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Pleiten, Pech und Praktikum

Peinlich Scham Schämen [Quelle: Unsplash.com, Autor: alexagorn]

Quelle: Unsplash.com, alexagorn

Praktikum bedeutet nicht nur Kaffee kochen und Kopierer kapern: Manchmal warten auf die professionellen Fettnäpfchentreter auch ganz andere Herausforderungen, und damit allerlei Potenzial für fatale Fauxpas. Fünf e-fellows haben ihrer Rolle als unbeholfene Neulinge alle Ehre gemacht – und ihre Schandtaten mit der Welt geteilt.

Den Tastsinn testen

Praktikum in der Bank, volles Haus, reger Betrieb. Keiner der Mitarbeiter hatte Zeit, sich um mich zu kümmern, und so saß ich alleine am Schreibtisch und übte mich im Zeit Totschlagen. Gedankenverloren ertasteten meine Finger einen kleinen Knopf unter dem Tisch. Ich war neugierig: Vielleicht kann man so den Tisch verstellen? *push* Nichts passiert. *pushpushpush* Wieder nichts. Wahrscheinlich kaputt, dachte ich mir.

Die Funktion des Knopfes wurde mir wenige Minuten später schlagartig klar, als zwei Polizisten in die Bank stürmten. Mit ihren Pistolen im Anschlag musterten sie angespannt den Vorraum der Bank. Die Blicke wanderten schnell zu mir: "Der Praktikant war's."

Ärger gab's aber keinen.

"Du kommst hier nicht rein!"

Mein erster Tag im Praktikum bei einem großen Kulturzentrum in Spanien. Eine Riesenveranstaltung mit einem Literaturnobelpreisträger stand auf dem Programm – und es kamen viel mehr Leute als erwartet. Deshalb teilte man mich zusammen mit einem kräftigen Security-Mann für die Tür ein. Unser Auftrag: Niemanden mehr rein lassen. Mit meinem schrankförmigen und spanischsprachigen Kollegen an der Seite würde das ein Kinderspiel, dachte ich mir. Plötzlich surrte das Funkgerät und er verabschiedete sich hektisch zum Haupteingang. Hilfe!

Da stand ich nun: allein, eingeschüchtert und mit der Sprache überfordert. Ich tat mein Bestes und wies mit meinem gebrochenen Spanisch alle ab, die auf den Eingang zukamen – bis zwei Anzugträger vor mir standen. Der eine öffnete grimmig sein Jackett, zeigte mir seine Waffe und eine Marke. Zum Entsetzen der Anzugträger wiederholte ich ahnungslos mein freundlich-naives "Adios": "Du willst den Minister abweisen?!"

Das Missverständnis löste sich zum Glück durch meinen heraneilenden Kollegen. Natürlich waren für den spanischen Minister für Bildung, Kultur und Sport und seinen Bodyguard vorne in der ersten Reihe zwei Plätze reserviert, und alle anderen Mitarbeiter wussten natürlich, dass dieser Ehrengast kommen würde. Alle anderen erkannten auch das Gesicht des Ministers. Nur ich, die deutsche Praktikantin, nicht.

Bis auf den grimmigen Bodyguard hat mir das aber niemand übelgenommen. Während des Praktikums habe ich auch andere spanische Berühmtheiten getroffen, deren Gesichter ich wenigstens erkannte, wie Pedro Almodóvar und Penélope Cruz.

Singen Anwälte?

Stalkende Praktikanten

Pflegepraktikum, erster Tag. Nachdem ich meine neuen Kollegen kennengelernt hatte, suchte ich einige von ihnen auf Facebook – Neugier 2.0. Ich scrollte durch die Profile: Plötzlich kannte ich den Hund meines Chefs, den Wohnort meines Kollegen und wusste auch, wann die Rezeptionistin Geburtstag hatte. Freundschaftsanfragen verschickte ich aber nicht, ist ja auch peinlich.

Mit einem Pfleger verstand ich mich schon nach wenigen Tagen richtig gut. Wir redeten über dies und jenes. Ich vergaß dabei, was er mir erzählt hatte und was ich aus seinem Zuckerbergschen Profil wusste. Er sah mich ziemlich irritiert an, als ich anfing, von seinem Heimatort und seiner Familie zu reden. Ich wusste bestens Bescheid – und versank im Boden.

Pumpen für Fortgeschrittene

Vor ein paar Jahren habe ich ein Praktikum auf der gynäkologischen Station im Krankenhaus gemacht. Das bedeutete: ganz, ganz viele Babys! Damit die schreienden Milchtrinker stets gut versorgt werden, pumpen viele Mütter die Muttermilch in kleine Flaschen ab – so wird auch Milchstau vermieden. Viele Mütter haben immer einen kleinen Vorrat an Fläschchen parat. So auch eine Mutter, die mein Praktikumsopfer werden sollte.

Kurz vor ihrer Entlassung bat sie mich, noch ein Fläschchen für den Nachwuchs aufzuwärmen. Sie war froh, dass sie nur noch selten füttern musste, und freute sich schon auf ihre Entlassung. Gute Laune also. Von ihrer Freude angesteckt marschierte ich munter los, um die Muttermilch in der Mikrowelle leicht zu erwärmen.

Ich stellte das Fläschchen in den Möchtegern-Ofen und wartete. Plötzlich tat es einen Knall: Die Flasche war explodiert, die Mikrowellentür aufgesprengt und das ganze Zimmer voller Muttermilch – mich eingeschlossen. Eine Mordssauerei! Mit gesenktem Kopf (und noch etwas bedröppelt) marschierte ich zurück zur Mutter und erzählte ihr, dass ich die Muttermilch nicht finden konnte. Entweder war es die bevorstehende Entlassung oder der Wonneproppen in ihren Armen, der sich an ihre Brust presste, denn sie blieb ruhig.

Müsste ich ihr heute noch einmal erklären, wo die Milch geblieben ist, wäre ich ehrlich: "Verzeihung, Ihre Muttermilch ist explodiert!"

Lex Cantate, oder: Singen Anwälte?

Ja, auch eine Großkanzlei kann ausgelassen feiern, zum Beispiel beim Sommerfest. Als der Abend nach zahlreichen Gersten- und Traubensäften zu Ende ging, sollten wir mit dem Bus abgeholt werden.

Ich komme vom Dorf, und die Busfahrt muss innere Instinkte geweckt haben: Wenn wir betrunken mit dem Bus vom Jahrmarkt abgeholt wurden, sangen wir immer "Ein Hoch auf unseren Busfahrer, Busfahrer, Busfahrer ...". Das war eigentlich immer lustig, vor allem wenn der ganze Bus mitschunkelt. Wieso sollte das unter Juristen anders sein? Ich hoffte auf dieselben Instinkte in meinen Kollegen. Ich stiftete eine Referendarin an, mitzumachen und dachte, die Anwälte würden dann sicher auch einsteigen.

Ich stand auf, räusperte mich und begann lautstark: "Ein Hoch auf unseren Busfahrer …" Die Referendarin blieb stumm. Die Anwälte drehten sich irritiert um. Mist! Betrunken-elegant plumpste ich peinlich berührt wieder auf meinen Sitz und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Zum Glück wurde der Vorfall nie Thema in der Mittagspause.

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