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Kampf um knappe Studentenwohnungen verschärft sich

WG Wohnung Wohnzimmer Studenten [Quelle: unsplash.com, Autor: Filios Sazeides]

Quelle: unsplash.com, Filios Sazeides

In vielen Universitätsstädten steigen die Preise für kleine Wohnungen ganz besonders stark. Plätze in Wohnheimen sind sehr umkämpft. Doch es gibt sie auch noch, die günstigen Studienorte.

Die Preise für Studentenwohnungen sind in vielen Universitätsstädten zuletzt überdurchschnittlich gestiegen. Zugleich hat das Geld, das die durchschnittlichen Studenten in Monat zur Verfügung haben, aber kaum zugenommen. Lediglich die ohnehin schon mit hohen monatlichen Zahlungen ihrer Eltern ausgestatteten Studenten konnte zuletzt über ein steigendes monatliches Budget verfügen. Das sind Ergebnisse des "Studentenwohnreports 2019", den das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) und das Finanzunternehmen MLP am Mittwoch vorgelegt haben.

Die Zahl der Studenten in Deutschland ist demnach seit 2008 nochmal deutlich gestiegen, um rund 800.000. Diese konzentrierten sich auf eine relativ kleine Zahl von Studienstädten, verteilten sich also nicht gleichmäßig über Deutschland, sagte IW-Immobilienfachmann Michael Voigtländer. Einen starken Zuwachs gab es beispielsweise in Düsseldorf, aber auch in Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt. Dort traf diese Entwicklung auf einen ohnehin angespannten Wohnungsmarkt. Das Angebot an Wohnheimplätzen könne da nicht mithalten, das prozentuale Verhältnis von Wohnheimplätzen zu Studenten sei von 12,5 Prozent im Jahr auf 8,6 Prozent gesunken. "Studenten sind deshalb zunehmend auf den privaten Wohnungsmarkt angewiesen", sagte Voigtländer. Dabei habe der Anteil der Studenten, die in einer Wohngemeinschaft lebten, zugenommen, und zwar seit 2003 um 9 Prozentpunkte auf 30,8 Prozent.

Der Anteil der Studenten, die in einer eigenen Wohnung leben, ist zurückgegangen auf 26,9 Prozent. Der Anteil der Studenten, die bei ihren Eltern lebten, ist von 22 auf 25 Prozent gestiegen. "Nicht nur Studenten suchen kleine Wohnungen in guten Lagen, sondern auch junge Erwerbstätige, Fernpendler oder Senioren. Deshalb ist der Preisdruck in diesem Segment besonders hoch", meinte Voigtländer. Wenn man sich die Entwicklung der Mieten für die durchschnittlichen Studentenwohnungen anschaue – dabei werden nur Wohnungen mit weniger als 40 Quadratmeter betrachtet –, dann seien kleine Wohnungen je Quadratmeter ohnehin teurer als große und ihr Preis sei auch im Durchschnitt zuletzt stärker gestiegen.

Günstige Studienstädte gibt es im Osten und im Ruhrgebiet

In einem "Studentenwohnpreisindex" haben die Wissenschaftler Wohnungen mit 30 Quadratmetern, einer einfachen Ausstattung und einer Lage in einem Umkreis von 1,5 Kilometern zur Hochschule in 30 Studienstädten untersucht (siehe Grafik). Am teuersten ist diese Musterwohnung in München, die monatliche Warmmiete beträgt dort 717 Euro. Es folgen Stuttgart mit 542 Euro und Frankfurt mit 505 Euro. In 14 weiteren Städten sind im Schnitt zwischen 400 und 459 Euro monatlich zu zahlen. Die drei günstigsten Städte in diesem Vergleich waren Magdeburg (251 Euro), Leipzig (278 Euro) und Bochum (287 Euro). Einen relativ starken Anstieg der Mieten für Studentenwohnungen gab es hingegen von 2018 auf 2019 in Darmstadt (mehr als 8 Prozent), Frankfurt (8 Prozent) und Konstanz (7,4 Prozent), zudem auch nochmal in Berlin (7,4 Prozent) und München (6 Prozent). Insgesamt sei an 27 der 30 untersuchten Hochschulstandorte eine Verschärfung des Preisniveaus festzustellen.

Die Nettoeinkommen der Studenten dagegen hätten weitgehend stagniert. Der Durchschnitt liege bei 900 Euro im Monat. Einzig die 25 Prozent einkommenstärksten Studentenhaushalte konnten ihr Einkommen steigern, um 36 Prozent seit 2010. Uwe Schroder-Wildberg, der Vorstandsvorsitzende von MLP betrachtete diese Entwicklung kritisch: "Die Miethöhen sollten weder über die Aufnahme eines Studiums entscheiden, noch die Wahl regional einschränken", meinte er. Trotzdem zeigen die Zahlen: Wer sparen will, findet noch immer günstige Studienorte. In den neuen Bundesländern sind Magdeburg und Leipzig weiterhin besonders günstig, im Westen ist es etwa Bochum, aber auch Bremen. Dort sei der Zuzug allgemein, aber auch der Anstieg der Studentenzahlen nicht so stark wie in anderen Städten, meinte Voigtländer.

Von einer "Blase" wollte der Immobilienfachmann dabei für Studentenwohnungen so wenig sprechen wie für den Immobilienmarkt insgesamt. Der Preisanstieg sei aus seiner Sicht vielmehr nachvollziehbar, sagte Voigtländer und widersprach damit unter anderem dem Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB), einem Expertengremium um EZB-Präsident Mario Draghi, das zuletzt vor Übertreibungen am Immobilienmarkt gewarnt hatte.

Wesentlicher Treiber für den Preisanstieg in Groß- und Universitätsstädten seien die Grundstückspreise, sagte Andreas Junius, Partner bei Basecamp, einem Unternehmen, das studentische Wohnanlagen baut und betreibt. Dass nicht mehr neuen Studentenwohnungen entstünden, liege auch an zu langwierigen Genehmigungsverfahren und sehr hohen technischen Anforderungen beispielsweise an Brandschutz und Sicherheit, sagte Junius: "Auch Mietpreisbremse, Mietendeckel und Enteignungsdiskussion sind für neue Investitionen nicht eben förderlich."

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