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"Wer es jetzt nicht schafft, hatte zuvor schon Probleme!"

Liebe, Beziehung, Urlaub, Corona, Virus, Covid19, Pandemie [Quelle: pixabay.com, Autor: Gert Altmannr]

Quelle: pixabay.com, Gert Altmann

Zahnmedizinstudentin Laura und ihr Freund Tobias (Namen von der Redaktion geändert) hatten ihren Spanienurlaub schon lange geplant. Trotz Corona entschieden sie sich vor drei Wochen, ihre Reise nach Teneriffa anzutreten. Was sie dort erleben würden, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen. Ein Interview über die Hürden der Liebe in Zeiten von Corona. 

Ihr habt euch trotz Corona-Krise entschieden, nach Teneriffa zu fliegen. Was habt ihr erlebt, als ihr in Spanien angekommen seid?

Tobias: Wir hätten niemals gedacht, dass es eine Ausgangssperre geben würde. Als wir dort angekommen sind, galt diese auch noch nicht. Alle Restaurants, Cafés und Bars hatten noch geöffnet. Wir haben uns ein Sandwich zum Mitnehmen geholt und sind in unser Apartment gefahren. Am nächsten Tag kam dann die Ausgangssperre. Das war schon ein Schock. Die Polizei ist die ganze Zeit mit Lautsprecherdurchsagen in fünf verschiedenen Sprachen über die Insel gefahren. Aussage war: Wir dürften das Haus jetzt nicht mehr verlassen. Das Coronavirus sei überall.

Habt ihr euch an die Ausgangssperre gehalten? 

Laura: Leider hatten wir gar nichts zum Essen im Haus. Die Supermärkte dort sind total überlaufen. Sie lassen maximal 15 Personen in einen Markt und die Schlangen waren entsprechend lang. Deswegen haben wir versucht, mit dem Auto in das Apartment meiner Eltern zu fahren. Das hat auch ganz gut funktioniert – bis auf einmal. 

Wurdet ihr angehalten? 

Laura: Ja, hier wirst du wirklich an jeder Ecke kontrolliert. In Deutschland ist es noch erlaubt spazieren zu gehen, wenn auch nur alleine oder zu zweit. In Spanien darfst du dich selbst mit deinem Hund nur 100 Meter von deinem Haus entfernen oder alleine zum Einkaufen oder zum Arzttermin gehen – das war‘s. Auf keinen Fall darfst du dich hier zu zweit im Freien aufhalten oder auch nur zusammen Autofahren. 

Wie war es für euch, das Haus nicht verlassen zu können? Hattet ihr das Gefühl, das belastet eure Beziehung?

Tobias: Nein eigentlich gar nicht. Wir waren ganz entspannt. Ich bin zwar ab und zu ausgerastet, weil ich das erste Mal auf Teneriffa war und die Insel ausschließlich von diesem dummen Balkon aus sehen konnte. Eigentlich habe ich mich so auf das spanische Essen gefreut und das Einzige, das ich gegessen habe, war so ein mittelmäßiges Sandwich. Außerdem haben wir natürlich auch Geld für den Urlaub bezahlt. Das hat mich schon geärgert, aber gestritten haben wir uns deswegen nicht.

Mittlerweile gelten auch in vielen Teilen Deutschlands Ausgangsbeschränkungen. Habt ihr Tipps, was man in dieser Zeit als Paar machen kann?

Laura: Wir haben ganz viel gespielt und Serien geguckt. Außerdem ist es wichtig, auch zu Hause Spaß zu haben. Man muss nicht unbedingt rausgehen, um einen lustigen Abend zu erleben. Wir haben uns oft etwas zum Trinken und zum Essen gekauft und so einfach zu zweit Spaß gehabt. Manchmal hat natürlich auch jeder etwas für sich alleine gemacht. Auch das ist wichtig.

Tobias: Außerdem sollte man nicht verzweifeln und sich stattdessen lieber Zeit für sich und die Dinge nehmen, die man sonst nicht macht. Oder einfach mal etwas Neues versuchen. Ich habe zum Beispiel eine Gesichtsmaske von Laura ausprobiert. Fanden wir beide sehr lustig – so lässt sich die Zeit gut vertreiben. Sonst finde ich auch kreative Dinge sinnvoll – malen zum Beispiel. Ich denke das Wichtigste ist, keine Panik zu bekommen. Wir sollten die Berichterstattung über die aktuelle Situation zwar nicht ignorieren, trotzdem finde ich es sinnvoll, nicht rund um die Uhr den Newsticker zu aktualisieren, sondern einfach mal abzuschalten und den Kopf freizubekommen.  

Ihr wolltet aufgrund der Situation schnell wieder zurück nach Deutschland. Leider hat nur Tobias einen Flug bekommen, Laura erst eine Woche später. Wie war das für euch? 

Tobias: Es war eine sehr merkwürdige Erfahrung. Ich hab mich auf der einen Seite natürlich gefreut. Ich musste dringend wieder nach Deutschland, weil ich dort bis Ende März aus meiner Wohnung ausziehen muss und ich eigentlich diese Woche auch hätte arbeiten müssen. Da wusste ich noch nicht, dass mein Arbeitgeber den Betrieb geschlossen hat. Auf der anderen Seite war mir bewusst, dass in Deutschland die nächste Ausgangssperre auf mich wartet, auch wenn diese hier lockerer ist als in Spanien. Außerdem können die Sicherheitsstandards, die momentan bezüglich Corona gelten, bei den Rückholaktionen meiner Erfahrung nach nicht gewährleistet werden. Niemand konnte in dieser Notlage den Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern einhalten, der Flieger war überfüllt. Jeder hat Mundschutzmasken auf, das ist kein Urlaub mehr. Alle sind unglaublich angespannt und ermahnen sich gegenseitig unfreundlich, den Abstand einzuhalten, obwohl das gar nicht möglich ist. 

