingebracht werden können, wie Yarkssen es bspw. schon getan hat. Doch weder ist der Text, meiner Ansicht nach, verwirrend, noch strotzt er vor Fremdwörtern. Er greift einfach die gängigen Vorurteile auf und beleuchtet sie einmal von einer anderen Seite. Aufgrund des Stils spekuliere ich, dass der Autor Jurist ist. Da sich solche zuweilen noch deutlich verwirrender zu äußern pflegen, sollte man es ihm schon deshalb nicht allzu übel nehmen. :) Die ersten Monate meines Studiums wohnte ich als Hausgast auf einem Verbindungshaus. Da das Verbindungsleben nichts für mich war, zog ich im Einvernehmen auch wieder aus, ließ mich aber die Jahre immer wieder auf dem Haus oder auch bei anderen Verbindungen auf Veranstaltungen blicken (das verlief meist ohne Probleme, vereinzelt aber auch nicht konfliktfrei). Insofern kann ich die aufgezeigten Einblicke durchaus bestätigen, bis auf die Examensergebnisse mir bekannter Verbindungsstudenten, die sich nicht unbedingt im Prädikatsbereich ballen. ;) Auch wenn Romy es nicht gerne hören wird, ist und bleibt auf absehbarer Zeit das Verbindungswesen vorwiegend eine Männerdomäne, schon allein weil gemischte oder Damenverbindungen die Ausnahme darstellen. Grob über den Daumen gepeilt, dürfte das Geschlechterverhältnis bei 90 zu 10 liegen, wobei nicht verschwiegen werden soll, dass es in den letzten Jahren bei den Damen einen Aufwärtstrend gab. Die Proportionen sind aber nach wie vor deutlich genug. Auch gibt es in den gelebten Traditionen im Detail dann doch einige eklatante Unterschiede - der größte ist wohl, dass mir keine schlagende, d.h. fechtende, Damenverbindung bekannt ist. Gelegentlich gibt es da gepflegte Rivalitäten zwischen den Damen und Herren, die aber eine Geschichte für sich sind. Alles in allem kann ich jedem Unvoreingenommenen empfehlen sich selbst ein Bild zu machen. Die meisten Verbindungen sind dankbar, wenn interessierte Gäste auf dem Haus vorbei schauen. Man sollte den Gruselgeschichten der Antifa & Co. also nicht zu viel glauben schenken, wenn auch einige nur allzu gut ins Klischee-Bild passen! Die Erfahrungen, die man dort sammeln kann, lassen sich allerdings auch in einer größeren Wohngemeinschaft, einem Verein oder Partei machen. Das Lebensbundprinzip bindet zwar, zumindest in der Theorie, die Gemeinschaft lebenslang aneinander. Das muss aber ebenso nicht ausschließlich vorteilhaft sein, weil man auch dort, wie in jeder Gemeinschaft, auf einige Menschen stößt, mit denen man sich nicht so gut versteht und lieber auch nicht lebenslang verbunden sein möchte. Auch die finanziellen Verpflichtungen sollten nicht unerwähnt bleiben, die man als "alter Herr" mit seinen Beiträgen eingeht. Die, mit denen ich gesprochen habe, betrachten es aber als Hobby, für das man auch gerne Geld ausgibt. Wenn die Harmonie stimmt, kann man also durchaus auf Freunde fürs Leben treffen und eine Menge an Lebenserfahrung mitnehmen.

  7. Alter Herr

    Gratuliere Herr Ketelhodt, Sie haben Ihr Corpsstudententum schon als Baby inhaliert, vielleicht ist es auch schon in die Gene eingedrungen. Ich könnte mich jetzt Ihrem Niveau anpassen und Sie als Vollpfosten bezeichnen. Doch das verbietet mir die Höflichkeit. Ein Prosit auf das blaue Blut, welches schon als winner zur welt kommt.

  8. Michael

    Ein auffallend ehrlicher Artikel, mal was ganz anderes. Zwar geht der Autor nicht besonders selbstkritisch mit gewissen negativen Aspekten des Verbindungslebens um, er verschweigt sie aber auch nicht. Der Bericht bleibt dabei zwar einseitig, dennoch glaubwürdig, womit sich viele, die über das Thema schreiben immer wieder schwer tun. Ich teile mit ihm sicherlich nicht die gleiche Meinung, vor allem was den Gruppen- und Trinkzwang angeht, doch die bisher vorgebrachte Kritik ist ziemlich schwach. Was die angeprangerte Struktur angeht, so lässt sich durchaus eine gewisse Bierlaune erkennen. Das sollte man dem jungen Herrn jedoch nicht zu übel nehmen, immerhin wird das täglich Brot bei dieser kulturellen Minderheit bekanntermaßen flüssig konsumiert. Er setzt sich nacheinander mit den häufigsten Klischees auseinander. Ein großer Spannungsbogen wäre hier überzogen, da die Kritik an Korporationen ebenso alt und unspannend ist wie die Verbindungen selbst. Noch eine knappe Bemerkung zur Forderung "kürzere Sätze und weniger Fremdwörter". Natürlich hätte der Autor auch im Pixi-Buch-Stil schreiben können, aber ein erweitertes Textverständnis darf er von seinen Lesern doch schon erwarten. Und selbst für "Input", "Qualifikation" oder "Assessment Center" wird heute kein Latinum mehr verlangt. Wem schon solche Sätze zu schwer sind, hat vielleicht nichts an der Uni verloren. Jeder, der die Welt in kürzeren Sätzen und mit weniger Fremdwörter erklärt haben möchte, bekommt für schlappe 70 Cent - und ganz unkompliziert - am Kiosk die Bild.

