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Verwöhnprogramm für Mitarbeiter

Wellness [Quelle: Pixabay, Autor: nnoeki]

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Statt mit Gehalt ködern Arbeitgeber Fachkräfte mit Rundum-sorglos-Paketen oder Nebenleistungen wie Fahrrad-Leasing. Mittelständler haben dabei oft mehr zu bieten als Industriegrößen.

An den Fringe Benefits lässt sich ablesen, ob ein Unternehmen fit ist für die kommenden Jahre. Fringe Benefits – das sind Leistungen zusätzlich zum Gehalt. Dazu gehören Gutscheine für die Kantine, Tickets für Veranstaltungen, die Mitgliedschaft in einem Sportklub und Zuschüsse zur Altersvorsorge. "Viele Unternehmen stellen Informationen über solche Nebenleistungen schon auf ihre Homepage", sagt Rolf Misterek, Benefits-Experte bei der Unternehmensberatung Mercer. "Auf der Homepage finden Sie aber nichts über das Gehalt, das gezahlt wird."

Die Nebenleistungen sind für die Unternehmen oft nicht einmal teuer. Marco Reiners von der Unternehmensberatung Aon Hewitt nennt als Beispiel Zusatzversicherungen für Zahn- und Chefarztbehandlungen. Wenn ein Unternehmen für seine Mitarbeiter einen Gruppenvertrag abschließt, ist das preiswerter, als wenn ein Einzelner einen Vertrag unterschreibt. Der Effekt ist vergleichbar groß. Denn Nebenleistungen lassen sich öffentlichkeitswirksam vermarkten und tragen dazu bei, das Unternehmen als modern, tolerant und weltoffen zu positionieren. Der Obstkorb für die Mitarbeiter beweist, dass die Geschäftsführung an ihrer Gesundheit interessiert ist. Mit einem Zuschuss für die Kinderbetreuung zeigt sie, dass sie ein Herz für Familien hat. Das steigert die Motivation der Mitarbeiter. Wenn diese selbst einen Sportwettkampf organisieren und der Chef Geld dazugibt, wird außerdem der Zusammenhalt gestärkt.

Nach Ansicht des Experten Misterek grenzen sich die Unternehmen mit den Nebenleistungen von Wettbewerbern ab. Sie können oder wollen nicht wesentlich mehr Gehalt zahlen als diese, bieten aber dafür bessere Fringe Benefits. Das bringt dem Unternehmen zudem steuerliche Vorteile. Während bei der Gehaltserhöhung auch mehr Geld für Sozialleistungen fällig ist, kann die Nebenleistung als Betriebsausgabe verbucht werden. Bei einem Jahresgehalt von 50.000 Euro machen sich 50 Euro netto mehr pro Monat ohnehin kaum bemerkbar, meint die Personalberaterin Doris Brenner. Attraktiver sei es dagegen, wenn etwa die Geschäftsführung für die Mitarbeiter Tickets für Kulturveranstaltungen besorgen lasse.

Mit dem Hund zur Arbeit

Über das sogenannte Cafeteriasystem können sich Mitarbeiter vielerorts die Nebenleistungen selbst zusammenstellen. Es stammt aus dem englischsprachigen Raum. In Großbritannien ist es üblich, die Leistungen über Punkte abzurechnen. Die IT-Branche in den Vereinigten Staaten gilt laut Berater Reiners als Vorreiter für ausgefallene Nebenleistungen. So werden im Silicon Valley etwa Betriebsausflüge nach Hawaii organisiert oder den Mitarbeitern Tage angeboten, an denen die Mitnahme des Hundes gestattet ist. Reiners erzählt von einem Start-up, das seinen Angestellten offerierte, so viel Urlaub zu nehmen, wie diese wollten: "Das Resultat war, dass manche Mitarbeiter gar keine Ferientage mehr beanspruchten." Offenbar dachten sie, es hinterlasse einen schlechten Eindruck, wenn sie überhaupt frei machten. Mittlerweile halte das Unternehmen die Mitarbeiter sogar dazu an, pro Vierteljahr wenigstens eine Woche Urlaub zu nehmen.

Es sind vor allem große, globale Konzerne wie Google, Facebook oder Apple, die mit attraktiven Nebenleistungen Schlagzeilen machen. Doch angesichts des demographischen Wandels überlegen immer mehr kleine und mittelständische Betriebe, wie sie Fach- und Führungskräfte gewinnen und halten. Besonders schwierig ist es, wenn sie ihren Sitz abseits der attraktiven Großstädte haben. Die Vorstellung, in eine Kleinstadt ohne spannende Kulturszene und ohne Flughafen zu ziehen, ist für manche international vernetzte Fachfrau abschreckend.

Ein Manko, das Mittelständler etwa mit guter Kinderbetreuung wettmachen können. Für Mittelständler spricht aus Sicht von Expertin Brenner, dass sie "oft eher dazu bereit sind, mit ihren Mitarbeitern individuelle Leistungen auszuhandeln. Viele große Unternehmen bieten dagegen standardisierte Zusatzleistungen an, die in Betriebsvereinbarungen fixiert sind." Während daher manche einheitliche Leistungen aus der Pensionskasse offerieren, kann der Mittelständler eine Altersvorsorge bieten, die auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters zugeschnitten ist.

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