Die Karrierefrage: Wie schaffe ich es an eine Eliteuniversität?

Autor*innen
Oke Hendrik Carstens
Eine riesige Taschenlampe scheint auf einen Mann, der stolz mit herausgereckter Brust die Hände in die Hüften stemmt. Im Hintergrund stehen aufgereiht weitere Personen mit verschränkten Armen.

Oxford, Harvard, LSE: Wer an einer der renommiertesten Universitäten studieren will, braucht mehr als gute Noten. Was bei der Bewerbung zählt – und warum angenommen zu werden oft gar nicht die größte Hürde ist.

Wer Volks- oder Betriebswirtschaft an einer der besten Universitäten der Welt studieren will, muss die EU verlassen. Das zeigt das neueste Hochschulranking des britischen Magazins "Times Higher Education". In der Kategorie "Business and Economics" finden sich unter den besten 18 Plätzen nur drei Hochschulen, die nicht britisch oder US-amerikanisch sind: zwei in China, eine in Singapur. Wegen der guten Lehre, der Forschung und ihres Renommees haben diese Unis in jedem Bewerbungszyklus weit mehr Bewerber als Plätze. Entsprechend ist der Aufnahmeprozess sehr kompetitiv – und das Studium teuer. Weil Universitäten wie Oxford, Cambridge, Harvard und Co. für viele unerreichbar erscheinen, werden sie weithin als Eliteuniversitäten bezeichnet. Wie schafft man es, dort einen Studienplatz zu ergattern?

Den Begriff Eliteuniversität nutzt Tanja Döller nicht. Sie hat schon Hunderte Studenten durch ihre Master-Bewerbung an britischen Universitäten begleitet. Döller ist für die Studienstiftung des deutschen Volkes als Programmdirektorin für das Vereinigte Königreich zuständig. Mit Blick auf Universitäten wie Cambridge, Oxford und die London School of Economics (LSE) redet sie lieber von "exzellenten" oder "ausgezeichneten" Bildungseinrichtungen. Sie weiß: Wer nicht zu den besten zehn Prozent der Absolventen eines Jahrgangs gehört, braucht es mit der Bewerbung gar nicht zu versuchen. Döller begleitet nur die zwei besten von 100 Studenten durch ihre Bewerbung – diejenigen, die die besten Chancen hätten.

"Wenn man zu schlecht ist, kann man nichts mehr rausreißen"

Das Studium an einer Exzellenzuniversität ist laut Döller insbesondere für Juristen, Betriebswirte und Studenten der internationalen Beziehungen ein Gütesiegel. "Für eine Karriere in einer politischen Institution hilft dieses Studium auf jeden Fall. In der Beratung und für Juristen ist es ein Aushängeschild." Schon ein Jahr im angelsächsischen Bildungssystem schleife die Studenten enorm. Dieses funktioniere anders als das deutsche, zum Beispiel werde dort mehr Wert auf das Schreiben von Essays gelegt.

Helena Rothfuß, Studentin an der LSE, sieht das ähnlich: "In den USA und Großbritannien müssen Aufsätze mehr ins Gesicht springen. Dort ist nicht der Leser dafür verantwortlich, dass ein Argument ankommt, sondern der Autor." Rothfuß absolviert in London den zweijährigen Masterstudiengang Economics. Ihren Bachelorabschluss in Internationale Beziehungen mit Nebenfach VWL hat sie an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen erworben. Währenddessen war sie schon für Auslandsaufenthalte an der Sciences Po in Paris und der UC Berkeley in Kalifornien. Rothfuß hat also Erfahrung mit erfolgreichen Bewerbungen. Einen Bachelor in Großbritannien oder den USA zu machen, empfiehlt sie nicht. Einen einjährigen Master hingegen schon, beispielsweise an der LSE. Denn selbst, wenn man dort durchfallen würde, hätte man bereits eine gewisse Absicherung. Für Rothfuß beruht das Studium an einer herausragenden britischen oder amerikanischen Institution auf zwei Säulen: der Bewerbung sowie - und das sei der kniffligste Teil - der Finanzierung.

Für den Master an der LSE hat sie mehr als ein Jahr vor Studienstart begonnen, die notwendigen Bewerbungsunterlagen zusammenzusuchen. Es sei wichtig, früh anzufangen, sagt sie. Man benötige schließlich Zeit, um Tests abzulegen, Essays zu schreiben oder sich mit den Professoren in Verbindung zu setzen. An den meisten Universitäten zählten im Bewerbungsprozess ein Motivationsschreiben und einige akademische Empfehlungsschreiben. Außerdem seien der Notendurchschnitt aus dem Grundstudium sowie die Ergebnisse fachlicher Tests wie dem GMAT (Graduate Management Admission Test) oder GRE (Graduate Record Examination) wichtig. Ihrer Erfahrung nach müsse aber nicht zwingend jedes der vier Kriterien erfüllt sein. Sie kenne Leute, die die Test-Scores nicht erfüllt haben oder keine besonderen Empfehlungsschreiben hatten und trotzdem für das Studium an einer Eliteuniversität aufgenommen wurden. Hervorragende Noten im Bachelorstudium seien allerdings eine notwendige Bedingung. "Wenn man zu schlecht ist, kann man nichts mehr rausreißen. Die bekommen Tausende Bewerbungen - und müssen irgendwo anfangen, die Leute auszusortieren. Das sind dann nun einmal die Noten."

