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Upgrade für den Praktikanten

Mann, Praktikant, Mütze, Büro, Laptop [Quelle: unsplash.com, Autor: crew]

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Früher hieß der Azubi "Stift" und der Praktikant einfach "Praktikant". Heute ist das allen zu profan. Da muss es schon der "Associate Intern" sein. Mindestens.

Früher war mehr Lametta, heißt es immer wieder. Aber das stimmt nur bedingt. Zumindest, wenn es um Berufsbezeichnungen geht, glitzert es heute auch ganz nett. Nur mal ein Beispiel: Auf der untersten Hierarchiestufe stand früher der Lehrling. Um ihm schon sprachlich die Niedrigkeit seines Daseins klarzumachen, rief man ihn auch schlicht den "Stift". Gerne mit dem Nachsatz: "Geh mal Bier holen!" Weil das irgendwann zu despektierlich klang, wurde er umfirmiert. Heute sagt man "Auszubildender" – zwar langweiliger, dafür respektvoller.

Es geht aber noch deutlich glamouröser: Demnächst könnte dem Praktikanten eine ähnliche Aufwertung zukommen – zumindest, wenn man sich an die Sprachregelungen mancher Unternehmensberater hält. Dort heißt der Praktikant jetzt nicht mehr Praktikant, sondern "Associate Intern". Das ließ kürzlich die Pressestelle eines renommierten Beratungshauses wissen und legte tatsächlich Wert auf den wichtig klingenden Namen, als es um die Beschreibung des Werdegangs einer ihrer Führungskräfte ging. Dass der einst als schlecht bezahlter Praktikant begann, klang in den Ohren der Kommunikationsexperten wohl eine Spur zu bodenständig. Und wie heißt es doch: Wenn die Fakten nicht mit dem Selbstbild übereinstimmen, umso schlimmer für die Fakten.

In Ungnade gefallen ist das Wort Praktikant in der Branche eigentlich schon früher: nämlich als ein anderes Beratungshaus einen Praktikanten – pardon: Associate Intern – schickte und dem Kunden dafür einen horrenden Tagessatz in Rechnung gestellt hat.

Aber was soll’s. Im Dschungel der englischsprachigen Berufsbezeichnungen blickt ohnehin kaum noch jemand durch. Da wimmelt es an Junior und Senior Managern, Directors Sales und Heads of Sales. Ganz grob kann man als Richtschnur nehmen: Alles mit "junior" heißt unterbezahlt, alles mit "senior" vernünftig bezahlt. Sehr imposant klingt auch die Bezeichnung "Vice President" – so ein bisschen wie Vize-Weltmeister. Übrigens auch ein schiefer Begriff; schließlich brauchen Fußball-Weltmeister eigentlich gar keinen Stellvertreter. Oder was soll der tun? Einspringen, wenn der richtige Weltmeister mal keine Zeit hat?

In vielen Großunternehmen gibt es dagegen nicht bloß einen, sondern gleich Hunderte "Vice Presidents" – sicher ist sicher. Der Chef vom Vice President ist übrigens nicht der President, sondern der "Senior Vice President".

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