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Die Gefahr der Frei­heit

Studentin am lernen [Quelle: unsplash.com, Autor: jeshoots]

Quelle: unsplash.com, jeshoots

Anders als Schule oder Bachelor-Master-System ist das Jurastudium sehr frei, hinzu kommt die große Menge examensrelevanten Stoffs. Zwei gute Gründe, warum sich Jurastudierende von Anfang an gut strukturieren sollten.

Sieben Tage die Woche lernen, Nachtschichten vor dem Examen, vor Erschöpfung in der Unibibliothek einschlafen: Horrorgeschichten über das Jurastudium gibt es viele. Natürlich steckt dahinter auch immer ein Stück Wahrheit, wer sich aber seine Zeit gut einteilt, kann das Examen schaffen, ohne derart an seine psychischen und körperlichen Grenzen zu gehen.

"Am besten ist es, sich schon ab dem ersten Semester eine Struktur zurechtzulegen, mit der man den vielen Stoff aus dem Studium bewältigen kann", rät Rechtsanwalt Mario Kraatz, Inhaber des Repetitoriums Akademie Kraatz. "Wer von Anfang an den Stoff häppchenweise aufteilt, steht nicht am Ende vor einem riesigen Berg." Kraatz vergleicht das Jurastudium mit Leistungssport: "Auch ein Leistungssportler darf sich nicht überfordern, sondern muss seine Kräfte so einteilen, dass sie bis zum Ziel reichen."

Häufiges Problem: Das Gespür für ein gutes Zeitmanagement müssen frisch eingeschriebene Jurastudierende oft erst einmal lernen. "Sie kennen aus der Schule nur starre Zeit- und Lernvorgaben und müssen sich nun an der Uni ihre Zeit selbst einteilen. Hausaufgaben werden nicht gestellt, lediglich Lernempfehlungen gegeben – das ist für viele erst einmal ungewohnt", berichtet Sabine Beck, Leiterin der Fachstudienberatung für Rechtswissenschaft an der Universität Bonn.

Aber auch später im Studienverlauf gibt es kritische Phasen, in denen die Studierenden ihr Zeitmanagement mitunter nicht mehr im Griff haben: In der Studienmitte liegt laut Beck die Herausforderung darin, aufgebaute Lernstrategien beizubehalten, da nur wenige obligatorische Prüfungen zum Lernen zwingen. 

Am Studienende fühlten sich dann viele angesichts der zu lernenden Stoffmenge für das Examen überfordert. Deshalb lautet ihr Rat: "Ein individuelles Zeitmanagement, Disziplin und Ausdauer müssen sich wie ein roter Faden durch das Studium ziehen." Lange Jahre in der Studienberatung haben ihr gezeigt: Ein guter Studieneinstieg korreliert oft mit einem guten Examensergebnis.

Großprojekt Jurastudium – wie ein Hausbau

Doch wie sieht ein sinnvolles Zeitmanagement für das Jurastudium aus? Die Reihenfolge der Inhalte ergibt sich in der Regel durch den Studienaufbau, den die Universitäten vorgeben. "Das Studium ist wie ein Hausbau", meint Kraatz. "Erst muss die Basis, also der Keller, geschaffen werden. Dann baut man Stück für Stück die Stockwerke auf." Wichtig sei dabei vor allem, beim Lernen auch den Stoff aus den ersten Semestern immer präsent zu halten – ansonsten hat man vieles bis zum Examen schon wieder vergessen.

Der Repetitor empfiehlt, sich von Beginn an einen Zeitplan zu erstellen, nach dem man lernen will – und diesen Plan sichtbar über den Schreibtisch zu hängen. "Dadurch ist auf einen Blick zu erkennen, wann man sich auf was konzentrieren muss: Was will ich wann lernen, und wann ist die Zeit, Themen aus früheren Semestern zu wiederholen?"

Auch Beck spricht sich dafür aus, den Inhalt eines Semesters in Wocheneinheiten zu planen und Lernpakete zu schnüren, die die Theorie, aber auch die praktische Anwendung in Form von Fällen beinhalten. "Solch ein Stundenplan kann aussehen wie in der Schule", so Becks Tipp. Es gibt Zeiten für Vorlesungen, Zeiten fürs Lernen zu Hause, Zeiten für Arbeitsgruppen und auch Freizeiten zu beachten.

Die Notizen im Zeitplan sollten so genau wie möglich sein. Also nicht nur "Lernen für BGB AT", sondern präzise, welche Einheit zum BGB AT an dem Tag gelernt werden soll "Wer sich kontinuierlich über das ganze Studium an seine Lernpläne hält, behält den Überblick über das große Ganze und verzettelt sich nicht", sagt die Studienberaterin. 

Was in solch einem Stundenplan nicht fehlen darf, sind natürlich Zeitfenster für die Freizeit. "Mehr als fünf bis sieben Stunden am Stück zuzüglich Pausen kann niemand konzentriert arbeiten", ist Kraatz überzeugt. Er und Beck plädieren dafür, sich mindestens einen oder besser zwei Tage in der Woche freizunehmen. "Der Sonntag – oder ein anderer fester Tag in der Woche – sollte heilig sein", sagt die Studienberaterin.

Auch ein oder zwei Wochen Urlaub in der vorlesungsfreien Zeit hält sie für sinnvoll. "Pausen und persönliche Auszeiten sind wichtig, um motiviert und fokussiert alle Etappen des Jurastudiums bis hin zum Examen bezwingen zu können." Neben den Freizeitphasen sollte der Stundenplan auch Raum für spontane Zwischenfälle beinhalten. "Wer seinen Wochenplan überfrachtet, wird am Ende nur frustriert sein, wenn etwas Unvorhergesehenes wie zum Beispiel ein Krankheitstag dazwischenkommt", sagt Beck.

Zu eng getaktete Zeitpläne können durch solche Zwischenfälle sehr schnell in sich zusammenbrechen. Studierende, die neben dem Studium auch noch arbeiten müssen, um Geld zu verdienen, müssen natürlich auch diese Stunden in ihrem Zeitplan berücksichtigen. 

Manche brauchen den Druck vor dem Examen dann doch 

Natürlich lernt jeder anders und muss seinen persönlichen Weg finden. Manche Jurastudierenden brauchen tatsächlich den Druck, um zu Höchstformen aufzulaufen. Diese Erfahrung hat Rechtsanwalt Dominik Herzog gemacht. "Die ersten fünf Semester war ich nicht sonderlich fokussiert. Erst für die Examensvorbereitung habe ich mich zusammengerissen und von morgens bis abends in der Bibliothek gesessen", berichtet der heutige Kanzleiinhaber.

Samstagnachmittag und den Sonntag hatte er frei - jedenfalls bis das Angebot eines Theaters kam, in einem interessanten Stück die Hauptrolle zu übernehmen. "Anfangs habe ich mich gesträubt, denn ich wollte mich ja voll auf die Examensvorbereitung konzentrieren", erinnert sich Herzog. Doch dann ließ er sich überreden und opferte seine Freizeit den Theaterproben.

"Was mich anfangs skeptisch machte, entpuppte sich schließlich als Glücksgriff", sagt der Anwalt. "Denn die Zeit am Theater brachte mich auf gänzlich andere Gedanken und verschaffte mir einen Motivationskick. Die Proben waren körperlich anstrengend, aber ich kam während der Zeit aus dem Kreis frustrierter Juristen heraus, die nichts anderes als Lernen im Kopf hatten." Weil er wusste, dass ihm nur fünf Tage zum Lernen blieben, hat er sich unter der Woche umso mehr auf die Examensvorbereitung konzentriert – mit Erfolg: Er schloss sein Studium mit Prädikatsexamen ab.  

Sein Tipp für alle Jurastudierenden, ob sie sich nun von Anfang an Lernpläne zurechtlegen oder erst vor dem Examen richtig loslegen: "Sucht Euch ein Hobby, das Euch körperlich oder intellektuell fordert und das Euch nicht über Jura nachdenken lässt."

© LTO. Weitere Artikel zum Thema bietet die Rubrik "Jurastudium" von Legal Tribune ONLINE.

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