Selbständig machen: Der Weg in die Selbständigkeit

Autor*innen
Kathrin Stephan
Geschäftsmann läuft auf Ziel zu

Stell dir vor, du wachst eines Tages auf und bist frei. Niemand schreibt dir vor, was du zu tun hast. Du bist jetzt Chef:in. Klingt super? Die gute Nachricht: Jede:r kann sich selbständig machen. In diesem Beitrag erfährst du, wie das geht. 

Vielleicht träumst du schon lange davon, dich selbständig zu machen. Du weißt, dass da noch mehr in dir steckt. Doch du fühlst dich im Alltagstrott gefangen und weißt nicht, wie du das angehen sollst.

Erfolgstrainer Anthony Robbins würde dir wohl raten, es einfach mal mit der Selbständigkeit zu probieren. Was hast du schon zu verlieren? Nur wenn wir unsere Wünsche in die Tat umsetzen, machen wir Erfahrungen. So finden wir heraus, ob etwas wirklich zu uns passt. Doch wenn wir nichts verändern, werden wir das nie wissen. Du hast die Wahl: Läufst du weiter auf deinem gewohnten Pfad oder gehst du einen neuen Weg?

Selbständigkeit: Voraussetzungen

Es kann sich leicht anfühlen, wenn du in die Selbständigkeit startest. Du bist motiviert und zeigst vollen Einsatz. Schwieriger ist es meist, über einen längeren Zeitraum durchzuhalten. Doch bereits im Studium lernen wir, Hürden zu meistern und uns selbst zu organisieren. Das wird dir auch als Selbständige:r von Vorteil sein.

Fachliche Skills

Ob du dich als Architekt:in, Texter:in oder mit einem Mode-Shop selbständig machen willst – du solltest dich in deinem Bereich sehr gut auskennen.

Das heißt aber nicht immer, dass du ein abgeschlossenes Studium in diesem Bereich brauchst. So kannst du dir zum Beispiel Webdesign und Texten auch selbst aneignen. In anderen Berufen, die zu einer Kammer oder einem Berufsverband gehören, musst du deine Qualifikation nachweisen können, denn sie ist die Grundlage für eine Mitgliedschaft.

Überleg dir also genau, auf welchem Level deine Skills sind. Dir fehlt noch Wissen? Es lohnt sich, in die eigene Bildung zu investieren. Seit Corona gibt es sehr viele Möglichkeiten, online zu lernen.

Du musst nicht alles wissen, wenn du in die Selbständigkeit startest. Du kannst immer dazulernen und wirst dich weiterentwickeln.

Gründerpersönlichkeit

Als Selbständige:r brauchst du vor allem eins: innere Stärke. Du bist jetzt verantwortlich und wenn es mal schwierig wird, sind deine Lösungen gefragt. Aber keine Sorge: Du wächst mit der Zeit in deine Rolle hinein. Anfängliche Unsicherheiten sind normal. Wenn du Herausforderungen bewältigst, wirst du zunehmend selbstbewusster und traust dir mehr zu.

Nimm dir Zeit und find für dich heraus, ob du dich bereit fühlst. Diese Fragen können dir dabei helfen:

  • Kannst du Entscheidungen für dich und andere treffen?
  • Fällt es dir leicht, deinen Tag zu strukturieren?
  • Kannst du mit finanzieller Unsicherheit umgehen?
  • Bist du in der Lage, bürokratische Angelegenheiten allein zu regeln?
  • Bist du eher lösungsorientiert oder siehst du schwarz bei Problemen?
  • Hast du den Eindruck, dass du an deinen Aufgaben wächst?
  • Kannst du mit Kritik von anderen umgehen?
  • Verfolgst du deine Ziele auch dann weiter, wenn mal nicht alles rundläuft?
  • Holst du dir Unterstützung, wenn du nicht mehr weiterweißt? 

Du hast nicht alle Fragen mit einem "Ja" beantworten können? Kein Problem. Wann fühlt man sich schon zu 100 Prozent bereit? Von deinem Wunsch, dich selbständig zu machen, sollte dich nichts abhalten. Vertrau in dich und deine Fähigkeiten.

Freiberufler vs. Gewerbetreibender

Wenn du freiberuflich tätig bist oder ein Gewerbe führst, dann bist du selbständig. Je nach Art der Tätigkeit fällt dein Business unter die Freien Berufe oder unter die Gewerbeordnung.

Freie Berufe erbringen Dienstleistungen, die nicht allein dem Individuum, sondern auch der Gesellschaft dienen.“ So lautet die Definition des Bundesverbandes der Freien Berufe. Als Freiberufler:in übst du eine wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit aus.

In der Freiberuflichkeit genießt du mehr Freiheiten: Du musst weder Gewerbesteuer zahlen noch Mitglied in der Handelskammer werden. Du kannst dich in der Künstlersozialkasse versichern, wenn du die Voraussetzungen dafür erfüllst. Auch bist du nicht verpflichtet, Buchhaltung zu machen.

