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Ein Loch im Lehrbetrieb

Besonders schwierig wird die Situation für alle Beteiligten, wenn gleich mehrere Stellen in einem Fachbereich über längere Zeit unbesetzt bleiben. An der Universität Halle etwa sind derzeit alle drei Professuren für Medienwissenschaften vakant. Vertreter halten die Lehrstühle am Laufen. Seit Jahren wird hier, wie an vielen Hochschulen in der Republik, über Budgetkürzungen diskutiert. Eine Schließung der Medienwissenschaften in Halle schien zeitweise wahrscheinlich. "Unter solchen Bedingungen ist ein normales Studium natürlich kaum noch möglich", kritisiert Daniel Möbus, Referent für innere Hochschulpolitik beim Studierendenrat in Halle. "Viele Kommilitonen haben sich beklagt, dass sie kaum noch Zeit hatten, ihre Hausarbeiten fertigzustellen, weil die Lehrstuhlvertreter selbst nicht wussten, ob sie nach den Semesterferien noch da sind, um sie zu korrigieren." Auch in anderen Fachbereichen wurden in Halle zeitweise gleich mehrere Lehrstühle von Vertretern geführt. "Das Problem ist, dass es bis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vermutlich keine Klarheit darüber geben wird, wie stark die Kürzungen an den Universitäten ausfallen müssen", sagt Möbus. So lange bleibe auch die Zukunft der Vertretungsprofessoren und ihrer Lehrstühle ungewiss.

"Jede Stelle, die nicht langfristig besetzt ist, reißt ein Loch in den Lehrbetrieb"

Jutta Dierkes wundert, dass sich Studenten vergleichsweise selten über solche Probleme beschweren. Die Ernährungswissenschaftlerin hatte selbst vor drei Jahren zwei Semester lang eine Vertretungsprofessur für Ernährungsphysiologie in Halle übernommen, bevor sie eine unbefristete Professur für klinische Ernährung in Norwegen antrat. Der Lehrstuhl in Halle wurde seit dem Jahr 2009 ausschließlich von Vertretern wie ihr geführt - erst ab dem kommenden Wintersemester wird es wieder einen regulären Professor für das Fach geben. "Vertretungsprofessuren sind grundsätzlich eine gute Sache", sagt Dierkes. "Auch für mich war das eine tolle Möglichkeit, Erfahrungen in der Lehre zu sammeln." Allerdings sei klar: "Jede Stelle, die nicht langfristig besetzt ist, reißt ein Loch in den Lehr- und Forschungsbetrieb. Gute Lehre und Forschung brauchen nun einmal Zeit und Planbarkeit."

Dierkes kann daher nicht nachvollziehen, dass eine Stelle so lange nicht fest besetzt wurde wie ihre frühere Vertretungsprofessur in Halle: "Universitäten müssen dafür sorgen, dass diese Übergangsphasen möglichst kurz ausfallen", sagt die Professorin. "Wenn das nicht passiert, sollten die Studenten öffentlich Druck machen und in jedem Fall Transparenz über die Hintergründe der langen Vertretungszeiten fordern." Das sei auch im Sinne der Vertreter, die ebenfalls oft unter unsicheren Bedingungen litten. "Manche Kollegen reisen für Vertretungsstellen monate- oder jahrelang quer durch die Republik, ohne Sicherheit, wie es danach weitergeht", sagt Dierkes. Hinter vorgehaltener Hand habe es in Halle sogar geheißen: Über Anstellungen auf Semesterbasis könne man noch froh sein, in anderen Bundesländern würden Vertreter sogar nur für die Dauer der Vorlesungszeit eingestellt. Das bedeutet dann Arbeitslosigkeit in der Zeit der Semesterferien. "Auf so einen Vertrag hätte ich persönlich mich nie eingelassen", sagt Dierkes. "Da lassen sich ja nicht einmal mehr die grundlegendsten Bausteine der Lehre sicherstellen."

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