Partner von:

Kreativität mit System

Glühbirne, Ideen, Innovation [Quelle: unsplash.com, Autor: Johannes Plenio]

Quelle: unsplash.com, Johannes Plenio

Ideen der Beschäftigten sorgen nicht nur für mehr Effizienz im Betrieb. Auch die Motivation kann kräftig steigen.

Der Schichtwechsel um 14 Uhr führte beim Sägenhersteller Wikus regelmäßig zum Chaos. Jedenfalls auf dem Parkplatz vor dem Werk in Spangenberg: Das Spätdienst-Personal fand keine Lücke mehr, weil die Autos der Kollegen vom Morgen die Fläche noch blockierten. Die Lösung hatte schließlich ein Mitarbeiter selbst: Er schlug vor, die Schichten der unterschiedlichen Abteilungen zu versetzen. Seitdem beginnt die halbe Belegschaft fünfzehn Minuten eher – und hat den Parkplatz schon geräumt, wenn die anderen kommen.

"Eine simple Idee, die uns den Alltag sehr erleichtert hat", sagt Dieter Finkeldei. Er kümmert sich mit mehreren Kollegen darum, solche Vorschläge zu realisieren. "Manchmal kommen sogar richtige Innovationen zustande", sagt der Wikus-Manager. In der Produktion habe man komplette Prozessschritte eliminieren können, die Ersparnis sei sechsstellig. Und: "Wenn wir die Mitarbeiter auf diese Weise einbeziehen, identifizieren sie sich unheimlich stark mit ihrer Arbeit und dem Unternehmen." Ob kleine Verbesserungen oder sogar patentierbare Erfindungen – Mitarbeiter wissen oft genau, wie das Unternehmen vorankommen kann. Dieses Potenzial können Arbeitgeber gezielt nutzen, indem sie zu Vorschlägen animieren, diese systematisch aufnehmen und deren Umsetzung vorantreiben. Standard ist das in Deutschland noch längst nicht: Laut Schätzungen des Public Management Instituts der FOM Hochschule betreiben nicht einmal zehn Prozent der Mittelständler ernsthaftes Ideenmanagement. Ein Fehler, meint Michael Dietzsch, Innovationsberater der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg. Denn: "Ideenmanagement ist ein effizienter Weg, um Verschwendung zu vermeiden und Kosten zu senken." In seinem Arbeitskreis höre er immer wieder, wie positiv das aktive Einbeziehen auf die interne Kultur wirke: "Die Mitarbeiter schätzen es, wenn Probleme, über die sie sich jeden Tag ärgern, abgestellt werden. Und wenn sie mit ihren Ideen etwas bewirken können, fühlen sie sich in der Firma wohl und sind wesentlich motivierter."

Rund um die Uhr können die 600 Wikus-Leute ihre Vorschläge in die interne Ideen-Datenbank eintragen. Die Software leitet diese an die richtigen Stellen zur Prüfung weiter. "Für alle ist sichtbar, auf welcher Stufe die Vorschläge gerade sind", sagt Verbesserungsmanager Finkeldei. Solche Transparenz hält er für unverzichtbar: "So kann jeder sehen, was schon eingereicht wurde. Das erspart Doppelarbeit und nimmt die Angst davor, einen überflüssigen Vorschlag zu machen." Noch wichtiger sei es für die Motivation: "Die Leute wollen wissen, was mit ihrer Idee passiert. Wenn keine Informationen zurückfließen oder die Umsetzung zu lange dauert, distanzieren sie sich und verlieren womöglich die Motivation." Ausführliches Feedback hält auch IHK-Berater Dietzsch für entscheidend. "Man kann durchaus offen sagen, wenn ein Vorschlag nicht umgesetzt werden kann. Wichtig ist nur, dass man die Ablehnung nachvollziehbar erklärt und Wertschätzung zeigt." Auch bei Umsetzung einer Idee sei es wichtig, sie ausreichend zu würdigen: "Ein Lob von ganz oben hat oft eine viel größere Bedeutung als eine Geldprämie. Das macht stolz und stärkt die Bindung."

Siemens etwa hat die finanzielle Belohnung deshalb durch ein weiteres Element ergänzt: Haben sich Mitarbeiter durch besondere Ideen hervorgetan, bekommen sie eine Urkunde überreicht – und zwar vom CEO, Werksleiter oder anderen Führungskräften. Mitunter sogar im Rahmen einer Betriebsversammlung. Außerdem gibt es Beiträge in der Online-Mitarbeiterzeitschrift, im Intranet, am Schwarzen Brett und auf digitalen Bildschirmen. Im Jahr 2017 gingen über 160.000 Vorschläge ein. Der Konzern beziffert den Nutzen auf über 300 Millionen Euro. IHK-Mann Dietzsch vermisst in vielen Firmen diesen Rückhalt aus der Geschäftsleitung. "Das ist ein großes Handicap. Die Mitarbeiter merken, dass ihr Engagement zu nichts führt und verlieren das Vertrauen." In kleinen Betrieben, wo Software-Einsatz oder selbst Workshops übertrieben wirken würden, müsse man pragmatisch vorgehen. "Der Chef ist selbst der Ideenmanager und bewertet die Vorschläge", sagt Dietzsch.

So läuft es auch in Michael Biesels Möbeltischlerei in der Nähe von Hannover. Vor drei Jahren hängte der Familienunternehmer Briefkasten und Notizzettel in den Aufenthaltsraum. Hat einer der 16 Angestellten einen Verbesserungsvorschlag, kann er ihn dort aufschreiben und einwerfen. "Einmal im Monat setzen wir uns zusammen und diskutieren über die Ideen", sagt Biesel. "Es ist toll, was wir dadurch schon alles verändern konnten." Weil er als Chef eine Menge anderer Dinge zu tun hat, delegiert er die Ideenumsetzung an die Mitarbeiter. Denn, so Biesel: "Sie wissen eh am besten, worauf es ankommt."

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

nach oben

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

Verwandte Artikel
Jobletter

Alle 2 Wochen Jobs & Praktika in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.