  9. Christian-Ulrich Frhr. Ketelhodt

    Sehr schöner und vor allem ein absolut zutreffender Bericht, von dem man annehmen könnte, das ihn einer meiner aktiven Corpsbrüder verfasst hat. In diesem Sinne "oute" auch ich mich als Corpsstudent - und glaube dabei entgegen des obigen Verfassers alles Tassen im Schrank zu haben. Diejenigen, die mich kennen, wissen, wo ich in Kiel aktiv war. Hierauf erst einmal einen Ganzen auf Dein Wohl, lieber Verfasser... :-)

  10. Alter Herr

    Auch ich bin seit über 30 Jahren in einer schlagenden Verbindung. Nach dem Examen wurde ich ziemlich schnell philistriert, also Alter Herr. Seitdem gehöre ich nach wie vor zu denen, die durch alle Höhen und Tiefen ihren Bund finanzieren. Ich hatte mich damals dafür entschieden, weil ich gegen Ende der Schulzeit erfuhr, dass diejenigen Lehrer, die ich richtig gut fand...also als Pädagogen kompetent, zu 90% in Verbindungen waren. Also hörte ich mich auch um, als ich dann einen Studienplatz in meiner Wunschstadt hatte. Ich besuchte so einige nichtschlagende Verbindungen, hatte jedoch den Eindruck, daß man an Nachwuchs nicht interessiert war. Bis ich in der Mensa nach einigen Tagen ein Flugblatt fand, Überschrift "Tradition und Fortschritt", eine Einladung zu einem netten Abend mit Freibier natürlich. Ich dachte, geh mal hin. Gedacht, getan und am Ende des ersten Monats hatte ich nach einem großartigen Stiftungsfest ein Couleurband um. Dann folgten 4 sog. Fuxensemester, die recht anstrengend waren wie oben auch beschrieben. Anschließend wurde es gemütlicher. Ansonsten alles wie oben beschrieben, nur die politische Komponente im Hinblick auf die deutsche Wiedervereinigung wurde kompromißlos vertreten, was ich aber auch gut fand. Thema Seilschaften: Während des Studiums hatte ich verschiedene Jobs durch die Verbindung vermittelt bekommen. Dann später im "richtigen Berufsleben" hatte ich die entsprechenden Entscheidungen selbst gefällt. Dazu muss ich sagen, daß ich zu der Zeit keinen Vater mehr hatte, auch sonst keinen Mentor, also keinerlei väterlichen Freund. Wenn ich heute so manche Verbindungen sehe mit Mentorenprogramm etc. denke ich "Super!", so jemanden hätte ich auch gebraucht. Kurzum, ich bin jetzt Mitte 50 und vor ca. 10 Jahren verließ mich das berufliche Glück. Ich versuchte mit dem einen oder anderen Bundesbruder ein Gespräch in der Richtung Wiedereinstieg zu führen. Die Gespräche fanden auch statt, aber es tat sich nirgends eine Tür auf. Wie ich dann finanziell über die Runden kam, war allein mein Verdienst. Ansonsten - Entschuldigung - hat mir keine Sau geholfen. Da zweifelt man dann schon dann und wann an der Idee, besonders, wenn man mitbekommt, wie so der eine oder andere junge Klugscheißer herum läuft wie Graf Koks und meint über den Dingen zu schweben. So wie mir geht es einigen sog. Bundesbrüdern. Wir sind nicht alle Winner! Und - man glaubt es kaum - wenn sich dann jemand nach vielen Wiedereinstiegsbemühungen in seiner Situation einrichtet, gibt es tatsächlich Arschlöcher, die dann beginnen diese vom beruflichen Schicksal gebeutelten zu mobben. Teilweise so direkt in der Öffentlichkeit, daß diese dann wegen Ehrverletzung freiwillig und in aller Stille das Band niederlegen oder kommentarlos die Mütze aufs Haus schicken. Diese, von den Gegnern benannten Seilschaften mag es geben, aber nicht in meiner Verbindung. Falls doch, jedenfalls nicht für mich. --- Meine Zeit in der Verbindung war trotzdem - das sei abschließend betont - großartig und voller schöner, intensiver Erlebnisse. Deshalb bin ich nach wie vor dabei und zahle meine Beiträge, wenn es manchmal auch schwer fällt. Da dieser letzte Absatz ein Tabu berührt, bleibe ich anonym. Ein Tabu deshalb, weil wir ja ein fest verschworener Haufen sind, der sich lebenslange Treue geschworen hat - s. Burscheneid!!! Z!

