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Fallbeispiele "Wer sich wehrt": Therapeuten und Lehrer

Wer sich wehrt III: Therapeuten

Was ist das Problem?
Rund 1.800 Stunden müssen Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) in Kliniken arbeiten. Sie haben einen Hochschulabschluss, werden aber oft wie Praktikanten bezahlt. "Manche arbeiten für null Euro 40 Wochenstunden auf einer Akutstation mit schwer psychisch Kranken", sagt Anna Eiling, 28, Sprecherin der Bundeskonferenz PiA. Das Problem ist das Psychotherapeutengesetz von 1999. Darin ist nicht geregelt, welchen Status PiA haben, ob sie etwa bezahlt werden müssen.

Wer ist betroffen?
Absolventen der Psychologie oder Pädagogik, die sich nach ihrem Studium zu Psychologischen Psychotherapeuten ausbilden lassen. Das sind rund 1.800 Leute, potenziell betroffen sind alle, die noch studieren und später in dem Beruf arbeiten wollen.

Was tun die dagegen?
Manche PiA haben Kliniken verklagt – teilweise mit Erfolg. Die Bundeskonferenz PiA organisiert Demos und Flashmobs, etwa vor dem Bundesgesundheitsministerium. Auch Studenten engagieren sich: "Wir haben uns eingeklinkt", sagt Luisa Machalz, 25. Früher mussten auch Medizinabsolventen 18 Monate als schlecht bezahlte "Ärzte im Praktikum" arbeiten. Das wurde nach langen Protesten abgeschafft. Ähnliches wollen jetzt die PiA schaffen.

Hatte das Erfolg?
Zum Teil. Im November wurde auf dem Psychotherapeutentag beschlossen, dass die Ausbildung geändert werden muss. Das steht auch im Koalitionsvertrag von CDU und SPD. Für die heute Betroffenen hat sich aber nicht viel verbessert. "Unsere Situation bleibt akut dieselbe", sagt Eiling. Ein Vorschlag ist, die Kliniken zu verpflichten, wenigstens den Mindestlohn zu zahlen.

Wer sich wehrt IV: Lehrer

Was ist das Problem?
In Bayern haben Lehramtsreferendare kaum Chancen auf einen festen Arbeitsplatz. "Der Staat bildet mehr Lehrer aus, als er einstellt", sagt Markus Pilster, 28, ein ehemaliger Referendar. So ähnlich bestätigt das auch das Bayerische Bildungsministerium. Pilster hat in den letzten drei Jahren fünfmal die Schule wechseln müssen, sagt er – trotz Einserschnitt.

Wer ist betroffen?
Referendare und Lehramtsstudenten – vor allem diejenigen unter ihnen, die an Gymnasien und Realschulen unterrichten wollen. Im September hat nur rund jeder zehnte Realschulreferendar eine Stelle erhalten. Im Februar wollten 720 Leute an Gymnasien unterrichten, 33 Prozent erhielten ein Angebot. Allen Lehramtsstudenten in Bayern stehen ähnliche Probleme bevor.

Was tun die dagegen?
Fünf Referendare haben 2014 die Initiative "Bewegung in Bildung" (BiB) gegründet. Die CSU hatte kurz zuvor angekündigt, über 800 Lehrerstellen zu streichen. Markus Pilster schrieb Leserbriefe für die BiB, sie gründeten ein Blog und eine Facebook-Gruppe. "Wir waren ziemlich perplex, dass die nach drei Tagen schon Hunderte Mitglieder hatte", erzählt er. Heute sind es rund 13.000. Online verabredeten sie sich zu Demos, in München kamen rund 600 Teilnehmer.

Hatte das Erfolg?
Nach den Protesten hat die CSU ihren Kürzungsplan zurückgezogen. Das hilft kurzfristig, jedoch bleibt das strukturelle Problem bestehen. "Ich bin desillusioniert", sagt Markus Pilster. "Der Aufwand für die Demo war enorm, ich bin enttäuscht, wie wenige kamen." Derzeit stagniere der Protest: "Unter den jungen Lehrern herrscht eine Atmosphäre der Angst." Pilster will weiter demonstrieren und zeigen, dass "wir nicht alles schlucken".

Mitarbeit: Amadeus Ulrich

© ZEIT Online (Link zum Originalartikel)

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