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Die Tellerwäscher unter den Top-Managern

Adel, Herkunft [Quelle: unsplash.com, Autor: Caleb Betts]

Quelle: unsplash.com, Caleb Betts

Oft bestimmt in Deutschland das Elternhaus über große Karrieren. Herkunft zählt. Aber Vorstandsetagen sind auch offen für soziale Aufsteiger – das zeigen einige bemerkenswerte Beispiele.

Vom Schäferbub aus dem Westerwald bis an die Spitze des größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus ist es ein steiniger Weg. Thomas Enders hat ihn geschafft. Ein altes Bild zeigt den jugendlichen Enders, wie er einem Schafbock seines Vaters furchtlos an die Hörner greift; ein noch älteres Bild zeigt den kleinen Schäferbub, der sich hinter das Lenkrad eines Traktors gesetzt hat, die Beine baumelnd und noch viel zu kurz, um an die Pedale zu gelangen. Thomas Enders‘ Aufstieg aus bescheidenen Verhältnissen ist ungewöhnlich, aber der Airbus-Chef ist heute überzeugt, dass mit Biss und Talent auch heute noch jeder in Deutschland alles erreichen kann. Allerdings nur, wenn man zu Hause und in der Schule auf Eltern und Lehrer trifft, die fordern und fördern. Er habe dieses Glück gehabt. Bei seinem Aufstieg sei er nirgends an undurchlässige Decken gestoßen, erzählte er mal in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Viele Soziologen dagegen sehen die Aufstiegschancen kleiner Leute skeptischer als Thomas Enders. Aber stimmt ihre alte These noch, dass es nach ganz oben ins Spitzenmanagement vor allem Kinder aus dem Bürgertum und Großbürgertum schaffen? Vier von fünf deutschen Spitzenmanagern seien in der oberen Mittelschicht oder Oberschicht aufgewachsen, schrieb der Hohenheimer Managementsoziologe Eugen Buß vor fünf Jahren. Fast keiner würde in einem Arbeitermilieu geboren. Der Darmstädter Soziologe Michael Hartmann pflichtete ihm bei. Für den Aufstieg in die obersten Chefetagen seien fachliche Belange gar nicht so entscheidend.

In seinem Buch "Der Mythos von den Leistungseliten" schrieb er, dass vielmehr der Habitus und der richtige Stallgeruch wichtig seien. Wer ganz nach oben aufsteigen wolle, brauche nicht nur ausgezeichnete Noten, Fachkompetenz und Ehrgeiz, sondern vor allem ein souveränes Auftreten mit den richtigen Manieren. Die Wirtschaftselite sei ein weitgehend geschlossener Kreis, wer eindringen wolle, müsse zeigen, dass er die ungeschriebenen Dress- und Benimmcodes verinnerlicht habe. Und ähnlich ticke wie die Elite. Dahinter stecke weniger der Wille zur Abschottung, denn oft schaffe Ähnlichkeit einfach Vertrauen. Das ist nicht unwichtig in jenen Höhenlagen, in denen oft Misstrauen und Intrigen regieren. Man erkennt sich am Geruch.

Eine überraschend bunte Mischung

Aber sind die Thesen veraltet? Sind sie klassenkämpferische Überbleibsel früherer Zeiten? Wer sich heute umhört, kommt zu einem gemischten Bild. Die Personalberatung Odgers Berndtson hat für die F.A.Z. die Väterberufe der Dax-Vorstandsvorsitzenden in einer Tabelle zusammengestellt. Es zeigt sich zunächst eine überraschend bunte Mischung. Manches wirkt geradezu exotisch: Der Vater von Deutsche-Bank-Chef John Cryan war Jazzmusiker. Er spielte im Londoner Club Ronny Scott’s, verstarb aber schon während der Studienzeit seines Sohnes. Volkswagen-Chef Matthias Müller hat dagegen das sprichwörtliche Benzin im Blut: Sein Vater war in den 50er Jahren Motorrad-Rennleiter der zur Auto Union gehörenden Marke DKW, später technischer Kommissar der Rennstrecke Sachsenring. Die Familie siedelte aber früh von der DDR nach Bayern über, wo der Sohn dann auch sein Abitur machte.

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