  11. Paula

    Ich möchte mich Stefanie und Tina anschließen. Der Text ist viel zu kompliziert. Hätte der Autor nicht kürzere Sätze und weniger Fremdwörter verwenden können?

  12. Peter

    Ich finde den Artikel auch wirklich sehr gelungen. In Passau haben wir auch ein paar Verbindungen und ich bin in der besseren, die auch wirklich gut ist. Wir haben nette Leute und wir sind ein gutes Team. Wir laden alle herzlich ein, die mal ein Blick hinter die Kulissen werfen möchten. Ich bin immer nur von 15 bis 19 Uhr in der Uni, aber ansonsten immer da. Ich freu mich.

  13. Romy

    Ich finde den Bericht nicht im Geringsten verwirrend. Mag aber sicher daran liegen, dass ich auch zu einer Verbindung gehöre. Ja, auch das gibt es: Damenverbindungen! Leider wird das von den Herren immer wieder vergessen oder tot geschwiegen. Daher kann ich mir schon vorstellen, dass die Damen hier keinen rechten Bezug zum Thema finden. Vielleicht sollten sie sich einfach außerhalb des blogs mal informieren. Was ich allerdings etwas schade finde, ist dass der Schreiber anonym bleiben will. Wieso? Wer in eine Verbindung eintritt, sollte auch dazu stehen. Aber im Grunde bleibt es jedem selbst überlassen.

  14. zip

    Wer noch alle Tassen im Schrank hat, trümmert einfach zu wenig.

  15. Stefanie

    Stimme Tina zu, der Bericht haette vor Veroeffentlichung von jemandem ueberarbeitet werden muessen. Er ist in dieser Form einfach nur verwirrend und nicht ueberzeugend.

  16. Yarkssen

    Interessant, von einem Corpsstudenten erklärt zu bekommen, wie das Aktivenleben so läuft. Komischerweise habe ich meine eigene Aktivenzeit wiedererkannt - selbst Alter Herr einer schlagenden Verbindung, aber nicht eines Corps - was bedeutet, dass es entgegen allen akzentuierten Unterschieden zwischen den Bünden zum Trotz so unterschiedlich doch nicht zu geht. Was mir ein bisschen fehlt, sind ein oder zwei Bemerkungen zu den langfristigen Pespektiven, d.h. das Lebensbundprinzip, das ja wenigstens in meinem Dachverband sehr rege gelebt wird. Aber das wäre vielleicht von einem jungen Aktiven zuviel verlangt...

  17. Rudelsburg

    Wo´er Recht hat, hat er Recht! Da wird über die pseudo elitären Internet-Netzwerke immer von Karriere, Opportunities und Vitamin-B gesprochen, so effektiv und erfolgreich gelebt wird es aber nur in Korporationen! Zwang und Druck schweißt und schmiedet, deckt eigene Fehler auf und verhilft zur Optimierung der eigenen Person! Wer erfolgreich sein will, mit Gutdünken an seine Studienzeit zurückdenken möchte und den Blick für die Realität nicht verliert, der sollte aktiv werden! In diesem Sinne: Horridoh und Waidmannsheil!!

  18. Octagon Luminarc

    Meine sehr verehrten Damen und Herren!! Die Elite von Morgen säuft schon heute!

  19. tina

    also ich finde den Bericht recht wirr. Mir fehlt der rote Faden und irgendwie doppelt sich das alles... die Vor-/Nachteile einer Verbindung kann ich daraus jedenfalls nicht klar erkennen...

  20. Sebastian

    Absolut gelungener Bericht! Ich bin zwar niemals in einer Verbindung gewesen, kenne aber einige Kommilitonen die es waren und auch ich habe während meines Auslandssemesters in Kanada in einem Verbindungshaus gewohnt, auch wenn die Amerikanischen Verbindungen noch mal ein wenig anders sind. Natürlich haben Klischees wie du schreibst immer einen wahren Kern, aber so schlecht wie ihr Ruf sind Verbindungen in Deutschland auf keinen Fall. Gerade die von dir beschriebenen Eindrücke erinnern mich auch sehr stark an meine Bundeswehrzeit bei den Panzergrenadieren und ich denke beide Dinge lassen sich auch gut vergleichen, auch dort sind wir an die Grenzen gebracht worden, physisch und psychisch und das hat uns zusammengeschweisst. Ich musste mich unterordnen und wurde vor versammelter Mannschaft in den Senkel gestellt.....alles keine tollen Dinge, aber irgendwie empfinde ich meine Bundeswehrzeit mit als die tollste Zeit im Leben und vor allem die die mich am meisten geprägt hat. Man muss dabei gewesen sein.....DAS ist genau das was darauf zutrifft! Wenn man sich heute die ganzen verweichlichten Jugendlichen ansieht, dann bekommt man es schon ein wenig mit der Angst zu tun! Deswegen denke ich das Verbindungen absolute ihre Daseinsberechtigung haben. Vielleicht sollten sich manche Verbindungen ein wenig moderner aufstellen, vielleicht nicht ganz so exzessiv Saufen, aber die Erfahrungen die man dort sammeln kann und das anschliessende Netzwerk sind auf jeden Fall Gold wert!

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