Partner von:

Eine gute Verbindung

Quelle: ADV Meriana

Studentenverbindungen: Eine Männerdomäne, die langsam auch von Frauen erobert wird. Die ersten Damenverbindungen in Deutschland wurden 1899 gegründet, konnten aber nach 1945 nicht wieder Fuß fassen. Erst in den 1980er Jahren entwickelte sich erneut ein Verbindungsleben für Frauen. Doch wer sind die Mitglieder dieser Verbindungen? Emanzipierte Damen, die Männern die Stirn bieten, oder Traditionalistinnen mit Bier und Band? Drei anonyme Mitglieder der Damenverbindung ADV Meriana Frankfurt erzählen, warum sie sich für das Verbindungsleben entschieden haben, und geben Einblicke in ihren Alltag.

Was zeichnet die ADV Meriana aus? Wie viele Mitglieder habt ihr?

R: Die ADV Meriana Frankfurt zählt zurzeit 20 Mitglieder.

L: Studentinnen aus den unterschiedlichsten Studiengängen, Hochschulen, Berufen, Heimatorten und Familiensituationen kommen in unserer Verbindung zusammen. Unser jüngstes Mitglied ist 22, das älteste 46 Jahre alt.

Kann jede Frau Mitglied werden? Gibt es Initiationsriten?

L: Jede Frau kann Mitglied werden, sofern sie an einer Uni, einer Fachhochschule oder einer vergleichbaren Hochschule in Frankfurt beziehungsweise im Rhein-Main-Gebiet eingeschrieben ist oder war und Deutsch spricht.

R: Die Aufnahme ist also nicht nur als Aktive, sondern auch als Hohe Dame möglich.

G: Initiationsriten gibt es bei uns nicht. In der ADV Meriana gibt es aber wie in den meisten anderen Verbindungen eine Fuxenzeit. In dieser Art Probezeit können Interessentinnen das Verbindungsleben kennenlernen. Wenn sie sich mit uns identifizieren und wir uns gut mit ihnen verstehen, stellen wir ihnen eine "Fuxenaufgabe" – meist ein kleineres Organisationsprojekt – und eine schriftliche Prüfung über die Werte unserer Verbindung, das Verbindungswesen und die deutsche (Verbindungs-)Geschichte. Danach werden die neuen Mitglieder aufgenommen.

Auf eurer Website heißt es "Freundschaft, Toleranz und Tradition in Frankfurt am Main!". Was bedeuten die Begriffe für euch?

L: Trotz unserer vielen Unterschiede verbindet uns eine Freundschaft, die stark auf Toleranz beruht. Der Traditionsbegriff weist vor allem auf die lange Geschichte des Verbindungslebens hin sowie auf die deutsche Geschichte, die begründet, warum wir heute so leben (können), wie wir es tun.

R: Zur Tradition gehört auch, dass wir studentische Traditionen pflegen, also zum Beispiel Kneipenabende veranstalten oder Studentenlieder singen. Um Gustav Mahler zu zitieren: "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers."

Wie seid ihr zur ADV Meriana gekommen und warum habt ihr euch entschlossen, einer Verbindung beizutreten?

R: Ich habe die Meriana gegründet, weil mir eine Damenverbindung in Frankfurt gefehlt hat.

L: Ich bin über eine Kommilitonin zur ADV Meriana gekommen. Mir ging es vor allem darum, über den Tellerrand zu blicken, denn an meiner Uni habe ich wenig Kontakt mit Studierenden anderer Fachrichtungen.

G: Ich war schon Mitglied einer anderen Damenverbindung, bevor ich beruflich nach Frankfurt zog: Hier habe ich schnell Anschluss bei der Meriana gefunden. Später habe ich dann mein zweites Band aufgenommen, da ich mich sehr mit den Werten der Meriana identifizierte und meine tiefe Freundschaft zu meinen Bundesschwestern ausdrücken wollte. In die erste Damenverbindung trat ich kurz nach ihrer Gründung ein. Ich kannte das Korporiertenleben von meinem Vater und wollte dieses Gemeinschaftsgefühl auch erleben.

Warum eine Verbindung und kein Gesangsverein, Turnverein oder katholisches Wohnheim?

G: Das sind von Grund auf komplett verschiedene Konzepte, die ich von mir aus nie mit einer Verbindung verglichen hätte. Einen Gesangs- oder Turnverein prägt ein gemeinsames Hobby. Das ist bei uns nicht Kern der Sache. Religion steht bei uns ebenfalls nicht im Vordergrund, wobei es durchaus religiöse Verbindungen gibt. Und da die meisten Damenverbindungen (meines Wissens nach alle bis auf eine) kein eigenes Haus haben, spielt auch der Wunsch, günstig zu wohnen, normalerweise keine Rolle.

R: Ich suchte eine Verbundenheit, die über das Studium hinaus bestehen bleibt.

Wie sieht der Alltag in einer Verbindung aus?

R: Da wir kein gemeinsames Haus haben, gibt es keinen gemeinsamen Alltag per se. Stattdessen findet unser Verbindungsleben bei gemeinsamen Treffen und Aktivitäten statt.

Wie sehen diese Treffen aus? Wie sehr wird eure Freizeit von der Verbindung beschlagnahmt?

