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"Ich will jetzt mit dir schlafen"

Marie, August

"Ich will jetzt mit dir schlafen." Lars sagt es einfach. Kein Raunen, kein Flüstern. Ich höre keine Unsicherheit, aber ein Flehen, keine Zweifel, auch keine Kontrolle mehr, nur noch Lust, und Angst vor alledem. Zwei Stunden später habe ich mit meinem Dozenten geschlafen. Die Sonne geht auf, und ich weiß nicht mehr, wohin mit uns. Wenn er beim Sprechen seinen Kopf zu mir dreht, bringt sein schlechter Atem mich in Verlegenheit.

Lars, August

"Jetzt habe ich mit meinem Dozenten geschlafen", stellt sie danach fest, und ich begreife lange nicht, was an diesem Satz falsch ist. Morgens im Büro muss ich dem Kollegen Wagner erklären, wo Frau Müllers Bewerbung hingekommen ist. Ich stelle mich unwissend, bringe die Sekretärin ins Spiel und weiß, dass ich mit der Ausrede kein zweites Mal durchkommen werde.

Marie, Dezember

Wir lassen es langsam angehen, sehen uns nur alle paar Tage, manchmal zwei Wochen gar nicht. Erst, als wir uns mit Glühwein am Karl-August-Platz die Hände wärmen, sagt Lars, dass er mich liebt. Ich sage nichts.

Jetzt sitze ich in seinem Bad auf den Boden und merke, dass die weißen Kacheln voller Haare sind, die Fensternische verschimmelt, und dass es hier nach Schweiß riecht wegen seiner Jogging-Sachen im Wäschekorb. Keine Spur von Ambra und Bergamotte, von der beiläufigen Eleganz des Dr. L. Schweigert. Stattdessen nur Lars. Ich will weg.

Lars, Februar

Sie weicht mir aus, wie ich ihr damals ausgewichen bin, als ich noch nicht wollte, dass man uns zusammen sieht. Als sie mich zum ersten Mal anlügt, weiß ich, dass ich an dem Punkt bin, den ich von Anfang an gefürchtet habe. Ich denke an Wagner, an die enttäuschten Blicke der Kollegen. An alte Männer und junge Frauen in Klatschzeitschriften, setze mich an den Schreibtisch und bewerte ihre Arbeit mit einer Vier.

Marie, Februar

Zwei Stunden streiten wir uns, brüllen uns an, ob mich die Vier ärgert oder der Umstand, dass er sie mir gegeben hat. Dann glaubt er mir endlich, dass es mir wirklich nicht um ihn geht. Und er begreift, was das für uns heißt.

Lars, Februar

Ich will vor Marie nicht die Fassung verlieren, nicht den letzten Rest Beherrschung. Später am Tag erwischt mich Wagner, wie ich mit dem Kopf nach vorne auf seinem Schreibtisch liege und Rotz und Wasser heule.

Marie, April

Auf der Konferenz sehen wir uns wieder. Wir stehen in den letzten, schäbigen Schneeresten und ich merke, wie Studentinnen ihm hinterherschauen, dem ganz in schwarz Gekleideten, Anzugtragenden, beiläufig Makellosen.

Wir könnten darüber reden, denke ich, während ich mir eine anstecke, wie weh es tut, wenn sich so viele für dich interessieren und doch niemand so wirklich für dich. Oder wie es ist, sich in jemanden zu verknallen, den es nicht gibt. Oder wir könnten über Illusionen sprechen, über Erwartungen und Enttäuschungen in Beziehungen. Es wären Gedanken über die Liebe schlechthin, denke ich, während ich den Stummel austrete, die sich schon seit Jahrtausenden Menschen machen, Studenten und Dozenten und alle anderen auch, ohne dass sich deshalb irgendjemand von irgendeiner Dummheit hätte abhalten lassen.

* Namen von der Redaktion verfremdet

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Kommentare (7)

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  1. Anonym

    Warum musste das an der Spitze des Newsletters stehen?

  2. Anonym

    Kann ich mich nur anschließen!!!

  3. Anonym

    Kleiner Nachtrag: sowas hat in Zeit Campus absolut nichts verloren. Der einzig angemessene Ort für diese Geschichte ist ein Workshop für Uni-Dozierende über Machtmissbrauch mit sorgfältiger Einleitung und anschließender präziser Reflexion.

  4. Anonym

    Wow, was für ein misogyner Mist! Wie kann eine Plattform, die so viele junge Menschen erreicht, so einen Artikel veröffentlichen? Ich bin schockiert. In der Beschreibung der Studentin werden zahlreiche frauenverachtende Stereotype reproduziert. Die katastrophale Macht-Hierarchie zwischen den beiden wird überhaupt nicht kritisch angesprochen, sondern romantisiert und verherrlicht. Dass die beiden am Ende kein Paar bleiben, ändert nichts, denn eine Aufarbeitung erfolgt nicht im Geringsten. Und natürlich hat "die Sekretärin die E-Mail" gelöscht. Mehr Frauenhass und toxische Beziehung geht nicht. Dass e-fellows diese Geschichte benutzt, um Klicks zu generieren, ist absolut empörend und verantwortungslos.

  5. Anonym

    Was für ein naiver Quatsch.. publiziert sowas doch in der ZEIT Campus oder - mit ein paar mehr Details - im Vice Magazin.

  6. Anonym

    Lost

  7. Anonym

    Einfach nur ekelhaft

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