Partner von:

Revolution!

Bibliothek, Universität, Akademiker [Quelle: unsplash.com, Autor: Alex Block]

Quelle: unsplash.com, Alex Block

Der wissenschaftliche Nachwuchs darbt, schuld ist das System! Sechs Ideen zur Veränderung der Uni, von der Abschaffung der Lehrstühle bis zur Entfristung für alle.

Abschaffung der Lehrstühle!

Die Idee:
Mächtige Lehrstuhlinhaber versammeln an deutschen Unis ein Heer an Mitarbeitern; sie entscheiden über die Karrieren ihrer Doktoranden und Postdocs, die ewig junger "Nachwuchs" bleiben. Der Gegenentwurf heißt: Departmentstruktur. Hier ist niemand einem einzelnen Professor verpflichtet, schon junge Wissenschaftler bekommen eine Professur und können eigenständig arbeiten. Sekretariate und Forschungsgeräte werden geteilt.

Pro:
Bei der Arbeit in Departments gewinnen nicht nur junge Forscher an Freiheit, auch Professoren profitieren. Sie können lästige Managementtätigkeiten an die Departmentverwaltung delegieren. Ein Kollateralnutzen für die Forschungs- und Lehrqualität der gesamten Universität!

Contra:
Im internationalen Wettbewerb um die Spitzen der Wissenschaft ist das deutsche Lehrstuhlprinzip gerade deshalb ein Trumpf, weil es sonst keiner hat. Wer sich als akademischer Sonnenkönig nach einem eigenen Hofstaat sehnt, bekommt ihn in Deutschland frei Haus.

Kostenpunkt:
Null. Wenn sich Professoren in einem Department die Infrastruktur teilen, bleibt vielleicht sogar Geld für neue Projekte übrig.

Umsturzfaktor:
Hoch. Rio Reiser wäre stolz: "Macht kaputt, was euch kaputt macht!"

Mitspracherechte für die Jungen!

Die Idee:
Ohne Doktoranden keine Uni. Als billige Arbeitskräfte machen sie Drittmittelprojekte möglich und stemmen einen guten Teil der Lehre. Trotzdem haben Promovierende im wichtigsten Entscheidungsgremium der Hochschule, dem Senat, keine Stimme – außer in Baden-Württemberg. Seit diesem Frühjahr dürfen Promovenden im Südwesten mitentscheiden. So sollte es überall sein.

Pro:
Gremien der akademischen Selbstverwaltung müssen den Diskurs pflegen, Bestehendes hinterfragen und Neues wagen. Wie verteilt die Universität ihr Geld? Was ist ihr in der Lehre wichtig, welche Anreize sollen in der Forschung und der Nachwuchsförderung gelten? Doktoranden mit eigenem Stimmrecht sind ein Jungbrunnen – nicht nur für verschnarchte Senate.

Contra:
Die Fluktuation der Jungen ist hoch; der Senat braucht die Kontinuität der alten Hasen. Denn die Fliehkräfte sind enorm: Publikations- und Drittmittel-Druck, Exzellenzstrategie, Internationalisierung, Digitalisierung – da müssen Hochschulen ihre Kräfte bündeln. Nur so können sie die wirklich wichtigen Zukunftsfragen lösen.

Kostenpunkt:
Euro: null. Symbolische Kosten: hoch. Jedenfalls für die Profs, die Stimmgewalt einbüßen würden.

Umsturzfaktor:
Mittel. Bundesländer, hört die Signale!

Entfristung für alle!

Die Idee:
Deutschlands Universitäten haben eine offene Flanke: Neun von zehn Wissenschaftlern unter 45 Jahren stecken in Zeitverträgen – ohne Aussicht auf eine Dauerstelle. Die flächendeckende Entfristung macht Hochschulen als Arbeitgeber attraktiv und Deutschland zum Eldorado für Talente.

Pro:
Mit der Nachwuchsförderung gehen Hochschulen eine Verpflichtung gegenüber ihren Doktoranden und Postdocs ein. Planbare Karrieren und gute Arbeitsbedingungen zeigen, dass die Unis genau das begriffen haben. Das steigert die Motivation der Beschäftigten: Sie werden bis zur Rente dankbar sein.

Contra:
Die Wissenschaft lebt von der Bestenauslese. Ohne sie gibt es keine Spitzenleistung. Vor allem bringt die kontinuierliche Fluktuation auf den Stellen Generationengerechtigkeit. Alle zu entfristen hieße: eine Verstopfung des Systems über Jahrzehnte.

Kostenpunkt:
Schwer zu prognostizieren. Man müsste auch Tarifsteigerungen und Rentenansprüche einpreisen. Laut der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft würden die Kosten für eine W1-Professur mit einer Hilfskraft von aktuell 134.000 auf 177.000 Euro im Jahr 2025 steigen – ohne Pensionskosten.

Umsturzfaktor:
Hoch, aber Achtung: Es wird eine Revolution der Alten und immer Älteren…

nach oben

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren