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"Studierende sind nicht die optimalen Mieter"

Frau Wohnung Allein [Quelle: Unsplash.com, Autor: Anthony Tran]

Quelle: Unsplash.com, Anthony Tran

Nebenjob: weggebrochen, Mieten: gestiegen. Der Ökonom Michael Voigtländer erklärt, wieso die Lage von Studierenden auf dem Wohnungsmarkt prekär ist.

In fast allen Hochschulstädten sind in diesem Jahr die Mieten gestiegen. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die sich mit der Lage von Studierenden auf dem Wohnungsmarkt beschäftigt. Welche Auswirkungen das auf das Leben vieler Studierenden hat, erklärt Michael Voigtländer, Ökonom und Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Er ist Mitverfasser des MLP "Studentenwohnreport 2020".

Der Studentenwohnreport 2020, eine aktuelle Studie zu der prekären Situation von Studierenden auf dem Wohnungsmarkt, hat ergeben, dass in fast allen Hochschulstädten die Mietpreise gestiegen sind. Warum ist das so?

Michael Voigtländer: Es existiert eine starke Konkurrenzsituation auf vielen Wohnungsmärkten. Viele junge Erwerbstätige drängen in den Wohnungsmarkt, die Großstädte wachsen und gleichzeitig fehlt es überall an Wohnraum. Besonders im günstigen Wohnungssegment wird die Konkurrenz immer größer und es wird eng für Studierende.

Weshalb?

Studierende konkurrieren mit vielen anderen Gruppen um die günstigen Wohnungen. Auch durch Corona hat sich diese Situation verschärft. Manche Menschen mussten sich durch den Verlust ihres Jobs, Kurzarbeit oder Ähnliches wohnungstechnisch verkleinern. Sie bewerben sich nun auf dieselben Wohnungen wie Studierende.

Haben Studierende dadurch automatisch schlechtere Chancen auf eine Wohnung?

Ja, auf jeden Fall. Studierende sind nicht die optimalen Mieter. Denn sie haben selten ein geregeltes Einkommen und mieten meist nur auf kurze Zeit, ziehen für ein Praktikum oder nach dem Abschluss weg. Die Fluktuation und Unsicherheit ist für einen Vermieter viel größer als bei einem Verdiener-Paar, einem Single oder einer Familie.

Viele Studierende haben durch Corona ihren Nebenjob verloren. Die Mieten werden teurer und das Geld knapper.

Das ist ein Problem. Auch das BAföG reicht bei Weitem nicht aus, denn der darin enthaltene Wohnzuschlag von 325 Euro pro Monat deckt in fast keinem der untersuchten 30 Standorte die Miete einer studentischen Musterwohnung ab, mit der wir die Mieten vergleichen. Lediglich in Magdeburg, Leipzig und Aachen kann sich ein Student von diesem Geld eine Wohnung leisten. In München würde diese finanzielle Unterstützung umgerechnet nur für eine Wohnung mit 15 Quadratmetern zur Kaltmiete reichen. Das ist natürlich unrealistisch.

Was ist eine studentische Musterwohnung?

Das ist eine Vergleichsgröße. Wir arbeiten mit dem sogenannten Studentenwohnpreisindex. Dieser Index beinhaltet alle Wohnungen, die im Umfeld der Hochschule liegen und eine einfache bis mittlere Ausstattung haben. Um jedoch noch mehr Vergleichbarkeit zu schaffen, gehen wir von einer sogenannten studentischen Musterwohnung aus. Die liegt zwei Bahnstationen von der Hochschule entfernt, hat ebenfalls eine einfache bis mittlere Ausstattung und ist 30 qm groß. 

Am teuersten sind diese Art von Wohnungen in München mit 724 Euro und in Stuttgart mit 562 Euro – in Berlin hingegen sind es nur 446 Euro. Warum unterscheiden sich die Preise in diesen drei Großstädten so massiv? 

München und Stuttgart liegen in Süddeutschland. Hier ist der Wohnungsmarkt noch mal angespannter als im Norden oder Osten. In Süddeutschland stiegen die Mieten in den letzten Jahren schneller als die Löhne, was besonders den Andrang auf günstigere Wohnungen verstärkt hat. Dazu kommt, dass diese Städte Pendler-Städte sind. Das bedeutet wieder: mehr Konkurrenz für Studierende. Berlin ist ein Spezialfall. Hier gab es zwar auch eine massive Preissteigerung in den letzten Jahren, aber die Berliner Wohnungspreise starteten auf einem sehr niedrigen Niveau. Weiter wirft der Mietendeckel gerade einen Schatten auf den Markt. Viele Vermieter sind angesichts der neuen Regulierung vorsichtig – schließlich müssen die Mieten gesenkt werden, wenn sie als besonders hoch gelten, daher haben manche Vermieter die inserierte Miete etwas gesenkt.

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