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Die Krise in der Krise

Mädchen psychische Erkrankung Depression Corona [Quelle: unsplash.com]

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"Irgendwann hatte ich Angst vor mir selbst" – e-fellows.net-Stipendiatin Paula* leidet an Depressionen. In der Corona-Krise sucht sie Zuflucht in Alkohol und Medikamenten. Wie sie die Kontrolle verlor und wieder fand, erzählt sie dir hier.

Mit der Depression und meinen Ängsten lebe ich schon lange. Ich mache Therapie, und nehme Medikamente. Ich habe mich stabil gefühlt – bis ein tödliches Virus namens SARS-CoV-2 meinen Alltag umkrempelt.

Im Homeoffice werde ich nach und nach unglücklicher angesichts von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbot. Es ist, als hätte man einen Schalter umgelegt. Ich fühlte mich so anders als die anderen, unendlich allein und gefangen in mir und mit mir selbst. Ich bin allein in meiner Wohnung, verliere das Gefühl für meine Umwelt und werde antriebsloser und desinteressierter.

Um endlich wieder schlafen zu können, nehme ich meine Bedarfsmedikamente häufiger ein als sonst und fange an, Alkohol zu trinken. Ich denke, ich falle für immer und der Aufprall bleibt aus.

"Ich bekomme Angst vor mir selbst"

Mein Zustand wird immer schlechter. Ich bekomme Angst vor mir selbst. Eines Nachts habe ich eine Panikattacke und rufe beim Krisendienst an. Am nächsten Tag weiß ich: Es geht so nicht weiter. Ich spreche mit meiner Psychiaterin und mit meiner Hausärztin und lasse mich krankschreiben.

Ich weine viel und weiß nicht, warum es (gefühlt) wieder nur mir so geht und ich so extrem reagiere. Alle anderen kriegen es doch gut hin und leben ihr Leben auch mit der Corona-Krise irgendwie weiter ... Aber ich komme nicht mehr raus aus dem Tief.

Das Tabu Depression

Dabei belastet der Alltag mit dem Virus die Psyche jedes Einzelnen. "Ich bin gerade keine große Hilfe", schreibt mir meine beste Freundin auf WhatsApp. "Ich weiß selbst nicht, wie ich mit allem umgehen soll." Einsamkeit, Unsicherheit, Frustration, Angst – das fühlen wir jetzt alle in irgendeiner Form. Der eine stärker, der andere schwächer.

Eine psychische Erkrankung ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu. Doch wir müssen uns mit dem Thema gerade in Zeiten einer Pandemie auseinandersetzen.

Ein Netz in Zeiten von Corona

Auch ich setze mich mit meiner Situation auseinander: Ich suche mir Hilfe bei der Münchener Caritas. Meine Familie schaltete sich ein, die sich bereits fragt, wie ich so lange allein durchhalten konnte. Sie holt mich nach Hause, wo ich wieder zu Kräften komme. Hier nehme ich Kontakt zu einer psychiatrischen Ambulanz auf und schreibe meiner Therapeutin, die sich aktuell in Mutterschutz befindet.

Gleichzeitig tausche ich mich mit alten Freunden aus. Ich entdecke eine neue App für Videoanrufe und lese von anderen Betroffenen, wie sie es aus einer ähnlichen Situation herausschafften. Beim Spazierengehen spüre ich die Wärme der Sonne in meinem Gesicht. Der Schock über den Kontrollverlust lässt langsam nach und ich bereite mich darauf vor, wieder in meine Wohnung zurückzukehren.

Ich akzeptiere die Situation irgendwann so, wie sie ist. Corona stempele ich ab unter "individueller psychologischer Stresstest". Zurück in meiner Wohnung strukturiere ich meinen Tag mit positiven Ritualen. Ich erstelle eine Liste mit Dingen, die mir guttun und die mir früher schon geholfen haben.

Der baldige Termin mit meiner Therapeutin lässt mich Hoffnung schöpfen. Mein "Auffangnetz" wirkt – auch weil ich seit einiger Zeit in psychotherapeutischer Behandlung bin und mir mein Netz lange aufgebaut habe.

Du bist während Corona nicht allein

Was möchte ich dir mitgeben? In besonders schwierigen Momenten solltest du dir Hilfe holen. Das kann ein Freund sein, ein Partner, die Familie, der Krisendienst beziehungsweise eine psychotherapeutische Ambulanz. Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, dass du Hilfsangebote annimmst.

Überleg dir, was du brauchst, um besser mit der Situation klarzukommen. Versuch, dankbar zu sein für die Dinge, die dir den Alltag erleichtern. Sei es ein cooler Podcast, tolle Musik oder ein Fotoalbum voller schöner Erinnerungen, das du gestaltest. Und denk immer daran: Du bist nicht allein!

Du leidest selbst an einer Depression oder einer psychischen Erkrankung und benötigst Hilfe?

Unterstützung bekommst du

  • auf der Webseite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe
  • bei der Telefonseelsorge (0800/111 0 111)
  • am deutschlandweiten Info-Telefon Depression: 0800 33 44 5 33 (kostenfrei)
  • beim Deutschen Bündnis gegen Depression (bietet konkrete Hilfe vor Ort in mehr als 80 Städten und Regionen)
  • in Selbsthilfegruppen in deiner Nähe des Vermittlungsangebots NAKOS
  • einen Überblick über Selbsthilfegruppen verschaffst du dir auch über du-bist-wichtig.com

*Name von der Redaktion geändert

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