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Karrieredating an der Uni

Frauen im Gespräch [Quelle: tempus corporate, Getty Images]

Quelle: tempus corporate, Getty Images

Business-Schools wollen ihre Studenten fit für Führungsaufgaben machen. Immer mehr setzen dabei auf erfahrene Manager aus der Praxis, die den Studenten zeigen sollen, worauf es im Berufsalltag ankommt. Das Konzept funktioniert – aber nicht für alle.

Auf ihre ersten Bewerbungen erhielt Sara Jachnik nichts als Absagen. Meist traf das Schreiben nach Wochen in ihrem Posteingang ein, manchmal meldeten sich die Unternehmen auch gar nicht zurück. Und immer fehlte die Begründung, wes-halb es nicht funktioniert hatte. "Das war echt frustrierend", erinnert sich die 19-Jährige. Zum Glück war da Lucia Ugalde. Eigentlich arbeitet die Bolivianerin als Ingenieurin bei der Boeing-Tochter Jeppesen in Frankfurt. Doch an einem Nachmittag im Frühjahr nahm sich Ugalde drei Stunden Zeit und ging mit der Studentin ihre Bewerbung durch: Zeile für Zeile feilten die beiden an Anschreiben und Lebenslauf. Mit den überarbeiteten Unterlagen versuchte es Jachnik bei der Unternehmensberatung McKinsey – und erhielt prompt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Seit 2017 studiert Sara Jachnik International Management an der Frankfurt School of Finance & Management. Lucia Ugalde ist ihre Mentorin. Kennen gelernt haben sich die beiden über das hochschuleigene Mentoringprogramm. Es läuft ab dem zweiten Bachelorsemester und stellt jedem Studenten einen erfahrenen Alumnus der Hochschule zur Seite. Die Mentoren kommen aus allen Bereichen der Wirtschaft: aus Unternehmensberatungen, Kommunikationsagenturen, Industriekonzernen, Banken. "Viele sind Wiederholungstäter, die Freude daran haben, Wissen an die nächste Generation weiterzugeben", sagt Karin Reuschenbach-Coutinho, Leiterin Career Services an der Frankfurt School. Solche Leidenschaft ist eine wichtige Voraussetzung, denn die Tätigkeit als Mentor ist ehrenamtlich.

Die Idee hinter einer derartigen Einzelbetreuung ist immer gleich: Ein alter Hase weiht den Anfänger in die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze seiner jeweiligen Branche ein. Mentoren wie Lucia Ugalde sollen für die Studenten nützliche Gefährten auf ihrem Weg in den Job sein, sagt Reuschenbach-Coutinho. Sie geben den Mentees Orientierung, helfen ihnen mit konkreten Tipps und Kontakten und schlagen damit eine Brücke zwischen Theorie und Praxis. Der persönliche Mentor ist heute an fast allen privaten Hochschulen in Deutschland Standard.

Das Prozedere unterscheidet sich zwischen den einzelnen Business-Schools kaum: Meist organisieren die zentralen Career Center die Mentorings, manchmal auch einzelne Fachbereiche. An der Frankfurt School starten Reuschenbach-Coutinho und ihr Team jedes Jahr im Frühling einen Aufruf und sammeln Bewerbungen von Studenten und Alumni ein. Die künftigen Mentees dürfen sich wünschen, welchen Hintergrund ihr Mentor haben soll. Wer es am Ende wird, entscheiden aber die Mitarbeiter der Career Services. Das sei bewusst so organisiert, sagt Reuschenbach-Coutinho. "Die meisten Studenten wünschen sich jemanden, der in klassischen Managementpositionen arbeitet. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass gerade Absolventen, die nicht den klassischen Weg gegangen sind, den Mentees wertvolle Einblicke geben können", sagt sie.

Lucia Ugalde ist ein solcher Fall. Sie war Trainee bei einer Bank im bolivianischen Santa Cruz und arbeitete anschließend ein Jahr in der Marketingabteilung. 2013 ging sie nach Deutschland, um an der Frankfurt School den Management-Master zu machen. Schon während des Studiums entdeckte sie ihre Leidenschaft für Technik: Als Werkstudentin bei Jeppesen leitete sie zunächst erste kleinere IT-Projekte, nach dem Masterabschluss übernahm die Boeing-Tochter sie als Ingenieurin. "Ich möchte den Mentees zeigen, dass viele Wege nach Rom führen, solange man offen und flexibel ist", sagt sie.

Falsche Erwartungshaltung

Sara Jachnik hat im vergangenen Jahr Abitur gemacht und direkt im Anschluss ihr Managementstudium an der Frankfurt School begonnen. Ihre Wahl fiel auch deshalb auf das Fach, weil man sich dort erst gegen Ende des Studiums für eine Spezialisierung entscheiden muss. "Ich habe noch keinen Masterplan für die Zeit nach dem Studium", sagt Jachnik. Manchmal mache ihr das ein bisschen Angst. Die Biografie ihrer Mentorin aber habe ihr Mut gemacht. "Sie hat mir gezeigt, dass man im Berufsleben auch mal Umwege nehmen darf", sagt die 19-Jährige.

Doch nicht immer funktionieren die Tandembeziehungen so reibungslos wie bei Jachnik und Ugalde. Manchmal scheitert ein Mentoring auch, etwa weil die Partner nicht zueinander passen, sich nichts zu sagen haben oder sich der Mentee in den Gesprächen nicht abgeholt fühlt. Einer der Hauptgründe für solche Enttäuschungen ist eine falsche Erwartungshaltung, weiß Franziska Ibele. Sie ist Mitglied im Vorstand des Alumni-Vereins der ESB Business School in Reutlingen und verantwortlich für das dortige Mentoringprogramm. "Der Impuls für das Gespräch sollte in der Regel vom Mentee ausgehen. Er gibt bei den Treffen die Richtung vor", sagt Ibele. Die Aufgabe des Mentors sei es zuzuhören, Ratschläge zu geben und auf die Fragen seines Schützlings einzugehen.

Damit das funktioniert, müssen sich die Mentees zunächst selbst darüber bewusst werden, was überhaupt ihre Ziele sind und was sie sich konkret vom Mentoring erhoffen. Wollen sie Bewerbungstipps und Kontakte vom Profi? Oder lieber Ratschläge, welcher Studienschwerpunkt sie ihrem Berufsziel am nächsten bringt? Die Frage nach dem Warum sollte direkt am Anfang stehen, rät Ibele: "Im ersten Gespräch müssen Mentor und Mentee genau klären, in welche Richtung das Mentoring gehen soll." So könnten sie ihre Erwartungen abgleichen und Enttäuschungen vorbeugen.

Von einem guten Mentoring profitieren beide Parteien, das weiß die Wissenschaft schon lange. Zuletzt haben die Professoren Torsten Biemann von der Universität Mannheim und Heiko Weckmüller von der FOM-Hochschule für Ökonomie und Management in Bonn diesen Effekt nachgewiesen. Sie analysierten 2014 verschiedene Metastudien zum Thema. Das Ergebnis: Zwar stellt sich bei den Mentees ein größerer objektiver Karriereerfolg ein. Aber auch die Mentoren bemerken positive Veränderungen. So attestieren sie sich bessere Führungsqualitäten und sind insgesamt zufriedener.

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