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Wertvolle Nebenjobs

Die wichtigste Weiche, die über Erfolg und Misserfolg der akademischen Karriere entscheidet, sei die Wahl des betreuenden Professors, an dessen Lehrstuhl man forscht und promoviert, sagt Anja Hagedorn, die einige Zeit lang beim interdisziplinären Promovierenden-Verein Thesis Doktoranden und solche, die es werden wollten, unterstützt hat. "Nicht jeder Professor hat ein Interesse daran, wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern." Hagedorn rät den jungen Wissenschaftlern daher, mit ihrem Prof eine Betreuungsvereinbarung aufzusetzen. Die nämlich kann sicherstellen, dass die Promovierenden nicht bloß als Lakaien benutzt werden – mit dem klaren Auftrag, den wissenschaftlichen Ruf ihres Vorgesetzten aufzupolieren statt des eigenen.

Wertvolle Nebenjobs

Doch selbst wer sich voll und ganz in die eigenen Forschungsfragen vertieft, verliert etwas Wichtiges aus dem Blick: den nicht akademischen Arbeitsmarkt. Lisa Steinhauser rät deshalb dringend, auch Kontakte über die Hochschulen und wissenschaftlichen Institute hinaus aufzubauen und zu pflegen. Die Karriereberaterin, die Studierenden und Doktoranden bei ihren ersten Schritten im akademischen Betrieb hilft, betont, dass nur ein kleiner Bruchteil von ihnen ihr großes Ziel erreichen wird. "Die Karriere an der Universität ist für die meisten nach zwölf Jahren beendet", sagt sie. Dann nämlich setzt das Wissenschaftszeitvertragsgesetz dem akademischen Streben ein klares Ende: Befinden sich die Wissenschaftler bis dahin nicht in einer unbefristeten Beschäftigung oder arbeiten in einem zeitlich begrenzten Drittmittelprojekt, verschließen sich die Türen der akademischen Welt für immer. In den Augen von Steinhauser ist es deshalb "unerlässlich, frühzeitig Kontakte in die Industrie zu knüpfen". Möglichkeiten dafür gibt es viele: Karrieremessen, Praktika, Nebenjobs im Unternehmen. Ein Plan B also, für den Fall, dass man trotz aller Anstrengungen doch aus dem Wissenschaftsbetrieb rausfällt – und es gar keinen anderen Weg als den in die Privatwirtschaft gibt.

Auch für Hannes Rothe ist dieses Denken in Alternativen zwingend notwendig. Er selbst hat zwar eine entscheidende Etappe in der akademischen Welt bereits erreicht: Seit 2017 ist er Juniorprofessor für Educational Service Engineering und IT-Entrepreneurship an der Freien Universität (FU) Berlin. Seine Hochschule schafft es im aktuellen Ranking gleich fünfmal unter die zehn Universitäten, von denen Personaler am liebsten neue Mitarbeiter rekrutieren. Im Fach Volkswirtschaftslehre landet die FU sogar auf Rang drei. Mit einer derart renommierten Institution im Rücken können junge Wissenschaftler den harten Kampf ums Vorankommen im akademischen Mittelbau etwas gelassener angehen. Hannes Rothe kennt die Gefühlslage der Nachwuchsforscher aus eigener Erfahrung. Jeder seiner Unikollegen, und auch er selbst, sei irgendwann an den Punkt gekommen, die große Frage der beruflichen Zukunft zu beantworten: Brauche ich eine Exitstrategie?

Deshalb plädiert der Spezialist für Unternehmensgründungen für mehr Pragmatismus. Rothe engagiert sich neben seiner Forschung und Lehre im Netzwerk Postdocs to Innovators, kurz p2i. Neben der FU Berlin gehören auch die University of Cambridge, die University of Glasgow und die Université Paris Sciences et Lettres zu diesem Bündnis. Sie alle wollen den Doktoranden zeigen, welche Karrieremöglichkeiten sich ihnen außerhalb der Hochschulen bieten.

Profit aus Geisteskraft

Rothe skizziert zwei Optionen für den Absprung aus dem Elfenbeinturm: Wenn die Postdocs, so die erste Variante, Spezialisten ihres Fachs sind, profundes Wissen in sehr eng gefassten Bereichen gesammelt und ihre Ideen schon während ihrer Zeit an der Uni patentiert haben, dann seien sie prädestiniert dafür, ein Start-up zu gründen. So könnten sie aus der Kraft ihres Geistes Profit schöpfen. Wie Tony Lee, ein Mitgründer von MindR, einem auf künstliche Intelligenz spezialisierten Start-up. An der Uni nutzte der Politologe die Technologie einst, um in Videos die Persönlichkeitsmerkmale von politischen Akteuren wie Donald Trump oder Xi Jinping zu analysieren. Heute setzt er seine Fähigkeiten im Personalmarketing für Unternehmen ein – auch dank Rothe, der ihm als Mentor zur Seite stand. Die zweite Möglichkeit für den Abschied aus dem akademischen Mittelbau ist der Schritt in die Industrie. Es gebe einen massiven Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften, betont Rothe. Die Unternehmen schätzten das tief greifende Wissen von Postdocs, deren bisherige Karriere daraus bestand, neue Lösungen für neue Probleme zu finden.

So begleitete der Junior-Professor beispielsweise eine Mathematikerin von der Uni in die Wirtschaft. Heute ist sie bei der Berliner Sparkasse. Wie groß der Bedarf an Experten aus dem akademischen Betrieb auch in der Unternehmenswelt ist, zeigen nicht zuletzt die Bemühungen der Konzerne, ihrerseits die Nachwuchsforscher zu fördern. Der Autobauer Daimler oder der Industriekonzern Thyssenkrupp etwa bieten eigene Promotionsstellen an, um so gezielt kluge Köpfe ans Unternehmen zu binden. Und auch an der Initiative p2i beteiligen sich Konzerne wie die Ölgiganten BP und Shell, um Nachwuchswissenschaftler zu rekrutieren.

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