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Dolmetscher der Digitalisierung

Ein roter Spielzeugroboter [Quelle: freeimages.com, Sasan Saidi]

Quelle: freeimages.com, Sasan Saidi

Vor wenigen Jahren konnte sich unter einem Chief Digital Officer (CDO) niemand etwas vorstellen, heute hilft er vielen Unternehmen beim Sprung ins digitale Zeitalter. Das kann und soll unbequem sein - und zwar für alle Beteiligten.

Bernhard Speyer lebt digital. Wenn er morgens aufwacht, zieht er seine Apple Watch an. Während des Tages lässt er sich per App darüber informieren, wo sich seine Frau und Kinder gerade aufhalten. Sitzt er in einer Besprechung, liegt sein iPhone direkt neben ihm auf dem Tisch - und vibriert unentwegt. Anscheinend ist er der richtige Mann am richtigen Ort.

Der 53-Jährige ist seit April Chief Digital Officer (CDO) bei Carglass. Der Spezialist für die Reparatur und den Neueinbau von Fahrzeugglas ist vor allem bekannt für seine Werbung: "Carglass repariert, Carglass tauscht aus", lautet der ebenso prägnante wie penetrante Spruch. Doch der zieht längst nicht mehr so wie früher. "Der Kunde verhält sich anders und erwartet mehr digitalen Service", sagt Carglass-Personalchef Paolo Torroni. "Wir wollen in Sachen Kundenerlebnis einen entscheidenden Vorsprung behalten." Und damit jedem Mitarbeiter klar ist, dass es Carglass ernst meint, sitzt Speyer in der Geschäftsführung. Zuvor war er bei der Deutschen Telekom, nun berichtet er als CDO direkt an den Carglass-Geschäftsführer Jean-Pierre Filippini.

Noch ist Speyers Posten in Deutschland eher die Ausnahme als die Regel. Nach Angaben des Netzwerks CDO Club gab es im Jahr 2005 weltweit erst einen CDO, 2010 waren es schon 52 - und im vergangenen Jahr gab es erstmals mehr als 1000 solcher Stellen. In Deutschland sind sie zum Beispiel im Einsatz bei Media-Saturn, TUI, Pro Sieben Sat1 oder SAP. Und erst Mitte November gab der Allianz-Konzern bekannt, die neue Einheit Digitale Transformation aufzubauen. Ab Januar 2016 an deren Spitze: der Chief Digital Officer Solmaz Altin.

Die Marktforschung Gartner geht davon aus, dass künftig jede vierte Firma einen obersten Digitalbeauftragten benennen wird. Der Grund: "Unternehmen müssen sich jetzt mit dem Thema beschäftigen, denn die digitale Welt wird sämtliche Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen", sagt der Hamburger Personalberater Dwight Cribb, der Speyer für Carglass vermittelte. Das Problem ist nämlich: Oft leben Vorstände und Aufsichtsräte selbst noch in einem analogen Paralleluniversum und verkennen die Gefahr. Ein großer Fehler.

71 Prozent der deutschen Manager fehlt die Kompetenz, um den digitalen Wandel voranzutreiben

Eine aktuelle Studie des IT-Konzerns Cisco sagt voraus, dass vier von zehn Marktführern jeder Branche in den nächsten fünf Jahren verdrängt werden, falls sie die digitale Transformation verschlafen. Auch weil sich die Konkurrenz langsam und zunächst unsichtbar von außen anschleicht: Whatsapp bedroht das Geschäftsmodell der Telekommunikationskonzerne, Uber die Taxibranche. Carglass oder Pitstop könnte ein Verbund freier Werkstätten à la Airbnb gefährlich werden, die sich digital zusammenschließen. Deshalb gibt es Menschen wie Speyer, die nach neuen Konkurrenten Ausschau halten und den Wandel im Unternehmen vorantreiben.

Bitte recht neugierig

Der Carglass-CDO weiß um die Bedeutung seiner Position. Es brauche Kreativität und Neugier, um zu erkennen, was sich im digitalen Bereich tut - und dass dort eben nicht nur existenzielle Gefahren lauern, sondern auch Chancen entstehen. Doch genauso braucht er Empathie und Fingerspitzengefühl. Denn Speyer will die Angestellten auch nicht vergraulen.

Dass es bei Carglass viel zu tun gibt, ist ihm durchaus bewusst. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen etwa 2200 Mitarbeiter. Davon sind 1500 Monteure, 300 Angestellte arbeiten in der Hauptverwaltung, 200 im Callcenter. Der Konzern hat zwar bereits einzelne digitale Elemente wie die Online-Servicebuchung. Und nächstes Jahr bekommt jeder Mitarbeiter ein iPhone.

Das klingt zunächst trivial, verändert aber den Alltag aller Beteiligten, egal, ob Fach- oder Führungskraft. Denn künftig kann jeder Angestellte von überall aus Aufträge annehmen und abwickeln. Kein Wunder, dass Speyer nicht nur Fans hat. Er wird dafür bezahlt, alles infrage zu stellen.

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