von Melanie Grell

Wissenschaftsachwuchs für Deutschland

Lust auf Promotion

"Lust auf wissenschaftliche Karriere in Deutschland!" - unter diesem Motto stand die Auftaktveranstaltung zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland. Am 28. Oktober 2008 kamen in Berlin Hochschulen, Graduiertenkollegs, Doktoranden- netzwerke, Stipendiengeber und Nachwuchs- wissenschaftler zusammen.

 

Die drei halten sich an der Hand. Das Mädchen trägt eine geringelte Strumpfhose, der dunkelhaarige Junge hat sein Plastikschwert dabei und der Jüngste im Bunde verfolgt aufmerksam, wohin die Mutter sich wendet. Nachwuchs in Deutschland auf der KISSWIN-Messe in Berlin. Deutschland braucht Nachwuchs - aber vor allem wissenschaftlichen Nachwuchs. Um diesen zu fördern und in Deutschland besser zu vernetzen, hat die Bundesregierung das KISSWIN-Programm ins Leben gerufen. Das Projekt wird vom Zentrum für Lern- und Wissensmanagement und dem Lehrstuhl für Informationsmanagement im Maschinenbau an der RWTH Aachen geleitet. Auftakt war der Kongress in Berlin.

Von FES bis KAS sind alle da

Warmes Wetter in Berlin. Ich bin auf dem Weg zum Kongress-Center am Alexanderplatz. Dort findet die KISSWIN-Messe statt. Ich bin gespannt. Als erstes verschaffe ich mir einen Überblick - wer ist eigentlich alles da? Das Doktorandennetzwerk Thesis hat einen eigenen Stand, ebenso Graduiertenkollegs der TU München, der LMU, der Uni Heidelberg und der Uni Konstanz. Ich entdecke academics.de, die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Konrad-Adenauer-Stiftung und einen Stand von scholarz.net. Und natürlich sind zahlreiche Studenten, Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler unterwegs.

Ein Kanal für die Informationsflut

"Immer noch schlagen einige PostDocs hartnäckig exakt die Verbesserungen vor, die längst umgesetzt sind", konstatierte schon die duz Anfang des Jahres. Als ich im Kuppelsaal des Kongress-Centers sitze - auch Vorträge sind Teil der Messe - , stolpere ich wieder über dieses Zitat. Diesmal taucht es in einer Vortragsfolie von Professor Henning auf. Er ist an der RWTH Aachen verantwortlich für die Umsetzung des KISSWIN-Projekts. Kurzweilig und mit viel Humor gewürzt zeichnet er ein Bild der Wissens- und Wissenschaftlerwelt. Zentrales Argument bei ihm ist, dass den Menschen - und somit auch den Wissenschaftlern - zwar alle Informationen zur Verfügung stehen, wir aber nicht mehr wissen, wie wir sie in konkretes Wissen und Handeln umsetzen sollen. Das beifällige Gemurmel im Saal zeigt mir, dass er damit scheinbar nicht so Unrecht hat. Das Bild ist dann auch nicht hell: Deutschland hat zu wenig Wissenschaftler, und die, die da sind, sind nicht informiert oder sogar "tendenziell schlecht gelaunt". Henning verspricht aber auch Abhilfe. Die geht mit www.KISSWIN.de am Ende seines Vortrags mit einem Paukenschlag online.

KISSWIN, Nachwuchswissenschaftler, Deutschland

René Vossen (30) ist Pressesprecher von KISSWIN. Er und seine Kollegen haben in monatelanger Arbeit das Internet-Portal www.kisswin.de aufgebaut und den Kongress in Berlin organisiert. René Vossen ist sich sicher, dass "KISSWIN zur zentralen Anlaufstelle für Nachwuchswissenschaftler im Netz wird".

Herr Vossen, welches Ziel verfolgt KISSWIN?

KISSWIN soll eine zentrale Anlaufstelle für den wissenschaftlichen Nachwuchs werden. Wir möchten dabei schnell und unkompliziert über die deutsche Forschungslandschaft und ihre Möglichkeiten informieren und individuell beraten. Dazu trägt KISSWIN alle wichtigen Informationen, Personen und Institutionen zu Förderungen in Deutschland zusammen. Außerdem soll KISSWIN natürlich als Plattform für Erfahrungsaustausch und Networking dienen.

An wen richten Sie sich mit Ihrem Angebot?

An alle Nachwuchswissenschaftler - vom Studenten, der sich überlegt, ob er promovieren soll, bis hin zum erfahrenen PostDoc, der nach seiner Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe kurz vor der Berufung steht.

Brauchen wir noch ein Internetportal? Die meisten Studenten und Doktoranden sind doch mehrfach vernetzt.

Mehr Transparenz in der nationalen Forschungslandschaft ist ein erster Schritt, die Bedingungen des wissenschaftlichen Nachwuchses zu verbessern. Denn oft fehlt gerade diese Transparenz, die wir mit unserem Portal schaffen möchten. Deshalb müssen die relevanten Informationen über die Chancen und Möglichkeiten für junge Nachwuchswissenschaftler in Deutschland einfach und übersichtlich zugänglich sein. Ein Portal, das Informationen zu Finanzierung, Drittmittelwerbung, Juniorprofessur oder Kongressen bündelt, gab es bislang aber noch nicht.


Nach dem letzten Vortrag wartet eine Stärkung auf die zahlreichen Teilnehmer. Im Foyer bilden sich erst lange Schlangen am Buffet und dann dicke Trauben um die Tische. Zeit, das Gehörte zu diskutieren und zu verarbeiten, bevor die nächste Runde ansteht: In sieben parallelen Foren können sich die Teilnehmer zu verschiedenen Themen austauschen. Ich halte einen Vortrag in Forum VII - Netzwerke. Meine Mitstreiter sind unter anderem Thesis, academics, scholarz.net und researchgate. Nacheinander präsentieren wir unsere Netzwerke, um dann im Anschluss mit den Teilnehmern zu diskutieren.

Netzwerke sind die Zukunft

Auch hier stellt sich heraus, dass es für den wissenschaftlichen Nachwuchs schwierig ist, alle relevanten Information zu finden. Und sich dann auch sicher zu sein, alle Informationen gefunden zu haben. Ein Fazit der Diskussion: Ohne Netzwerke wird es nicht gehen. Und Online-Netzwerke haben noch den schönen Vorteil, dass sie sich verhältnismäßig einfach über die ganze Welt erstrecken können. Eine Tatsache, die in die Zukunftsplanung vieler Doktoranden einfließt. Das lässt uns hoffnungsfroh unsere Diskussionsrunde und somit auch die Messe beschließen. Auf meinem Weg zum Alexanderplatz komme ich wieder an den drei Geschwistern vorbei. Sie sehen ganz zufrieden aus.

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