Wer zählt zu den Freiberuflern?

Es gibt eine ganze Reihe von Tätigkeiten, die zu den Freien Berufen gehören. Hier findest du eine kleine Auswahl:

  • Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Heilpraktiker:innen, Hebammen,
  • Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Notarinnen und Notare, Steuerberater:innen,
  • Architektinnen und Architekten, Ingenieurinnen und Ingenieure,
  • Texter:innen, Lektorinnen und Lektoren, Journalistinnen und Journalisten,
  • Designer:innen, Fotografinnen und Fotografen,
  • Künstler:innen und Musiker:innen,
  • Lehrer:innen und Erzieher:innen

Gewerbe bezeichnet jede Art von Selbständigkeit, die kein Freier Beruf ist. Verkaufst du Waren oder stellst Produkte her, wirst du ein Gewerbe anmelden müssen. Sowohl physische als auch digitale Produkte zählen dazu. Aber auch, wenn du nichts produzierst, kann es sich um ein Gewerbe handeln. Zum Beispiel müssen sich oft auch Coaches oder PR-Berater:innen beim Gewerbeamt anmelden.

7 Schritte in die Selbständigkeit

Auch wenn dir am Anfang noch der Durchblick fehlt: Hol dir alle Informationen, die du brauchst. Und mach dir einen Plan, was konkret zu tun ist. Diese Schritte helfen dir beim Einstieg in deine Selbständigkeit:

1. Geschäftsidee finden

Welches Problem möchtest du lösen? Was kannst du besonders gut? Was erfüllt dich auch persönlich? Schreib alles auf, was dir einfällt. Und finde dann heraus, wie du damit Geld verdienen kannst. Schau dir auch an, was andere Selbständige aus deiner Branche anbieten. Was gefällt dir daran? Was würdest du anders machen?

2. Geschäftsmodell entwickeln

Aus deiner Geschäftsidee wird dein Geschäftsmodell. Das klingt größer, als es ist. Es gibt im Internet zahlreiche Vorlagen für die Business Model Canvas. Vom Kundennutzen über die Zielgruppe bis hin zur Kostenstruktur: Auf einer Seite notierst du die wichtigsten Aspekte deiner Selbständigkeit. Mit diesem Mini-Konzept verschaffst du dir Klarheit. Auch für Freiberufler:innen ist die Canvas gut geeignet.

3. Angebot definieren

Welche Leistungen bietest du konkret an? Und was nimmst du dafür? Schau dir an, was für den Markt üblich ist. Welche Preise verlangt deine Konkurrenz? In diesem Preisrahmen solltest du dich auch bewegen.

Setz deinen Stundensatz nicht zu niedrig an. Denn oft wirst du noch verhandeln müssen. Mach dir klar, was du monatlich einnehmen möchtest und mit welchem Stundensatz du das erreichen kannst. Alternativ zum Stundensatz kannst du Pauschalpreise für Leistungen im Paket festlegen, zum Beispiel 500 Euro für ein Fotoshooting.

4. Name und Logo kreieren

Für Freiberufler:innen und Kleingewerbetreibende gilt: Dein persönlicher Name muss in deinem Unternehmensnamen enthalten sein. Bei den Freien Berufen reicht auch der Nachname aus. Kombinier deinen Namen mit einem Wort, das für dein Angebot oder deine Branche steht, zum Beispiel "Text" oder "Digitales Marketing".

Für dein Logo kannst du einfach deinen Namen nutzen. Such eine Schriftart aus, die gut zu deinem Angebot und deiner Zielgruppe passt. Es gibt auch viele Online-Tools, mit denen du dein Logo erstellen kannst. Oder du investiert in eine:n Grafiker:in.

5. Marketing vorbereiten

Wie sollen Kund:innen auf dein Angebot aufmerksam werden? Welche Kanäle möchtest du nutzen? Brauchst du schon eine eigene Website oder fängst du erstmal mit Social Media an? Geh strategisch an dein Marketing heran. Find heraus, wo deine Zielgruppe unterwegs ist. Bereite deinen Online-Auftritt vor. So erhältst du schnell die ersten Aufträge.

6. Selbständigkeit anmelden

Deine Freiberuflichkeit meldest du beim Finanzamt an. Du erhältst eine Steuernummer für deine Steuererklärung und deine Rechnungen an Kund:innen. Das Gewerbeamt ist zuständig für Gewerbetreibende. Es informiert das Finanzamt, sobald du dein Gewerbe angemeldet hast.

7. Marketing betreiben

Jetzt kannst du so richtig loslegen. Mach dein Angebot bekannt und trete mit potenziellen Kund:innen in Kontakt. Schreib deine ersten Blog-Beiträge, poste auf Instagram oder vernetz dich auf LinkedIn. Als Freiberufler:in kannst du auch Freelancer-Plattformen nutzen, um Aufträge zu gewinnen. Vertrau darauf, dass alles gut laufen wird. Wir drücken dir die Daumen!

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