Partner von:

Personalprobleme belasten die Hochschulen

Mentoring, Mentor, Mentee, Coaching [Quelle: tempus corporate, Getty Images]

Quelle: tempus corporate, Getty Images

Professoren betreuen heute im Schnitt 72 Studierende – vor zehn Jahren waren es nur 63.

Die deutschen Hochschulen blicken optimistisch in die Zukunft, weil sie sich im weltweiten Konkurrenzkampf gut aufgestellt sehen. Große Probleme bereiten ihnen aber die zunehmend schwierigere Suche nach Personal und die mangelhafte Ausstattung. Das ist das Ergebnis des jüngsten "Hochschul-Barometers" des Stifterverbands, das dem Handelsblatt vorliegt. Basis ist eine jährliche repräsentative Befragung der Hochschulchefs in Deutschland.

"Die Personalsituation ist faktisch negativ", klagt der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Peter-André Alt. "Von 2006 bis 2016 haben sich die Betreuungsrelationen bei den Universitäten von 63 auf 72 Studierende je Professur verschlechtert, bei den Fachhochschulen von 42 auf 54", sagte er dem Handelsblatt. Deshalb müssten die Hochschulen in der Nachfolge zum Hochschulpakt "Mittel erhalten, mit denen sie diesen Trend endlich umkehren können". Nötig sei ein "kapazitätsneutraler" Mittelzuwachs – also "Geld, mit dem sie die Betreuung in der Lehre verbessern können, ohne automatisch zusätzliche Studierende aufnehmen zu müssen", so Alt.

Konkurrenz der Wirtschaft vor allem in Technikfächern

Angesichts des Wirtschaftsbooms klagen Hochschulen schon länger über scharfe Konkurrenz durch die Wirtschaft um die besten Köpfe – hauptsächlich in MINT- und Wirtschaftsfächern. "Vor allem Universitäten sehen dadurch zunehmend ihre Wettbewerbsfähigkeit in der Forschung bedroht", so das Hochschul-Barometer. Neben den Unternehmen machen ihnen die gut dotierten Max-Planck-, Fraunhofer-, Helmholtz- und Leibniz-Institute sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft Topleute streitig. Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen profitieren seit gut einem Jahrzehnt vom "Pakt für Forschung und Innovation", der ihnen jedes Jahr ein Etatplus von drei Prozent garantiert.

Das Personalproblem erschwert auch die überfällige Aufrüstung der Hochschul-IT, klagt Hochschulrektorenpräsident Peter-André Alt: "Uns werden aus den IT-Abteilungen permanent junge Experten von der Industrie abgeworben." Von den 17 Indikatoren des Barometers fällt der Indikator für die Personalsituation am schlechtesten aus.

Technische Hochschulen sorgen sich zunehmend um ihre Infrastruktur: Deren Rektoren bewerteten ihre Infrastruktur erstmals schlechter als die Leitungen der übrigen Hochschulen – und das, obwohl "gerade bei den Ingenieurwissenschaften die technische Ausstattung eine zentrale Rolle spielt", so Hochschul-Barometer-Autor Pascal Hetze.

Auffallend gut ist die Stimmung bei den großen Fachhochschulen mit mehr als 10.000 Studierenden – das sind 21 der insgesamt 106 staatlichen FHs. Sie liegen mit ihrer Lagebeurteilung erstmals auf Platz eins. Mittlerweile drängen der Wissenschaftsrat und andere Experten vehement darauf, dass die Fachhochschulen deutlich mehr als nur ein Drittel der Studenten übernehmen sollen – sie können also damit rechnen, im nächsten Hochschulpakt gut bedacht zu werden.

Zudem hat der Bund die Forschung der FHs, die vor 50 Jahren in der Bundesrepublik eingeführt wurden, zuletzt kräftig gestärkt. So ist etwa die Hälfte des 550 Millionen Euro schweren Programms "Innovative Hochschule" für sie reserviert. "Wichtiger noch als das Geld ist aber sicher das Interesse und die Wertschätzung, das die Fachhochschulen neuerdings verstärkt spüren", meint Hetze. Auch der Koalitionsvertrag verspricht ihnen explizit mehr Projektförderung, zudem will der Bund sie bei der Rekrutierung von Personal und der Internationalisierung unterstützen.

All das beflügelt aber nur große Fachhochschulen. Die gut 80 kleineren dagegen zeigten sich von allen Hochschularten am pessimistischsten, heißt es im Barometer.

Zurückgefallen sind die privaten Hochschulen: Sie standen bis vor Kurzem stabil an der Spitze im Barometer des Stifterverbands. Seit zwei Jahren jedoch "schwindet der Vorsprung gegenüber den staatlichen Hochschulen", schreiben die Autoren. Das liege "vor allem an den schlechteren Rahmenbedingungen bei Autonomie, Finanzierung, Ausstattung und Personal". Ausdrücklich positiv bewerteten die privaten Hochschulen nach wie vor ihre Konkurrenzfähigkeit in der Lehre und in der Kooperation mit regionalen Unternehmen.

Generell sei das Vertrauen der Hochschulleitungen in den Wissenschaftsstandort "so gut wie nie", fassen die Autoren die Umfrage 2017 zusammen. Das liege aber vor allem an der Schwächung der Konkurrenz, vermutet Hetze. Verglichen mit den Problemen britischer Hochschulen mit dem Brexit und amerikanischer Hochschulen mit der Trump-Regierung erscheint die deutsche Hochschulpolitik offenbar in einem besseren Licht als früher.  

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

nach oben

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

Verwandte Artikel

Tipps fürs Studium und

Infos zu Top-Unis - einmal

monatlich in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.