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Coronafall an deutscher Hochschule

Eine Hochschule, die sich nicht mehr die Was-wäre-wenn-Frage stellen muss, ist die private Wirtschaftshochschule (WHU) in Vallendar bei Koblenz. Nachdem dort am Sonntag ein Student positiv auf Corona getestet wurde, ließ das Gesundheitsamt den Campus schließen. Rektor Markus Rudolf sagt, die Zusammenarbeit mit den Behörden liefe sehr gut. "Es war eine schnelle und klare Kommunikation. Wir wurden angewiesen, den Campus zu schließen, das hat uns interne Diskussionen und Unsicherheiten erspart."

Die WHU hat derzeit keine vorlesungsfreie Zeit, sondern ist mitten im Semester. Die 1.300 Studierenden hätten verständnisvoll reagiert, die Lehrveranstaltungen werden seit Montag online abgehalten. Es gibt interaktive Seminare mit den Programmen Microsoft Teams und Zoom, aber auch Vorlesungen als Videokonferenz. Die Studierenden können sie jederzeit abrufen. Die Umstellung habe erstaunlich gut funktioniert, sagt der Rektor. "Wir hatten das digitale Know-how schon, mussten es nur bisher nicht flächendeckend einsetzen." Die Hochschule hat seit drei Jahren eine Abteilung, die viele Lebensbereiche auf dem Campus bereits digitalisiert hat: Stundenpläne, Bezahlen in der Mensa, das Öffnen von Türen, das Reservieren von Räumen. 

Die aktuelle Lage habe den Ehrgeiz aller Beteiligten geweckt, sagt Rudolf. Innerhalb von weniger als 24 Stunden wechselte die WHU von analog zu digital. Anstrengend, aber nicht unmöglich – so das Fazit bisher.

Die angeordnete Schließung durch das Gesundheitsamt gilt nur bis zu diesem Freitag, 24 Uhr, danach könnte die WHU wieder öffnen. Die Hochschulleitung hat allerdings beschlossen: "Wir bleiben remote." Es sollen keine Präsenzveranstaltungen in den Bachelor-, Master- und MBA-Programmen bis zum Ende des Semesters am 30. April stattfinden. Stattdessen werden alle Vorlesungen und Seminare weiterhin digital angeboten. Wie Prüfungen oder Aufnahmetests geschrieben werden sollen, ist weder rechtlich noch organisatorisch klar. Der Lehrbetrieb würde aber derzeit reibungslos laufen und man wolle kein unnötiges Risiko wegen des Coronavirus eingehen, sagt der Rektor.

Was bedeutet das finanziell?

Neben den gesundheitlichen Aspekten, stellt sich vielen Studierenden auch eine finanzielle Frage: Wenn der Semesterbeginn verschoben wird, was bedeutet das fürs BAföG? Mehr als eine halbe Million der Studierenden in Deutschland erhält eine Förderung für das Studium. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek garantierte ihnen am Freitag, dass sie keine finanziellen Nachteile zu befürchten hätten.

Trotzdem ist das bisher nur die Generalprobe. Wenn die Veranstaltungen wieder losgehen, wird sich zeigen, wie gut all die Pläne sind. Und ein paar offene Fragen gibt es noch.

Im Mai beginnt an der TU München die Bewerbungsfrist für das Wintersemester. "Wir wissen noch nicht, was das für die diesjährigen Abiturienten bedeutet. Da könnte sich in der Tat ein Problem auftun", sagt TU München-Sprecher Ulrich Marsch. In den kommenden Wochen sollen eigentlich die schriftlichen Abiturprüfungen beginnen. Wenn sich der Zeitplan verschiebt, könnte sich das auf die Bewerbungen auswirken. Das wäre für viele ein Problem, denn die meisten Studiengänge beginnen im Wintersemester. Ob die Abiturienten die Fristen dafür schaffen, ist noch nicht klar. 

© ZEIT Campus (Zur Originalversion des Artikels)

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