"Die meisten scheitern an der Finanzierung des Studiums"

Sollte diese Bedingung erfüllt sein, sieht Rothfuß mehrere Möglichkeiten, aus der Masse an Bewerbern hervorzustechen. Besonders wichtig waren für sie die akademischen Empfehlungsschreiben, also die schriftliche Bestätigung der eigenen studentischen Leistung und Persönlichkeit durch einen Professor oder einen anderen akademischen Mitarbeiter. "Empfehlungsschreiben können einem wirklich richtig viel ausgleichen." Um ein solches Schreiben zu erhalten, sei ein guter Kontakt zu den Professoren schon im Bachelorstudium vorteilhaft. Dabei helfe eine Anstellung als studentische Hilfskraft an dem Lehrstuhl oder dass man die Bachelorarbeit bei dem Professor geschrieben hat, der einem die Empfehlung schreibt. Natürlich sei es gut, wenn die Person ein gewisses akademisches Renommee hat, sagt Rothfuß, noch wichtiger sei aber, dass man sich vertraut ist: "Wenn man sich kennt, kann der Professor auch mehr und vorteilhafter über einen schreiben."

Kai Spiekermann, Professor für Politische Philosophie an der LSE, sieht die ausschlaggebenden Faktoren an anderer Stelle: Ein Empfehlungsschreiben könne zwar das Zünglein an der Waage sein, wenn man sich bei einem Bewerber nicht ganz sicher ist. Wichtiger sei jedoch, dass der Werdegang des Studenten zu dem angestrebten Studiengang passe. Es werde schließlich auch nach Persönlichkeiten gesucht. "Wir suchen Studenten, die einen interessanten Lebensweg haben." Spiekermann hat daher eine Empfehlung für alle, die einen Bachelor an einer der besten Universitäten der Welt ablegen wollen: Zuerst müssten gute schulische Leistungen vorliegen. Sind die Noten vorhanden, sollte man früh beginnen, das eigene Motivationsschreiben zu entwerfen, bestenfalls lässt man verschiedene Leute drüberlesen, die sich beispielsweise im britischen Bildungssystem auskennen. Für das Motivationsschreiben müsse man darüber nachdenken, wie der eigene Lebensweg mit dem Studiengang und der Universität zusammenpasst.

LSE-Studentin Rothfuß kann nicht nur aus Großbritannien, sondern auch aus den USA berichten, wo sie für ein Auslandssemester an der UC Berkeley in Kalifornien war. Grundsätzlich seien die Anforderungen dort die gleichen wie in Großbritannien: ein persönliches Anschreiben, das den eigenen Lebensweg erläutert, akademische Empfehlungen und ein Englischtest. Zusätzlich müssten bisweilen Tests abgelegt werden, beispielsweise der SAT, der in den USA die Studierfähigkeit von Unibewerbern misst. Janet Gilmore arbeitet an der UC Berkeley und sagt, an ihrer Universität müssten Bewerber grundsätzlich mindestens einen GPA (Grade Point Average) von 3 aufweisen, wobei 4 die Höchstpunktzahl ist. Der GPA ist der Notendurchschnitt, und eine 3.0 entspricht im deutschen Notensystem etwa der 2,0. Gilmore zufolge ist die Konkurrenz in den vergangenen Jahren größer geworden, weil immer mehr Bewerber aus Ostasien und der Pazifikregion hinzukommen. Im Herbst 2025 hätten von 126.000 Bewerbern für Bachelorstudiengänge weniger als 15.000 eine Zusage erhalten.

Döller von der Studienstiftung des deutschen Volkes kann Gilmores Beobachtung bestätigen: Auch in Großbritannien kommen immer mehr Studenten aus Ostasien an die Universitäten – der Anteil der Europäer sinke. "Die meisten scheitern an der Finanzierung des Studiums", sagt Döller. Rothfuß hat diese Finanzierungssorgen selbst erfahren: "Der engste Flaschenhals, durch den die Bewerber an den exzellenten Universitäten gehen müssen, ist nicht, genommen zu werden." Wirklich kompetitiv gehe es bei den Bewerbungen um die Stipendien zu. Ein solches brauche sie für das Studium. Durchschnittlich zahle man an der LSE etwa 45.000 Euro für einen Abschluss. In den USA ist es noch mehr: Nicht selten fallen für ein Jahr an einer privaten Universität 70.000 Euro an. Deshalb legt Rothfuß allen Studenten ans Herz, sich an Studienförderwerke zu wenden. Für sie selbst sei das DAAD-Stipendium ein Segen – denn das übernehme den größten Teil der Gebühren für sie.

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