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Wer sind die klügsten Studenten im ganzen Land?

Glühbirne [Quelle: freeimages, Autor: raja4u]

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Studieren die klügsten Köpfe an den besten Hochschulen? Beeinflusst die Forschungsqualität des Fachbereichs den Wissenszuwachs der Studierenden? Und was studieren Deutschlands schlauste Studenten eigentlich am häufigsten? Antworten gibt die 'Studentenpisa'-Studie von StudiVZ und Spiegel Online, die jetzt als Buch erschienen ist.

Wer auf der Karriereleiter ganz nach oben will, kommt um eine große Unbekannte nicht herum: die Allgemeinbildung. Anwärter auf Führungspositionen sind häufig ähnlich intelligent – doch wenn es um ihr Allgemeinwissen geht, zeigen sich eklatante Unterschiede. Wer seine Wissenslücken zu häufig offenbart, hat es schwer, beruflich hoch hinaus zu kommen. Denn je wichtiger der Job, desto häufiger müssen Führungskräfte übergreifende Aufgaben innerhalb des Unternehmens und bei Geschäftspartnern wahrnehmen. Dafür müssen sie vieles wissen, was über ihr Fachgebiet hinaus geht. Doch was ist eigentlich Allgemeinwissen?

Studentenpisa: fünf Fächer – 180 Fragen

Wissen wollten das auch Dr. Sabine Trepte, Juniorprofessorin für Medienpsychologie an der Hamburg Media School, und Dr. Markus Verbeet, Redakteur beim "Spiegel". Gefragt haben sie Leute, die sich beruflich mit der Vermittlung von Wissen und Informationen beschäftigen: die Spiegel-Redakteure. Zu den Fachgebieten Politik, Geschichte, Wirtschaft, Kultur und Naturwissenschaften entwickelten die Redakteure insgesamt 180 Fragen, die sie als grundlegend für das jeweilige Wissensgebiet betrachten. Heraus kam der Spiegel-Studentenpisa-Test.

Was beeinflusst unser Wissen?

Knapp 700.000 Menschen nahmen an der Online-Studie teil, die SPIEGEL ONLINE und studiVZ gemeinsam durchführten. 32,6 Prozent der Teilnehmer waren Studenten. Neben den reinen Wissensfragen machten die Studenten auch Angaben über ihr Alter, die Abiturnote, ihre Semesteranzahl, die Hochschule, an der sie studieren, sowie über ihr Hauptfach. Auf Grundlage dieser Daten untersuchten Wissenschaftler verschiedener Universitäten dann, welche Faktoren das Allgemeinwissen beeinflussen und nach welchen Kriterien die klügsten Köpfe* ihre Hochschule auswählen. Ihre Ergebnisse sind jetzt als Buch erschienen.

Politologen und Historiker auf dem Siegertreppchen

Als größte Schlaumeier schnitten in der Gesamtauswertung die Politikstudenten ab: Sie beantworteten 2,7 Fragen mehr richtig als der Durchschnittsteilnehmer. Dicht auf den Fersen folgen ihnen die angehenden Historiker mit rund 2,5 mehr richtigen Antworten. Platz 3 ergatterten die VWL-Studenten. Doch auch die größten Besserwisser haben nicht auf alles eine Antwort.

Naturwissenschaften außen vor

Denn die Studie zeigt, dass es eine Art "Allgemeinwissens-Faktor" zu geben scheint, der aus den Wissensgebieten Politik, Geschichte, Wirtschaft und Kultur besteht. Je mehr Geschichts-Fragen ein Teilnehmer beispielsweise beantworten konnte, desto besser waren auch seine Leistungen in Wirtschaft, Kultur und Politik. Unabhängig davon existiert offensichtlich eine Art "Naturwissenschafts-Faktor": Denn wer in Geschichte viel wusste, war nicht automatisch auch bei den naturwissenschaftlichen Fragen gut.

