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Singen Anwälte?

Stalkende Praktikanten

Pflegepraktikum, erster Tag. Nachdem ich meine neuen Kollegen kennengelernt hatte, suchte ich einige von ihnen auf Facebook – Neugier 2.0. Ich scrollte durch die Profile: Plötzlich kannte ich den Hund meines Chefs, den Wohnort meines Kollegen und wusste auch, wann die Rezeptionistin Geburtstag hatte. Freundschaftsanfragen verschickte ich aber nicht, ist ja auch peinlich.

Mit einem Pfleger verstand ich mich schon nach wenigen Tagen richtig gut. Wir redeten über dies und jenes. Ich vergaß dabei, was er mir erzählt hatte und was ich aus seinem Zuckerbergschen Profil wusste. Er sah mich ziemlich irritiert an, als ich anfing, von seinem Heimatort und seiner Familie zu reden. Ich wusste bestens Bescheid – und versank im Boden.

Pumpen für Fortgeschrittene

Vor ein paar Jahren habe ich ein Praktikum auf der gynäkologischen Station im Krankenhaus gemacht. Das bedeutete: ganz, ganz viele Babys! Damit die schreienden Milchtrinker stets gut versorgt werden, pumpen viele Mütter die Muttermilch in kleine Flaschen ab – so wird auch Milchstau vermieden. Viele Mütter haben immer einen kleinen Vorrat an Fläschchen parat. So auch eine Mutter, die mein Praktikumsopfer werden sollte.

Kurz vor ihrer Entlassung bat sie mich, noch ein Fläschchen für den Nachwuchs aufzuwärmen. Sie war froh, dass sie nur noch selten füttern musste, und freute sich schon auf ihre Entlassung. Gute Laune also. Von ihrer Freude angesteckt marschierte ich munter los, um die Muttermilch in der Mikrowelle leicht zu erwärmen.

Ich stellte das Fläschchen in den Möchtegern-Ofen und wartete. Plötzlich tat es einen Knall: Die Flasche war explodiert, die Mikrowellentür aufgesprengt und das ganze Zimmer voller Muttermilch – mich eingeschlossen. Eine Mordssauerei! Mit gesenktem Kopf (und noch etwas bedröppelt) marschierte ich zurück zur Mutter und erzählte ihr, dass ich die Muttermilch nicht finden konnte. Entweder war es die bevorstehende Entlassung oder der Wonneproppen in ihren Armen, der sich an ihre Brust presste, denn sie blieb ruhig.

Müsste ich ihr heute noch einmal erklären, wo die Milch geblieben ist, wäre ich ehrlich: "Verzeihung, Ihre Muttermilch ist explodiert!"

Lex Cantate, oder: Singen Anwälte?

Ja, auch eine Großkanzlei kann ausgelassen feiern, zum Beispiel beim Sommerfest. Als der Abend nach zahlreichen Gersten- und Traubensäften zu Ende ging, sollten wir mit dem Bus abgeholt werden.

Ich komme vom Dorf, und die Busfahrt muss innere Instinkte geweckt haben: Wenn wir betrunken mit dem Bus vom Jahrmarkt abgeholt wurden, sangen wir immer "Ein Hoch auf unseren Busfahrer, Busfahrer, Busfahrer ...". Das war eigentlich immer lustig, vor allem wenn der ganze Bus mitschunkelt. Wieso sollte das unter Juristen anders sein? Ich hoffte auf dieselben Instinkte in meinen Kollegen. Ich stiftete eine Referendarin an, mitzumachen und dachte, die Anwälte würden dann sicher auch einsteigen.

Ich stand auf, räusperte mich und begann lautstark: "Ein Hoch auf unseren Busfahrer …" Die Referendarin blieb stumm. Die Anwälte drehten sich irritiert um. Mist! Betrunken-elegant plumpste ich peinlich berührt wieder auf meinen Sitz und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Zum Glück wurde der Vorfall nie Thema in der Mittagspause.

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