Laura: Für mich war es besonders schlimm, dass Tobias geflogen ist. Ich hatte die ganze Zeit den Gedanken, dass mein Flug erst eine Woche später geht und wir uns einfach nicht darauf verlassen können, dass dieser wirklich abhebt. Eine Woche ist zurzeit unglaublich viel. Ich wollte eigentlich zusammen mit Tobias fliegen, aber er hat den letzten Platz bekommen. 

Wie ist es für euch, wieder allein zu sein und euch vorerst gar nicht zu sehen?

Laura: Das ist schon sehr komisch. Ich freue mich einfach so sehr auf Deutschland und hoffe, dass bei meinem Flug alles klappt.

Tobias: Vor allem am Anfang war es sehr ungewohnt, finde ich. Wenn ich wüsste, dass Laura freiwillig länger dort geblieben wäre, wäre es sicher leichter. Aber so mache ich mir natürlich Sorgen. In Spanien geht es schließlich gerade drunter und drüber. Außerdem überwiegt die Ungewissheit. Wir wissen nicht, ob Lauras Flug wirklich abheben wird. Jeden Tag passiert etwas Neues, das ist ein sehr merkwürdiges Gefühl.

Wie wäre es für euch, wenn ihr euch im Fall von strikten Ausgangssperren gar nicht mehr sehen könntet?

Tobias: Das würden wir ignorieren, glaube ich. So etwas lässt sich meiner Meinung nach auch sehr schwer kontrollieren. Ich könnte es zwar einerseits nachvollziehen, wenn eine derartige Regelung beschlossen werden würde, ich denke aber, dass sich sehr viele nicht daran halten würden. Am Ende ist es auch wichtig für einen selbst, den Partner zu sehen. 

Laura: Ich glaube, dann würde ich zu ihm ziehen oder er zu mir. Wenn ich mich bei Tobias verstecke, würde das wahrscheinlich sowieso niemand mitbekommen. 

Ihr konntet glücklicherweise feststellen, dass die ständige Zweisamkeit für eure Beziehung nicht belastend war. Könntet ihr euch vorstellen, dass es anderen Paaren anders geht? 

Laura: Ja, das denke ich auf jeden Fall. Wir haben den Vorteil, dass wir uns auch in normalen Zeiten jeden Tag sehen. Außer Tobias geht arbeiten und ich in die Uni. Deswegen hat sich für uns gefühlt gar nicht so viel verändert. Wenn du deinen Partner normalerweise nur einmal in der Woche siehst und ihr sonst viel mit anderen unternehmt, denke ich schon, dass es jetzt öfter zum Streit kommen kann. 

Tobias: Ich sehe das genauso. Es kann meiner Meinung nach durchaus schwierig werden, wenn Paare eine solche Situation nicht gewohnt sind und dann plötzlich aufeinandersitzen. Wer in einer Beziehung ist und sich vorstellen kann, langfristig zusammen zu bleiben, kann diese Situation jedoch auch als Chance sehen. Wenn es jetzt nicht funktioniert, wird auch ein Zusammenziehen nicht klappen. Außerdem bin ich der Meinung, dass diese Situation nicht der Auslöser für Probleme ist. Sie bringt nur Probleme zum Vorschein, die bereits zuvor dagewesen sind, die das Paar aber womöglich ignoriert hat. Da sollte man den Problemen auf den Grund gehen und daran arbeiten. Wer es jetzt nicht schafft, hatte davor schon Probleme. 

Habt ihr zum Schluss noch einen Rat für alle, die sich in einer ähnlichen Situation befinden? 

Tobias: Auf jeden Fall geduldig und entspannt bleiben. Das alles muss irgendwann auch ein Ende haben. Positiv zu denken, hilft einem hier auch selbst. Und niemand ist alleine in dieser Situation. Ich denke jeder tut im Moment alles Mögliche, um die Situation in den Griff zu bekommen. Wenn das mal etwas länger dauert, sollten wir nicht gleich nervös werden. Nutzt stattdessen die Zeit für euch, eure Beziehung und habt einfach Spaß am Leben. 

Vielen Dank für das Interview!
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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Ehrlich gesagt, mag ich Lauras und Tobias Einstellung nicht. Ich überdramatisiere das Coronavirus auf jeden Fall nicht, aber ich werde meinen Partner (Fernbeziehung über 700km) jetzt auch ein halbes Jahr lang nicht sehen können weil das nächste Treffen jetzt leider ausfallen muss, alles zum Schutz der Älteren und Vorerkrankten. Das ist für mich auch echt hart, was ich nun eben hinnehmen muss, aber ich fände es schön wenn nicht alle möglich Paare jetzt egoistisch handeln und sich, wie die beiden, darin bestätigt fühlen, s ich trotzdem zu sehen denn andere halten sich ja auch nicht dran.... Wirklich nicht sehr verantwortungsbewusst. Da bin ich wirklich enttäuscht.

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