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Die seltsamsten Mitbewohner

Freunde, Spaß, Quatsch [Quelle: unsplash.com, Autor: Neko Tai]

Quelle: unsplash.com, Neko Tai

Sie können chaotisch, zwangsgestört oder einfach nur komisch sein: Angehörige der Spezies "Mitbewohner". Die Redaktion von e-fellows.net hat besonders denkwürdige Exemplare aus den Tiefen des Gedächtnisses hervorgekramt und im Kabinett der kuriosen Mitbewohner versammelt.

Arnie reloaded

Seit jeher hatte meine WG einen geheimen Helden und ich war daran gewöhnt, ihm jeden Morgen auf unserem stillen Örtchen zu begegnen. Wenn ich die Klotür hinter mir schloss, strahlte mich stets das vertraute Gesicht des Terminators an – rechtmäßiger Action-König und demokratisch gewähltes Pin-up unseres WG-Klos. Eines Tages jedoch prangte dort statt King Arnie ein XXL-Poster des menschlichen Körpers und gab in Sitzhöhe den Blick auf den "Musculus Gluteus Maximus" frei. Unter der lateinischen Bezeichnung war mit Bleistift in der unverkennbaren Schrift meines Mitbewohners – eines Kunststudenten – vermerkt: "großer Gesäßmuskel".

"Planst du eine Aktstudie?", fragte ich ihn beim Frühstück. "Nein", sagte er, während er ein rohes Ei aufschlug, "ich werde mich beruflich neu orientieren." Er griff in den Küchenschrank, holte einen eimergroßen Behälter mit der Aufschrift "All Day Protein" hervor und mengte löffelweise Pulver unter das Ei. Fassungslos beobachtete ich, wie er eine Packung Milch obendrauf schüttete und die gelblich schimmernde Flüssigkeit in einem Zug leerte. "Und was soll das werden?" – "Fitnesstrainer", war die Antwort, die mir aus dem Wohnungsflur kurz und bündig entgegenhallte, bevor Arnie to be – eine Trainingstasche um die noch zarten Schultern gehängt – sportlichen Schrittes verschwand.

Wenige Monate später glich der Inhalt unseres Küchenschranks den Regalen eines Premium-Stores für Sportlernahrung. Zu den Eimern mit dem täglichen Eiweiß meines Mitbewohners hatte sich ein sehr stattliches Reservelager aus "Night Protein" und "Boot Camp Body"-Shakes hinzugesellt. Und das war nicht die einzige sichtbare Veränderung: Unser pinselschwingendes Fliegengewicht war inzwischen zum hantelstemmenden Muskelchampion mutiert. Nach seiner bestandenen Prüfung als Sportguru blühten mir noch einige schweißtreibende Jahre im WG-Studio, die mir regelmäßiges Zirkeltraining unter Profi-Anleitung, leider aber keinen Sixpack bescherten. Schuld war vielleicht der ein oder andere Fitnessriegel, der sich auf dem Weg zu unserem heimischen Crosstrainer im Gehege meiner Zähne verirrte.

Post-it-Girl

Meine ehemalige Mitbewohnerin hatte große Schwierigkeiten damit, in ihrer Abwesenheit die Kontrolle über die Wohnung aufzugeben, wobei Abwesenheit hieß: jeder Ort der WG, an dem sie physisch gerade nicht präsent sein konnte. Und Kontrolle bedeutete: die totale Herrschaft über unser gesamtes WG-Reich, das sie via regenbogenfarbener Klebezettel vollständig an sich zu reißen versuchte.

Über dem Küchenherd prangte ein mit Totenköpfen verziertes, neongelbes Warnschild: "Nach dem Kochen saubermachen." An der Spülmaschine wartete der Befehl: "Räum mich aus!", direkt daneben prangte eine scharlachrote Strichliste, mit der sie den Mülldienst erfasste und monatlich auswertete. Im Badezimmer rettete uns der Hinweis "Achtung: Spritzwassergefahr" vor einem allzu frühen Tod durch Ertrinken, gefolgt von der alles entscheidenden Frage: "Hast du auch den Boden trocken hinterlassen?"

Schon nach kurzer Zeit ihres Klebezettel-Terrors kam es, wie es kommen musste: WG-Krieg entlang verhärteter Fronten, Mitbewohnerin gegen Mitbewohnerin, Post-it um Post-it. Der finale Kampf entbrannte auf dem Schlachtfeld unserer angeblich "von Toastbröseln entstellten" Küchenplatte, unweit eines nicht "ordnungsgemäß gereinigten" Sandwichmakers. Und er endete, wie er begonnen hatte: mit einem Klebezettel, der diesmal die erleichternd schlichte Botschaft über ihren Auszug zum Ende des Monats enthielt.

Picobello Messie

Als ich potenzielle Untermieter zur Besichtigung meiner ersten Wohnung einlud, sollten sie drei simple Eigenschaften mitbringen: sozial verträglich, unkompliziert und vor allem einigermaßen stubenrein. Eine besonders adrett wirkende Kandidatin setzte noch eine Schachtel Pralinen obendrauf und sicherte sich damit den entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Doch schon am Tag ihres Einzugs verwandelte sie die gesamte Wohnung in einen undurchdringlichen Dschungel aus Koffern, Umzugskartons und verwaisten Möbelteilen, die erst nach Wochen den Weg in das ihnen zugedachte Zimmer antraten. Dort fristeten sie im Licht einer nackten Glühbirne ihr mehr oder weniger aufgebautes Dasein. Ihre Aufmerksamkeit konzentrierte meine neue Mitbewohnerin stattdessen auf unsere Küchenschränke, die bald aus allen Nähten platzten. Sie schien nämlich mit einer bevorstehenden Hungersnot zu rechnen – nur so kann ich mir die Tonnen an Lebensmitteln erklären, die sie fein säuberlich gestapelt in jeweils (buchstäblich!) zehnfacher Ausführung dort hortete: von H-Milch über Dosengemüse bis hin zu jeder auch nur erdenklichen Art von Gewürzen.

Ihr Zimmer ließ eine solche Durchdachtheit leider vermissen. Viel eher erinnerte es an eine bewohnte Mülldeponie, die von vier Wänden umzäunt war. Das wirklich Erstaunliche war jedoch, dass sie hieraus jeden Morgen picobello wie aus dem Ei gepellt zum Vorschein kam: blitzblank poliert, perfekt gestylt und bereit für den nächsten Großeinkauf.

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Schon 2017 haben wir sechs verrückte WG-Anekdoten gesammelt. Hier geht’s zu Teil 1 unserer Geschichten, die dir nur in einer WG passieren.

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