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Wo Kaeser & Co. studiert haben

Quelle: unsplash.com, Razvan Chisu

Die Biographien der Dax-30-Vorstände zeigen: Elitäre Kaderschmieden spielen in Deutschland eine geringere Rolle als anderswo.

Deutsche Spitzenmanager mögen es bodenständig. Während sich in Frankreich, Amerika und Großbritannien in den Chefetagen die Absolventen einschlägig bekannter Elite-Universitäten tummeln, treffen sich in deutschen Vorstandsgremien vornehmlich Absolventen staatlicher Universitäten aus München, Aachen, Karlsruhe und Hannover. "Die Studienorte der deutschen Spitzenmanager streuen sich über das ganze Land", sagt der Headhunter Michael Proft von der Personalberatung Odgers Berndtson. Noch immer scheint zu gelten: Ein klangvoller Uni-Name kann zwar beim Berufseinstieg behilflich sein, doch nach einigen Jahren fragt kaum noch jemand, wo die Kandidaten ihre Abschlüsse erworben haben. "Wir haben in Deutschland keine wirklichen Elite-Universitäten", sagt Proft.

Sein Unternehmen hat die Lebensläufe der 190 Vorstände der 30 Dax-Unternehmen genauer untersucht. Tatsächlich haben die deutschen Spitzenmanager an Universitäten quer durch die Republik studiert, "vornehmlich jedoch im südwestdeutschen Raum, allen voran in München", heißt es in der Untersuchung. Doch selbst dort hält sich die Ballung in Grenzen. In der bayerischen Hauptstadt haben zwar immerhin 9 der 190 Vorstandsmitglieder studiert, sechs davon an der Ludwig-Maximilians-Universität, drei an der Technischen Universität, doch die beiden Münchener Universitäten zählen mit rund 50.000 (LMU) und 40.000 (TU) Studierenden ohnehin zu den größten Universitäten in Deutschland. Die Zahlen überraschen daher kaum, zumal eine Reihe anderer Universitäten ähnlich viele Spitzenmanager hervorgebracht haben.

So kommen sechs amtierende Dax-Vorstände von der Universität Karlsruhe; an der RWTH Aachen und der Universität Hannover haben jeweils fünf amtierende Dax-Vorstände studiert. Die beiden Berliner Universitäten kommen laut der Auszählung der Personalberater dagegen auf keine bedeutende Zahl amtierender Vorstände im Dax, wobei die TU Berlin noch vor der Humboldt-Uni liegt. Insgesamt haben mehr Dax-Vorstände in Paris und Wien studiert als in Berlin. Überhaupt sind Absolventen ostdeutscher Unis an der Spitze deutscher Großunternehmen bislang kaum vertreten. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die Henkel-Managerin Kathrin Menges, die noch zu DDR-Zeiten in Potsdam zur Lehrerin ausgebildet wurde, und die Börsen-Managerin Hauke Stars, die nach der Wende in Magdeburg Informatik studiert hat.

Die heutigen Vorstände – meist aus den Geburtsjahrgängen der Sechziger- und Siebzigerjahre – seien fast alle noch den alten Weg gegangen mit dem klassischen Diplom-Abschluss an einer staatlichen Uni, sagt Proft. Heute hätten daneben auch einige private Wirtschaftsuniversitäten ihren Platz gefunden – etwa die "Frankfurt School of Finance" oder die WHU in Vallendar, doch spielten sie insgesamt eher eine untergeordnete Rolle.

Auch Fachhochschulen spielen fast keine Rolle für den Führungsnachwuchs im deutschen Spitzenmanagement. Zu den wenigen Ausnahmen gehört Siemens-Chef Joe Kaeser. Der Sohn eines Fabrikarbeiters im Bayerischen Wald studierte Ende der Siebzigerjahre an der Fachhochschule Regensburg Betriebswirtschaftslehre, bevor er 1980 seine Karriere bei Siemens begann. Er blieb sein ganzes Berufsleben dem Konzern treu und stieg 2013 schließlich zum Vorstandsvorsitzenden auf.

Headhunter Proft wertet die Vielfalt der Studienorte deutscher Manager als durchaus positiv: "Wir sind in Deutschland ganz gut unterwegs", sagt Proft, in der breiten Streuung spiegele sich vor allem die föderale Struktur des Landes: Die Qualitätsunterschiede zwischen den Universitäten seien hierzulande geringer als in anderen Ländern. Dort konzentrierten sich auch die Fördergelder oft auf einige wenige Spitzenuniversitäten. "Wir haben kein Harvard und kein Princeton, aber das Bildungsniveau in Deutschland ist im Schnitt besser als in Amerika", sagt Proft.

F.A.Z-Grafik

Betrachtet man allerdings nur die 30 Vorstandsvorsitzenden, liegt doch eine deutsche Universität deutlich vor den anderen: die RWTH Aachen als größte deutsche Uni für technische Studiengänge. Immerhin fünf ehemalige Studenten aus Aachen stehen derzeit an der obersten Spitze eines Dax-Konzerns: Der Bäckerssohn Werner Baumann hat es nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Aachen auf den Chefsessel von Bayer geschafft. Markus Steilemann, dessen Vater ein kleines Textilunternehmen betrieb, studierte in Aachen Technische Chemie, promovierte dort auch und erwarb sich zudem noch ein Diplom in Betriebswirtschaftslehre. Seit dem vergangenen Jahr führt er den Kunststoffhersteller Covestro. Drei Ingenieure aus Aachen haben es ebenfalls ganz nach oben gebracht: BMW-Chef Harald Krüger, RWE-Chef Rolf Schmitz und Vonovia-Chef Rolf Buch.

Die Universitäten Köln und Karlsruhe sowie die LMU München haben jeweils drei Vorstandsvorsitzende hervorgebracht. In Köln studierte etwa Allianz-Chef Oliver Bäte BWL, bevor er später seine Berufskarriere als Unternehmensberater bei McKinsey begann. In Karlsruhe studierte neben Daimler-Chef Dieter Zetsche und Lufthansa-Chef Carsten Spohr auch BASF-Chef Martin Brudermüller, dessen Vater in Karlsruhe Kernphysiker war.

Die Uni Freiburg kommt mit Bernd Scheifele (Heidelberg Cement) und Johannes Teyssen (Eon) immerhin noch auf zwei Dax-Vorstandsvorsitzende. Beide sind promovierte Juristen und damit inzwischen eine Seltenheit unter den deutschen Spitzenmanagern. Tatsächlich sind die beiden die letzten verbliebenen ihrer Art, mehr Juristen gibt es gar nicht mehr an der Spitze der Dax-Konzerne. Das war früher ganz anders: Anfang der Neunzigerjahre war noch fast jeder dritte deutsche Vorstandschef Jurist. Doch Juristen sind in den deutschen Chefetagen seit Jahren auf dem Rückzug. Heute beherrschen Ökonomen die Top-Positionen – deutlich mehr als die Hälfte der Dax-Vorstände haben Wirtschaftswissenschaften studiert.

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