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Jung, Akademiker und befristet

Wissenschaftler bei der Arbeit [© shotsstudio - Fotolia.com]

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Nirgendwo werden mehr Arbeitsverträge mit Verfallsdatum ausgegeben als im Wissenschaftsbetrieb - miese Perspektiven für den forschenden Nachwuchs. Was kann ein neues Gesetz ändern?

Irgendwann war es die Chemikerin dann leid. Ihre ersten befristeten Arbeitsverträge während der Promotion nahm sie recht gelassen hin. Schließlich war das Ende absehbar. Dass sie sich als "Frau Dr." aber immer noch von einem Anschlussvertrag zum nächsten hangeln musste und dabei von der Bewilligung der Drittmittel abhängig war, sorgte rasch für Ernüchterung. Planungssicherheit sieht anders aus. Nur das sichere Einkommen ihres Ehemannes verlieh dem Familienbudget eine gewisse Kontinuität. Als dann das lukrative Angebot der Unternehmensberatung kam, war die Entscheidung schnell gefallen: Forschung ade, ab in die Privatwirtschaft.

Solche Karrieren sind in der Wissenschaft kein Einzelfall. Denn an deutschen Hochschulen wird befristet, was das Zeug hält. Betroffen sind vor allem junge Menschen. In der Altersklasse zwischen 25 und 34 Jahren haben laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mehr als 70 Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsvertrag mit Verfallsdatum. Andere Untersuchungen kommen zu noch höheren Werten. Mehr als die Hälfte der Kontrakte weisen zudem extrem kurze Laufzeiten von weniger als einem halben Jahr auf. Arbeitnehmervertreter warnen schon lange vor den Folgen dieser Beschäftigungspolitik. "Das bedeutet eine lange Phase der finanziellen, sozialen und perspektivischen Unsicherheit", sagt Norbert Konkol von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Für die Betroffenen sei es schwierig, sich im Berufsleben einzurichten. "Wer einen befristeten Vertrag hat, bekommt auch häufig keinen Kredit von der Bank für ein Auto oder die neue Wohnungseinrichtung - vom Kauf einer Immobilie ganz zu schweigen."

Immer bloß befristet beschäftigt: Nachwuchswissenschaftler haben es schwer. Was ändert ein neues Gesetz?

Dass solche Bedingungen wissenschaftliche Karrieren für junge Menschen nicht gerade attraktiv machen, hat auch die Politik erkannt. Die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will deshalb mehr Planbarkeit für akademische Laufbahnen schaffen. "Ein halbes Jahr ist natürlich keine Phase, in der man planen kann", sagt die Unionspolitikerin. Deshalb hat sie eine Novelle des Wissenschaftszeitvertrags-Gesetzes auf den Weg gebracht. Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich das spezifische Recht der Wissenschaftsbetriebe, befristete Beschäftigung zu regeln. Für alle anderen Arbeitnehmer gilt das Teilzeit- und Befristungsgesetz. Die Sonderstellung hält der Arbeitsrechtler Jacob Joussen für gerechtfertigt. Schließlich handele es sich bei Promotionen und Habilitationen um Qualifizierungen, die von vornherein auf Zeit angelegt sind. Über die konkrete Ausgestaltung lasse sich streiten.

"Drei Monate gehen einfach gar nicht"

Dazu macht das Gesetzesvorhaben, das gerade den Bundesrat passiert hat, neue Vorgaben. Im Kern geht es darum, dass sich die Befristungen künftig an der Dauer der Qualifizierungsmaßnahmen oder der durch Drittmittel finanzierten Projekte orientieren sollen. Arbeitsvertrag und Einsatzdauer werden also synchronisiert, eine Stückelung soll vermieden werden. Zudem gibt es Neuerungen für Studierende mit Kindern und Klarstellungen für nichtwissenschaftliches Personal. Kurzbefristungen seien zwar auch in Zukunft bewusst nicht ausgeschlossen, resümiert Ministerin Wanka, aber sie würden nicht mehr in den bisherigen Größenordnungen vorkommen.

Die Verhandlungen über die Gesetzesreform, an denen er beteiligt war, beschreibt Gewerkschafter Konkol als hart und schwierig. "Vor diesem Hintergrund stellt das Gesetz eine deutliche Verbesserung dar." Auch Verdi rechne mit einer Reduzierung der extrem kurzfristigen Verträge: "Drei Monate gehen einfach gar nicht", sagt Konkol. Wie üblich hätte sich die Gewerkschaft aber noch mehr Schutz für die Beschäftigten gewünscht und dazu gerne verbindliche Mindeststandards in das Gesetz geschrieben. Es seien häufig Soll-Vorschriften enthalten, Konkol hätte das gerne durch "Muss" ersetzt. Nun rechnet er damit, dass viele Fälle vor Gericht landen.

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