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Die Zukunft einer Dienstleistung

Mit all den Unis in Großbritannien, den USA und Australien ist der englischsprachige Markt sehr viel größer als der deutschsprachige. Zudem gibt es dort Kunden, die durch Studiengebühren ohnehin schon daran gewöhnt sind, üppige Summen zu zahlen. Ein früherer Mitarbeiter von Oxbridge Essays sagt mir, er habe "Managementdegrees für Scheichsöhne" geschrieben. Und der Chef von Oxbridge Essays behauptet, viele seiner Kunden hätten zwar Geld – könnten aber kaum Englisch. Er inszeniert sich als Wohltäter für reiche Ausländer. "Im angloamerikanischen Sprachbereich", sagt Marcel Kopper, "ist der Markt viel höher professionalisiert, viel, viel höher." In Polen gebe es das gegenteilige Problem: Kaum jemand googelt dort nach Ghostwritern. Das Expandieren in andere Märkte erwies sich als "sehr viel schwieriger" als gedacht, sagt Kopper.

Das hält ihn nicht auf. Er gründet ein drittes Unternehmen, Get Assist in Wien. Im Firmenbuch der Republik Österreich wird Marcel Kopper als Geschäftsführer genannt. Gesellschafter ist die Knowlance AG mit 35.000 Euro. Was ist die Funktion dieser neuen Firma? Marcel Kopper schweigt dazu.

Am 30. Juli 2013 taucht die vierte Firma auf, die den GWriters zugeordnet werden kann: die GWriters International Inc. in Wilmington, einer Stadt im US-Staat Delaware. Laut dem Impressum auf gwriters.de wird die Website von dieser Firma betrieben. Einmal hat Harald Bahner, der Ghostwriter aus Berlin, die GWriters wegen Werbeaussagen auf ihrer Website vor einem deutschen Gericht verklagt, sagt Marcel Kopper. Jetzt ist offiziell eine amerikanische Firma für die Internetseite verantwortlich.

Unterdessen schwärzt in Budapest jemand Robert Grünwald bei seinem Professor an. Der googelt und findet ein Werbevideo der GWriters auf YouTube. "Da wird einem ganz blümerant", sagt er. Weitere Nachforschungen des Professors ergeben, dass Grünwald laut Handelsregister alleiniger Geschäftsführer der Academic Services GmbH geworden war, kurz bevor er in seiner Stipendienbewerbung angab, keine Berufstätigkeit auszuüben. Er hat "uns und den Staat getäuscht" und sich das Stipendium "erschlichen", sagt der Doktorvater. "Ich bin bitter enttäuscht." Er konfrontiert Grünwald mit den Vorwürfen. Der habe am 28. August 2013 geantwortet und vorgeschlagen, das PhD-Programm aufzugeben und sein Stipendium zurückzuzahlen. "Zwei Tage später war das Geld da", sagt der Ex-Doktorvater. Robert Grünwald kommentiert diese Aussagen nicht.

Am Ende des ungarischen Abenteuers leben die meisten Kunden der GWriters nach wie vor in Deutschland, sagt Marcel Kopper. Dort sitzen auch die meisten Autoren, vermute ich. Doch ihre Steuern zahlen die GWriters offenbar in der Schweiz, und ihre Website betreiben sie nach eigenen Aussagen über eine Firma in den USA. Mag sein, dass es mit dem Weltmarkt nicht geklappt hat. Aber zumindest gehört den GWriters nun ein transatlantisches Firmengeflecht.

Am Ende ihrer unternehmerischen Ambitionen sind Kopper und seine Kompagnons noch lange nicht. Vor Kurzem haben sie eine neue Firma gestartet, für die sie sich bessere Chancen auf dem Weltmarkt ausrechnen: einen Inkassobetrieb.

Epilog: Die Zukunft einer Dienstleistung

Ich habe viele akademische Ghostwriter um eine Schätzung dazu gebeten, wie viele Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz hauptberuflich von dem Geschäft leben können. Im Mittel liegen ihre Angaben bei 50 Vollzeit-Ghostwritern. Acad Write hat 2014 nach eigenen Angaben zwei Millionen Euro umgesetzt, GWriters etwa anderthalb Millionen. Zusammengenommen wollen die beiden Firmen seit der Gründung mehr als 10.000 Auftragsarbeiten für ihre Kunden geschrieben haben.

Rund 2,7 Millionen Studenten zählte das Statistische Bundesamt im Wintersemester 2014/15. Gemessen an dieser Zahl, ist das akademische Ghostwriting immer noch ein Nischenmarkt.

Wird die Ghostwriter-Branche also noch viel, viel größer werden?

Der Markt könnte ein Plateau erreicht haben, sagt Marcel Kopper. Der nächste Schritt wäre, die Kunden zu gewinnen, die noch nicht selbstständig nach Ghostwritern googeln. Man müsste einen neuen Werbefeldzug starten, TV-Spots schalten oder an Universitäten Flyer verteilen. Doch das ist Marcel Kopper zu heiß. "Sehen Sie, man will ja auch nicht unbedingt schlafende Hunde wecken", sagt er. Er will nicht riskieren, dass "Ghostwriting als akutes Problem wahrgenommen" wird.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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