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Wann muss die Entscheidung fallen?

Wann muss die Entscheidung fallen?

So rasch wie möglich. Damit die Hochschulen von Schleswig-Holstein bis zu den Alpen und alle Studierenden wissen, woran sie sind. Die Studierenden wollen verständlicherweise wissen, wie es weitergeht. Viele haben auch große finanzielle Probleme, ihre Jobs sind massenhaft weggebrochen, und etliche Eltern erleiden Verdienstausfälle oder sind gar von Arbeitslosigkeit bedroht. Auch deshalb ist die Verschiebung angezeigt. Denn viele können gerade gar nicht studieren, weil sie finanziell in der Luft hängen. Der Bund hat dankenswerterweise klargestellt, dass das Bafög auch fließt, wenn das Studium nicht läuft. Aber das reicht nicht. Der Bund sollte am besten direkt die Laufzeit des Bafögs um ein Semester verlängern. Da er das Geld seit einiger Zeit ohnehin allein aufbringt, braucht er für diese Ausnahmeentscheidung auch die Länder nicht. Aber nur rund ein Viertel der Studenten bekommt überhaupt Bafög. Deshalb wäre es gut, wenn die Bundesregierung eine Art Arbeitslosengeld oder eine Grundsicherung für Studierende einführt. Wir können die große Masse nicht sich selbst überlassen, sie müssen schließlich weiter wohnen und essen.

Sollten sich die Länder auf eine Verschiebung einigen – dann passiert bis Juni gar nichts in der Lehre?

Nein. Natürlich sollen und müssen alle, die es können, Onlinekurse und andere digitale Formate anbieten. Und die Studierenden sollen natürlich schon möglichst viel lernen und lesen. Aber in den großen experimentellen Fächern, in den Ingenieurdisziplinen, den Naturwissenschaften und der Medizin, geht das eben kaum. Das System benötigt eine Gesamtabstimmung. Es kann nicht sein, dass eine Fakultät die Lehre zu 100 Prozent anbietet, die andere zu 30 und eine dritte zu 70 Prozent. Das führt ins Chaos. Deshalb können wir erst dann verbindlich für alle starten, wenn wir wieder in einer stabilen Lage sind. Zudem können wir die Zeit auch für die Prüfungen nutzen, die bisher wegen Corona noch gar nicht stattgefunden haben.

Sehen Sie das Ganze wenigstens als Chance für die Digitalisierung der Hochschulen?

Natürlich ist das auch eine Chance. Vieles wird jetzt schon ermöglicht und wir könnten die gewonnene Zeit zusätzlich nutzen, um zu sehen, wo wir die Probleme gut bewältigen. Das Hochschulsystem kann enorm dazulernen, auch wenn es erst einmal ruckelig läuft. In den nächsten Jahren können wir dann von unseren aktuellen Erfahrungen für den Normallbetrieb profitieren.

Und wenn der Shutdown Ende Mai noch nicht beendet ist? Oder im Herbst erneut verhängt wird, weil die Zahlen wieder steigen?

Dann müssen wir neu entscheiden. Aber jetzt müssen wir organisatorisch erst einmal "vor die Lage" kommen, wie das beim Militär heißt, statt der Situation hinterherzulaufen.

Teilweise haben bis zu 80 Prozent der Hochschulbeschäftigten befristete Verträge – was passiert mit denen?

Die meisten von ihnen werden nicht über unsere Grundfinanzierung, sondern über Drittmittelprojekte bezahlt. Da brauchen wir natürlich eine Verlängerung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, unser größter Drittmittelgeber, hat das schon in Aussicht gestellt. Aber wenn die DFG dann nicht massenhaft andere Forschungsprojekte streichen will – was ein großer Schaden für die Forschung insgesamt wäre –, benötigt sie einmalig ein größeres Budget.

Und die Aufträge der Wirtschaft?

Das ist das größte Problem. Meine Kollegen aus den Ingenieurfächern berichten, dass für ihre Partner aus der Industrie eine Verlängerung nicht selbstverständlich ist. Die wollen, dass geliefert wird, sonst dreht man den Geldhahn zu, das ist ziemlich brutal. Ich appelliere daher an die Unternehmen: Brechen Sie die Projekte mit den Hochschulen nicht ab, geben Sie uns mehr Zeit.

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