Exzellenz trifft Intelligenz

Auf die Nähe zur Heimat können die schlausten Studenten offensichtlich verzichten: Wer für sein Studium in ein anderes Bundesland zog, schnitt beim Studentenpisa besser ab als diejenigen, die in der Heimat blieben. Doch wohin zieht es Deutschlands klügste Köpfe? Große Anziehungskraft haben die Exzellenzuniversitäten. Der Titel kommt dabei nicht nur dem "Exzellenzcluster" zugute, sondern zieht in allen Fächern mehr gute Studenten an.

Tatsächlich freier Wettbewerb?

Auch Fakultäten mit hoher Forschungsreputation sind bei den besten Studenten beliebt. Großen Anklang finden zudem Städte mit hohem Studentenanteil. Doch die Wissenschaftler des Studentenpisa geben zu bedenken, dass das "Matching" von Student und Hochschule nicht in einem völlig freien Wettbewerb stattfindet, sondern auch durch soziale Faktoren gesteuert wird: Wer ein sehr gutes Abitur macht, aber begrenzte finanzielle Möglichkeiten hat, bleibt eher bei den Eltern wohnen und studiert in der Nähe seiner Heimatstadt, als dass er in ein anderes Bundesland zieht, um dort die Spitzenuni zu besuchen. Auch die ZVS berücksichtigt bei der Vergabe von Studienplätzen neben der Abinote soziale Kriterien.

Staat besser als privat – Uni besser als FH

Studierende an staatlichen Hochschulen schnitten im Studentenpisa besser ab als ihre Kommilitonen an privaten oder kirchlichen Einrichtungen: Im Durchschnitt gaben sie 0,89 mehr richtige Antworten. Das überraschte zunächst auch die Forscher, da gerade Privathochschulen in Rankings häufig sehr gut abschneiden. Doch das Ergebnis lässt sich damit erklären, dass einige private bzw. kirchliche Hochschulen besonders gut und andere besonders schlecht abschnitten. Im Mittel erzielten die staatlichen Einrichtungen daher bessere Ergebnisse. Zwischen Universitäten und Fachhochschulen ist der Unterschied noch wesentlich eklatanter: Ein Studierender an einer Uni gab durchschnittlich drei richtige Antworten mehr als ein FH-Student.

Wermutstropfen für den Prof

Die Forschungsqualität des Fachbereichs beeinflusst das Allgemeinwissen der Studierenden übrigens nicht. Wohl aber die Anzahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter, die für Tutorien, die Betreuung von Arbeiten oder als Ansprechpartner vor Prüfungen zur Verfügung stehen: Je weniger Studierende ein wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Fachbereich betreut, desto besser schnitten diese Studenten im Wissenstest ab. Und auch wenn es für manche Professoren sicherlich schwer zu verdauen ist: Ihre Anzahl spielt für das Abschneiden der Studenten keine Rolle. Die Betreuung durch wissenschaftliche Mitarbeiter scheint wichtiger zu sein.

Tipp für Personalchefs

Zwischen Ursache und Wirkung kann die Studie nicht immer unterscheiden: Denn beispielsweise die Frage, ob junge Menschen mit einer sehr guten Allgemeinbildung besonders häufig Politikwissenschaft studieren, oder ob sie durch ihr Studium zu einer besonders gute Allgemeinbildung gelangen, kann nicht geklärt werden. Dafür müsste über mehrere Jahre eine Längschnittsstudie mit einer festen Personengruppe durchgeführt werden. Trotzdem bietet der Spiegel-Studentenpisa-Test interessante und vielfältige Einblicke in Deutschlands Studentenschaft. Und einen Tipp für die Personalchefs vieler Unternehmen haben die Forscher auch noch parat: Neben Persönlichkeits- und Intelligenztests sollten sie häufiger Wissenstests durchführen. Gerade bei der Auswahl von Führungskräften könnten ihnen so einige Entscheidungen leichter fallen.
 
*Die Bezeichnungen "klügste Köpfe"/"beste Studenten" beziehen sich hier auf die Studierenden, die im Studentenpisa am besten abschnitten.

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