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Berufseinstieg und Protokolle

Worauf kommt es beim Berufseinstieg an?

Zur Beruhigung: Auch Geistes- und Sozialwissenschaftler finden Jobs. Jeder Studienabschluss ist auf dem Arbeitsmarkt besser als kein Studienabschluss. Allerdings müssen viele Absolventen länger nach Arbeit suchen, weil sich nur wenige Stellenangebote direkt an sie richten. Die meisten Berufseinsteiger landen in Jobs, die wenig mit den Inhalten oder Anforderungen des Studiums zu tun haben. Willst du später dein Fachwissen aus dem Studium einbringen, solltest du dich um Zusatzqualifikationen und Praktika kümmern. Ansonsten ist es für Arbeitgeber oft zweitrangig, ob du Ethnologie, Germanistik oder Politik studiert hast. Der Berufsberater Paul Stallmeister empfiehlt: Studiere ruhig das, was dich interessiert, aber sammle am besten schon währenddessen Kontakte in die Praxis. Viele Unis bieten BWL-Kurse für Geistes- und Sozialwissenschaftler an, um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Mehr als zwei Semester brauchst du dafür aber nicht einzuplanen.

Auf deine Abschlussnote allein solltest du dich beim Berufseinstieg aber nicht verlassen. "Zwar gibt es Arbeitgeber, die Kandidaten weiterhin nach bestimmten Noten rausfiltern. Aber grundsätzlich ist es wichtiger, auf Erfahrung etwa durch verschiedene Praktika verweisen zu können", sagt der Personalexperte Krischan Brandl. Wie viele Praktika ausreichen, dafür gibt es keine Faustregel. "Aber zweimal drei Wochen während des gesamtem Master-Studiums sind definitiv zu wenig", sagt Brandl. Bewirbst du dich um eine Stelle, solltest du dir über deine Stärken bewusst sein. Wer da unsicher ist: Berater an Career Centern der Unis können weiterhelfen. Im Bewerbungsgespräch kannst du dann deutlich machen, inwiefern du gut zur Firma passt.

Text: Andreas Schulte

Vertiefung oder fachfremder Master?

"Ich habe nie daran gezweifelt, dass ich Lehrer werden will. Und dafür braucht man den Master. An der Uni Köln habe ich nach dem Bachelor in Deutsch und Geschichte auf Lehramt direkt weitergemacht. Im Master geht es mehr um den späteren Beruf als Lehrer. Momentan verbringe ich ein Praxissemester an einem Gymnasium. Im Bachelor hatte ich zwar auch schon Schulpraktika, aber da saß ich eher hinten und habe anderen Lehrern zugeschaut. Jetzt unterrichte ich selbst und bereite meine Stunden auch selbst vor. Von Klasse fünf bis Klasse zwölf war bisher alles dabei. Ein paar Kommilitonen zweifeln an ihrem Berufswunsch, seit sie vor der Klasse stehen. Ich nicht. Am liebsten würde ich am Gymnasium bleiben und nicht zurück an die Uni gehen. Deutsch und Geschichte machen mir als Schulfächer viel Spaß. Aber die Seminare an der Uni wie ältere deutsche Literatur, Mittelhochdeutsch und Linguistik haben mit der Unterrichtspraxis leider nichts zu tun. Das nervt. Bei einer Stunde zum Thema Gedichtanalyse musste ich mir zum Beispiel noch einmal alles selbst beibringen. Zum Glück habe ich die Klausuren und Hefte aus meiner eigenen Schulzeit aufbewahrt, da habe ich vieles nachgelesen. Immerhin geht es in Seminaren in neuerer deutscher Literatur um Werke, die man später mit Schülern bespricht. Schaffe ich meinen Abschluss in der Regelstudienzeit, wäre ich im Referendariat erst 23 Jahre alt. Ich würde gerne erst mal Vertretungsstunden übernehmen oder als Aushilfslehrer arbeiten."

Lukas Engels, 22, studiert Deutsch und Geschichte auf Lehramt an der Universität Köln. Er ist im dritten Semester im Master.

"Ich habe einen Bachelor in Theater und Medien mit dem Nebenfach Amerikanistik an der Uni Bayreuth gemacht. Bei Theater-Praktika in Heidelberg, Hamburg und London habe ich gemerkt, dass ich die Einstellung vieler Leute am Theater nicht teile. Ich hatte das Gefühl, politische Probleme der Welt werden auf der Bühne nur inszeniert, das war mir zu wenig. Ich wollte lieber aktiv etwas verändern und bin dann für ein Praktikum bei Amnesty International nach Berlin gezogen. Bei der Master-Wahl habe ich überlegt, was mich wirklich interessiert. So bin ich auf Internationale Kriminologie gekommen. Es war einfach, reinzukommen. Ich musste nur ein Motivationsschreiben verfassen. Der Studiengang ist interdisziplinär ausgerichtet, wobei ein Vorwissen in Soziologie hilfreich ist. Wir lernen, wie die Gesellschaft mit Kriminalität umgeht. In einem Forschungsprojekt analysieren wir zum Beispiel die Einstellungen zur Todesstrafe in der Bevölkerung. Dazu haben wir einen Fragebogen konzipiert und Statistiken erstellt. Auch wenn mich der Master nicht in einen bestimmten Job führt, fühlt er sich richtig an. Nach dem Abschluss kann ich mir vieles vorstellen, etwa in einer Beratungseinrichtung oder als Dokumentarfilmerin zu arbeiten. Keine Ahnung, was davon klappt, aber ich finde es sogar gut, noch kein festes Ziel zu haben. Es gibt so viele Möglichkeiten, und ständig ergeben sich neue, ich will mir erst mal alles offenhalten. Nur eines weiß ich: Ich möchte nicht in der Wissenschaft bleiben."

Leila Josua, 26, studiert Internationale Kriminologie in Hamburg. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Theater und Medien von der Uni Bayreuth.

Aufgezeichnet von Marianne Ruhnau

© ZEIT Campus (Zur Originalversion des Artikels)

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