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"Wir müssen das Semester verschieben"

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Der Hochschulrektorenpräsident fordert von den Ländern eine abgestimmte Strategie für das Studium.

André Alt hat den Shutdown aus der Ferne erlebt, er kehrte erst vor wenigen Tagen aus Dubai zurück – wegen ausgefallener Flüge in einer 24-Stunden-Tour mit Flug, Bus und Bahn. Nun steht der Rektorenpräsident vor der größten Herausforderung für die Hochschulen seit dem Krieg.

Herr Alt, die Hochschulen sind im Chaos-Modus: Die einen haben verlängerte Ferien, andere die Frühjahrsprüfungen noch nicht beendet. Die Erfolge mit der Onlinelehre sind extrem unterschiedlich. Es geht drunter und drüber ...

André Alt: Chaos würde ich nicht sagen, aber natürlich ist die Lage extrem dynamisch. Das liegt vor allem daran, dass wir nur zum Teil ländereinheitliche Regeln haben und jede Hochschule zunächst für sich versucht – je nach Ausstattung, Fächerspektrum und Terminen – mit der Situation zurechtzukommen.

Wissenschaftler und Studenten fordern ein "Nicht-Semester" im Sommer – die Lehre soll so weit wie möglich stattfinden, aber das Semester nicht zählen. Ist das die Lösung?

Nein, mich überzeugt das nicht. Der Aufruf stammt zu großen Teilen von Geisteswissenschaftlern, die doch manche Teile der Lehre viel leichter online organisieren können. Dagegen müssen Ingenieure und Naturwissenschaftler auch in Laboren und Werkstätten arbeiten, was größere Probleme für eine digitale Lehre aufwirft. Eine Nicht-Anerkennung des Semesters bedeutete zudem für viele Studierende und Nachwuchswissenschaftler große Nachteile.

Das Semester hat noch gar nicht angefangen, und Sie wollen schon jetzt die Waffen strecken?

Keineswegs, wir müssen die Digitalisierungsoption voll nutzen und ein gültiges Semester anbieten. Aber es ist schon jetzt klar, dass wir das Semester trotzdem nicht flächendeckend wie gehabt durchziehen können – also müsste es dann auf jeden Fall Nachholstunden, verzögerte Prüfungen etc. geben. Wir brauchen eine saubere Lösung, die allen Studierenden gerecht wird, von denen viele auch in einer sozial prekären Lage sind.

Wie soll die aussehen?

Wir sollten den Beginn oder die Fortsetzung des Sommersemesters nach hinten schieben und deutschlandweit etwas später starten – natürlich nur, wenn der Shutdown bis dahin aufgehoben ist. Danach organisieren wir eine möglichst komplette Vorlesungszeit, die später als üblich endet. Das Wintersemester würde dann ebenfalls etwas zeitversetzt, beispielsweise ab 1. oder 15. November beginnen. So könnten wir im Sommersemester 2021 wieder in den Normalmodus zurückehren. Dabei müssen diese Fristen auf jeden Fall zwischen den Hochschulen und den Ländern abgestimmt werden.

Was hätte das für einen Vorteil?

Wir könnten den Lehrbetrieb quasi normal abhalten – und so auch bundesweit Rücksicht auf die in vielen Ländern verspäteten Abiturprüfungen nehmen. Die Frist für die Einreichung der Unterlagen für das Wintersemester würden wir dann nach hinten verschieben – das Verfahren haben wir mit der Stiftung für Hochschulzulassung schon einmal im Probemodus durchgespielt.

Aber Bayern und die niedersächsischen Hochschulen haben schon angekündigt, dass sie mit voller Kraft digital ins Semester starten ...

Das ist gut, muss aber realistisch umgesetzt werden, und das sehen viele andere Länder auch so. Ich appelliere daher an die Wissenschaftsminister, dass sie sich, abgestimmt mit den Hochschulen, auf ein gemeinsames Vorgehen einigen und das Sommersemester koordiniert verschieben. Es darf nicht passieren, dass hier jedes Land sein eigenes Reglement durchzieht.

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