G: Wir treffen uns regelmäßig zu verschiedenen Anlässen. Das kann ein Museumsbesuch sein, ein gemütlicher Abend in der Kneipe oder eine feierliche Verbindungsveranstaltung. Im Schnitt treffen wir uns zwei bis drei Mal pro Monat; dazu kommen noch manchmal Organisationstreffen. Abgesehen davon sehen wir uns auch privat, wie Freundinnen das eben tun. Ich würde nicht sagen, dass die Verbindung meine Freizeit "beschlagnahmt". Die Verbindung ist Teil meiner Freizeit und ich habe viel Spaß mit meinen Bundesschwestern.

R: Unsere Treffen sind sehr gesellig, oft sind auch Gäste anwesend. Als Fux bringt man sich zeitlich deutlich mehr ein als zum Beispiel als inaktive Dame.

Traditionen der Verbindung

Welche Traditionen gibt es in eurer Verbindung?

L und G: Regelmäßige Kneipenabende und Kommerse: Das sind offizielle Feiern, die anlässlich von Jubiläen oder Stiftungsfesten stattfinden. Ein Kommers ist also eine Art feierlicher Umtrunk in einer Kneipe. Im Gegensatz zu regulären Kneipenabenden ist der Kommers ernster. Es gibt eine Festrede und viele Verbindungen engagieren sogar einen sogenannten Bierorgler, der sie beim Singen begleitet. Das Singen studentischer Lieder ist eine Tradition, die wir in unserer Verbindung gerne und regelmäßig pflegen. Außerdem sind wir eine farbentragende Verbindung und tragen unsere Couleur zum Beispiel als Band.

Welche Rolle spielt Alkohol im Verbindungsleben?

L: Wer Alkohol trinken möchte, kann dies tun; wer dies nicht möchte, lässt es bleiben. Wie überall gibt es auch unter Verbindungsstudenten solche, die es übertreiben. Unsere Verbindung unterstützt ein solches Verhalten jedoch nicht.

In eurer Verbindung wird nicht geschlagen – wie bei den meisten Damenverbindungen. Warum habt ihr diese Tradition nicht übernommen?

R: Schlagen ist nicht damenhaft und ist nichts für Frauen.

L: Ein Schmiss ist für uns nicht erstrebenswert. Disziplin und Mut lassen sich auch auf andere Weise zum Ausdruck bringen.

Fühlt ihr euch von den männlichen Verbindungen akzeptiert? Bestehen da überhaupt Verbindungen?

L: Durchaus. Wir feiern unsere Kneipen und Kommerse in den Häusern befreundeter Verbindungen in Frankfurt und pflegen Freundschaften zu Herrenbünden über die Stadtgrenzen hinaus. Viele männliche Korporierte sehen es sehr positiv, dass heute auch Frauen Einzug ins Verbindungsleben erhalten und sich dort behaupten.

Wie reagieren Freunde und Bekannte, wenn ihr erzählt, dass ihr in einer Verbindung seid?

L: Viele kennen das Verbindungswesen nicht oder stehen ihm neutral gegenüber. Einige wenige klammern sich jedoch an Vorurteile und sehen Verbindungen generell negativ.

G: Ich habe meinen Freunden gegenüber nie ein Geheimnis daraus gemacht und sie kennen viele meiner Bundesschwestern. Dadurch gab es nie Konflikte. Auch meine Kollegen wissen Bescheid. Einige waren überrascht, aber die normale Reaktion ist "Wenn du da drin bist, dann wird das wohl etwas Gutes sein."

R: Positiv.

Sind Damenverbindungen konservativ? Welche Rolle spielt Politik in eurer Verbindung?

L: Dass Damenverbindungen konservativ sind, lässt sich generell nicht sagen. Es gibt sicherlich Verbindungen, die konservativer sind als andere. Ich würde uns aber eher als aufstrebend denn als konservativ bezeichnen. Wir sind nicht politisch. Das ginge auch gar nicht, weil unsere Mitglieder unterschiedliche politische Ansichten haben, die wir auch mal untereinander privat diskutieren. Aber diese Toleranz zeichnet uns aus. Im Rahmen oder gar im Namen der Verbindung werden politische Ansichten jedoch nicht ausgelebt.

R: Politik spielt bei uns keine Rolle.

Warum eine Verbindung speziell für Damen? Trägt dies nicht zur Verbreitung von geschlechterdualistischen Vorstellungen bei, wie es an Männerbunden ja schon kritisiert wird?

L: Geschlechterdualismus ist nichts Negatives. In unserer Verbindung können wir uns bei Herausforderungen unterstützen, die speziell Frauen betreffen.

Ein Vorteil von Studentenverbindungen ist angeblich das große Netzwerk dank "Alter Herren". Wie sieht das bei Damenverbindungen und ihren "Hohen Damen" aus? Euch gibt es ja noch nicht so lange.

G: Freundschaft über Generationen hinweg war für mich einer der Hauptmotivatoren. Aber dabei ging es nie um ein Karrierenetzwerk, sondern darum, interessante Menschen kennenzulernen, die schon die eine oder andere Hürde mehr im Leben genommen haben. Die meisten Damenverbindungen wären aber auch tatsächlich zu jung, um ein entsprechendes Netzwerk zu bieten.

nach oben

Du hast eine zündende Idee für einen Artikel auf e-fellows.net? Schreib für uns als Gastautor. Wir freuen uns auf deine Beiträge!

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren