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Fallschirm aus dem Elfenbeinturm

Universität, Mädchen, Jubel, beste Hochschule, Hochschulranking [Quelle: unsplash.com, Autor: Clay Banks]

Quelle: unsplash.com, Clay Banks

Akademische Karrieren sind entbehrungsreich – und können abrupt enden. Deshalb sollten Wissenschaftler sich rechtzeitig nach Alternativen umsehen. Dabei hilft das aktuelle Hochschulranking.

Lars Breuer will nichts Geringeres als die Entstehung des Universums verstehen. Gemeinsam mit mehr als 3.000 Wissenschaftlern arbeitet der Physiker im hessischen Darmstadt daran, eines der letzten Rätsel der Menschheit zu lösen. Dort entsteht gerade eine der größten Forschungsanlagen der Welt: die Facility for Antiproton and Ion Research, kurz Fair. Ein Teilchenbeschleuniger, der Elementarteilchen zur Kollision bringt und so den Zustand simuliert, der kurz nach dem Urknall herrschte. Ein Mammutprojekt baulich wie wissenschaftlich, sagt der Physiker Breuer. Teil davon zu sein ist seine Triebfeder.

Ohne die hätte sich Breuer längst einen neuen Job gesucht. Als Abteilungsleiter oder im Labor bei einem Chiphersteller zum Beispiel. Stattdessen ist der 36-Jährige als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Physik der Universität Duisburg-Essen beschäftigt und pendelt regelmäßig nach Darmstadt. Eine dreistündige Fahrt, um an dem universitätsübergreifenden Forschungsprojekt Fair teilzunehmen. "Wie viele Arbeitsverträge ich bislang hatte, das kann ich gar nicht zählen", sagt er.

Hang zur Selbstausbeutung

Breuer ist Teil des akademischen Mittelbaus, in dem das Forschungs- und Lehrpersonal an Universitäten und Fachhochschulen zusammengefasst wird, das keinen Professorentitel trägt. Eine Berufsgruppe mit großen Zielen und prekären Arbeitsbedingungen. Rund 185.000 Menschen in Deutschland teilen laut Statistischem Bundesamt das Schicksal des Physikers: das Gehangel von einer befristeten Stelle zur nächsten, die regelmäßigen Überstunden, den enormen Druck, die eigenen Forschungsarbeiten in renommierten Journalen zu publizieren – kurzum: den Hang zur Selbstausbeutung. In anderen Branchen macht Geld die Anstrengungen wett, doch für wissenschaftliche Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, selten verbeamtet, sind die Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten alles andere als üppig. Bei einer Vollzeitstelle liegt das Bruttogehalt bei etwa 4.000 Euro – doch viele Angestellte müssen sich mit weniger Stunden zufriedengeben. Der Lohn des akademischen Mittelbaus ist die Befriedigung der Neugier – und die Hoffnung, eine der wenigen unbefristeten Stellen oder gar eine Professur zu ergattern.

Der Haken ist bloß: Diese Hoffnung wird äußerst selten erfüllt. Etwa 27.900 Akademiker haben laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2018 einen Doktortitel erlangt. An den Hochschulen arbeiten sie als sogenannte Postdocs oder Akademische Räte, treiben eigene Forschungsprojekte voran und sind in der Lehre tätig. Doch Zahlen des Bundesberichts Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN) zeigen: Nur 15 Prozent von ihnen werden langfristig an einer Universität beschäftigt sein. Und nur jede 23. Bewerbung auf eine Professur ist erfolgreich.

Kaum eine Berufswahl basiert auf so vielen Unwägbarkeiten. Kaum ein Werdegang legt die Messlatte für Exzellenz so hoch. Beim Klettern auf den Elfenbeinturm gilt die gleiche Devise, nach der auch Karrieren in Unternehmensberatungen funktionieren: Up or out – entweder es geht rauf, oder man ist raus. Wer auf diesem hart umkämpften und hoch spezialisierten Arbeitsmarkt einen Pfad einschlagen will, der nicht in den Abgrund führt, der braucht zum einen einen guten Plan A. Und für den Fall, dass sich die Türen zur akademischen Elite trotzdem noch verschließen, braucht er auch einen ebenso guten Plan B: eine Art Rettungsschirm, mit dem der Absprung aus dem Elfenbeinturm gelingen kann – und mit dem sich das methodische und fachliche Wissen auch in der Privatwirtschaft noch versilbern lässt.

Hilfe für diesen Ausweg bietet das Hochschulranking, das die Employer-Branding-Beratung Universum auch in diesem Jahr wieder für die WirtschaftsWoche erstellt hat. 590 Personalverantwortlichen von Unternehmen haben die Berater die Frage gestellt, von welchen Universitäten und Fachhochschulen sie besonders gerne Absolventen einstellen. Das Ranking spiegelt also das Urteil derer wider, die Akademiker bei ihrem Wechsel von der Uni in die Unternehmenswelt überzeugen müssen. Schon angehende Doktoranden können sich das bei der Wahl der passenden Hochschule zunutze machen (siehe Tabellen).

Im Fach Betriebswirtschaftslehre belegt die Universität Mannheim den ersten Platz, in Volkswirtschaftslehre die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Für Wirtschaftsingenieure und Informatiker ist die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen die beste Adresse; bei Wirtschaftsinformatikern sehen die Personaler die Technische Universität (TU) München an erster Stelle, genauso wie in den Fächern Elektrotechnik und Maschinenbau. Bei Jura liegt die LMU München vorne, in den Naturwissenschaften schafft es die TU Berlin auf den Spitzenplatz.

 

Gerade in den beiden letztgenannten Fächern nützt Bewerbern der Doktortitel besonders viel. "Im Bereich Jura oder Naturwissenschaften ist Personalern der Doktortitel besonders wichtig", sagt Axel Keulertz, der das Ranking bei Universum verantwortet. Grundsätzlich hätten promovierte Absolventen in der Regel "einen besseren Start in den Arbeitsmarkt, wenn sie von einer renommierteren Hochschule kommen".

Nicht nur Lakaien des Profs

Lars Breuer zog auf der Suche nach einer Promotionsstelle die Universität Duisburg-Essen einer Hochschule mit mehr Renommee vor. Zu zufrieden war er an der Uni im Ruhrgebiet, wo er bereits studiert und sein Diplom im Bereich der Experimentalphysik abgelegt hatte, als dass er seine akademische Karriere woanders fortsetzen wollte. Vielleicht könnte man auch sagen: zu bequem. Die Anforderungen waren hoch, sagt er rückblickend über seine Promotionszeit, doch eine solche Investition in die Zukunft habe nun mal ihren Preis. Fünf Jahre arbeitete er an seiner Doktorarbeit. Fünf Jahre, die geprägt waren von langen Arbeitstagen und finanzieller Unsicherheit. Er hatte damals eine Halbtagsstelle an der Uni, die in der Realität aber sogar das Volumen einer Vollzeitstelle sprengte.

Neben seiner eigenen Forschung arbeitete er am Lehrstuhl, forschte dort an gemeinsamen Projekten mit anderen Physikern und war in der Lehre tätig. Ein zweistündiges Seminar hat er wöchentlich leiten müssen – allein die Vorbereitungen darauf hätten einen halben Tag in der Woche verschlungen, so Breuer. Hinzu kamen die Korrekturen von Klausuren und Hausarbeiten. Zusätzlich habe er noch Wochenendkurse für Studierende gegeben, um sich ein bisschen was dazuzuverdienen. Vier von fünf Promovierenden, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, machen es laut BuWiN wie Breuer und arbeiten begleitend zur Promotion an den Hochschulen.

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