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Creditpoints für die gute Tat

Hände [Quelle: unsplash.com, Rémi Walle]

Quelle: unsplash.com, Rémi Walle

Im sogenannten Service Learning engagieren sich Studenten sozial und erhalten im Austausch Leistungspunkte für ihr Studium. In der Corona-Krise tun sich neue Möglichkeiten auf. Nicht alle finden das gut.

"An meiner Fakultät können sich Studierende nun für soziales Engagement zur Bewältigung von #COVID19 bis zu 6 Credits anrechnen lassen. Das ist kein Aprilscherz und klingt super sinnvoll. Machen das andere Unis auch?" Mit diesem Tweet löste die Klimaaktivistin Luisa Neubauer unlängst eine Diskussion über Sinn und Unsinn von sozialem Engagement als Studienleistung aus. Während sich viele Nutzer positiv äußerten, gab es auch Kritik: So hieß es mehrfach, dass Hilfe in der Krise eine Selbstverständlichkeit sei, die nicht mit Creditpoints belohnt werden sollte. Andere bemängelten, dass die universitäre Ausbildung mit der leichtfertigen Vergabe solcher Leistungspunkte aufgeweicht würde.

Das Prinzip, Leistungspunkte für die gute Tat zu erhalten, gibt es nicht erst seit Ausbruch des Coronavirus. Unter dem Begriff "Service Learning", der in den neunziger Jahren aus Amerika herüberschwappte, verfolgen mehr als 40 Hochschulen in Deutschland die Idee, Studierenden durch soziales Engagement Kompetenzen über die Wissenschaft hinaus zu vermitteln.

In der Praxis sieht das so aus: Soziale Initiativen wenden sich mit ihrem Anliegen an die Hochschulen. Die wiederum erarbeiten daraus eine Projektidee und eine Lehrveranstaltung. Die Studierenden lernen dort die Theorie und vertiefen ihr Wissen dann in der Praxis. Alle Projekte sollen einen gesellschaftlichen Mehrwert haben, etwa Nachhilfe für sozial benachteiligte Schüler oder Yoga mit Inhaftierten.

Yoga mit Inhaftierten

Das Angebot steht Studierenden aller Fachrichtungen offen. "Der Erfahrungsaustausch ist dadurch sehr viel größer", sagt Meike Bredendiek. Sie begleitet das Service-Learning-Programm an der Universität zu Köln. Junge Menschen, die sich in ihrem Studium bis dato vor allem mit Physik, Germanistik oder Betriebswirtschaftslehre auseinandergesetzt haben, überwinden so fachliche und persönliche Grenzen. Gerade wegen dieser persönlichen Komponente stellte der Ausbruch der Corona-Krise Bredendiek und ihr Team vor große Herausforderungen: "Eigentlich ist Service Learning ein Projekt, das von Kontakt und Erlebnissen lebt. Weil das in der aktuellen Situation schwer umsetzbar ist, mussten wir umdenken.“ Das Modul im Sommersemester nicht stattfinden zu lassen, stand aber außer Frage: "Gerade jetzt sollte die Gesellschaft doch engagiert bleiben."

Gemeinsam mit den beteiligten Dozenten und Einrichtungen lotete Bredendiek aus, welche schon geplanten Projekte sich trotz Corona umsetzen ließen. Seit Ende April finden nun acht Kurse statt – komplett digital. Darunter zum Beispiel ein Filmprojekt mit der Kölner Freiwilligenagentur und Kampagnenarbeit für Menschenrechte in der Modeindustrie. Bei diesem Projekt macht auch die 23 Jahre alte Ethnologie-Studentin Chiara Gärtner mit. Sie ist fast fertig mit ihrem Bachelorstudium und braucht die drei ECTS-Punkte, die es für die Teilnahme an dem Service-Learning-Kurs gibt, eigentlich gar nicht.

"Weil mein Pflichtpraktikum wegen Corona aber verschoben wurde, wollte ich das Semester sinnvoll nutzen und mich für etwas einsetzen, das mir am Herzen liegt." Ihre sechs Studienkollegen hat sie bislang nur im Videochat kennengelernt, trotzdem klappe die Zusammenarbeit gut. "Die Veranstaltungen sind super angelaufen und es ist erstaunlich, zu sehen, was digital alles möglich ist", sagt auch Organisatorin Bredendiek. Am Ende des Semesters präsentieren die Studierenden ihre Projekte normalerweise auf einer feierlichen Veranstaltung. Ob sie dieses Jahr stattfinden kann, ist noch offen. "Es wäre schon schön, die Projektteilnehmer wenigstens einmal persönlich zu treffen", sagt Gärtner.

Viel Aufwand für wenig Punkte

Seit dem Jahr 2009 sind die Universitäten, die Service Learning anbieten, in dem Netzwerk "Bildung durch Verantwortung" organisiert. Am Anfang machten nur fünf Hochschulen mit, heute sind es insgesamt 45. Thomas Sporer ist einer der Netzwerkgründer. Er hatte während seines Studiums positive Erfahrungen mit selbstorganisierten Projekten gemacht und wollte auch anderen Studenten diese Chance ermöglichen. "Im Service Learning lernen sie, sich selbst zu organisieren und Verantwortung zu tragen", sagt der Gründer.

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