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Die klugen Köpfe der Kryptowelt

Bitcoin-Münze, tätowierter Mann [Quelle: pexels.com, Crypto Crow]

Quelle: pexels.com, Crypto Crow

Der Erfinder des Bitcoin ist so unbekannt wie mächtig. Aber er ist nicht der einzige, der die Szene besonders prägt. Wer sind die Experten in der Welt der Kryptowährungen? Fünf Porträts.

Das unbekannte Genie

Die Person, die Bitcoin und Blockchain in die Welt brachte, ist ebenso unbekannt wie mächtig. Ob es sich bei ihr um einen Mann, eine Frau oder gar ein Entwicklerteam handelt, liegt im Dunkeln. Als sicher gilt nur: Der Erfinder der ersten Digitalwährung, der sich seit 2008 hinter dem Decknamen Satoshi Nakamoto verbirgt, ist ein englischer Muttersprachler, ein Software-Genie und der reichste Mensch im Kryptouniversum. Er hat in der Anfangsphase sehr viele Bitcoin geschöpft und besitzt nach einer Analyse des Kryptologen Sergio Lerner davon noch 1,1 Millionen. Das heißt: Jeder achtzehnte Bitcoin im Umlauf gehört dem Erfinder, der demnach auf ein Kryptovermögen von aktuell 69 Milliarden Dollar kommt.

Satoshi Nakamotos revolutionäre Idee war es, digitale Münzen fälschungssicher an Computern herzustellen und alle Transaktionen von den Netzwerkmitgliedern bestätigen zu lassen. In dem dezentralen System sind Geschäfts- und Notenbanken überflüssig. Obwohl als alternatives Zahlungsmittel erdacht, dient Bitcoin heute vor allem als Wertanlage - starke Schwankungen inklusive.

Für die größten Turbulenzen könnte Satoshi Nakamoto sorgen - wenn er einen großen Batzen Bitcoin zu Dollar machen und der Preis daraufhin in die Tiefe rauschen würde. Aber vielleicht ist der große Unbekannte dazu gar nicht mehr in der Lage. Er könnte längst tot sein wie die IT-Experten Hal Finney, Dave Kleiman oder Len Sassaman, die neben anderen als Bitcoin-Erfinder gehandelt werden. Das wiederum hieße, dass mehr als eine Million Bitcoin praktisch unantastbar sind. Und die verfügbare Bitcoin-Menge noch viel kleiner ist als die 21 Millionen, die der unergründliche Satoshi Nakamoto technisch ermöglicht hat.

Der Weltverbesserer

Zu den größten Nerds unserer heutigen Computerwelt gehört Vitalik Buterin. Mit sieben addierte er binnen Sekunden dreistellige Zahlen im Kopf. Mit zehn saß er unentwegt vor dem Computer und grübelte über Programmiersprachen. Mit 17 wurde er Dritter bei der Informatikolympiade und ließ sich von seinem Vater alles rund um die Kryptowährung Bitcoin erklären. Mit 20 präsentierte er seine eigene Blockchain namens Ethereum samt der dazugehörigen Digitalwährung Ether. Heute, im Alter von 27 Jahren, ist Buterin Milliardär. Ein großer Teil seines Kryptovermögens ist öffentlich einsehbar, gegenüber Non-Profit-Organisationen gibt er sich sehr spendabel.

Vitalik Buterin selbst nennt sich "Technologiephilosoph". Das mag vermessen klingen, hat aber einen wahren Kern. Der in Russland geborene, in Kanada aufgewachsene, zeitweise in Berlin und jetzt in Singapur lebende Jungspund hat originelle Ideen, angefangen bei der Ethereum-Blockchain, die viel mehr zu leisten imstande ist als das Bitcoin-Pendant. Darüber lassen sich digitale Verträge abschließen, beispielsweise Versicherungen sowie Anteile an Wertpapieren, Immobilien und Kunstwerken erwerben, und vieles mehr. Für einige Experten ist es nur eine Frage der Zeit, wann Ether Bitcoin als Nummer eins unter den Kryptowährungen ablöst. Vor allem, weil Ethereum künftig nur einen Bruchteil jener Energie verbraucht, die das Schöpfen von Bitcoin frisst. Der Wert des Bitcoin-Ökosystems werde von der Währung getrieben, sagt Buterin, wohingegen der Preis für Ether vom Wert des Ökosystems Ethereum komme.

Steigen die Kryptowährungen weiter im Wert, wird Buterin immer reicher. Oder nicht? Die Kryptowelt erlebe eine Blase nach der anderen, findet der Russe. Am stärksten gefährdet sei Bitcoin in seiner jetzigen Form. Dem Ether-Erfinder kann das ziemlich schnuppe sein.

Die Bitcoin-Zwillinge

Cameron und Tyler Winklevoss haben versucht, die Ersten zu sein. Schon vor Jahren haben sie einen Bitcoin-Fonds für Privatanleger auflegen wollen. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC schmetterte das Ersuchen ab, den Winklevoss Bitcoin Trust für jedermann handelbar zu machen: Marktmanipulation sei nicht ausgeschlossen, Anleger müssten geschützt werden, so die SEC. Die ersten Bitcoin-ETFs erschienen dann anderswo, und selbst mit dem ersten amerikanischen Indexfonds namens Bito, der am Dienstag in New York an die Börse ging, haben die beiden Vorreiter nichts zu tun. Vom Winklevoss-Fonds unterscheidet Bito, dass er nicht direkt in Bitcoin, sondern in Bitcoin-Termingeschäfte investiert. Das findet die SEC okay, da der US-Markt für Kryptotermingeschäfte seit 2017 reguliert ist.

Grämen müssen sich die Winklevoss-Zwillinge, einst Olympiaruderer und heute 40 Jahre alt, trotzdem nicht. Sie haben 2013 elf Millionen Dollar in Bitcoin investiert, für 120 Dollar das Stück. Das Geld bekamen sie von ihrem früheren Studienkollegen Mark Zuckerberg, allerdings widerwillig. Die Winklevoss-Zwillinge hatten den Facebook-Gründer wegen Ideenklaus verklagt und in einem Vergleich 65 Millionen Dollar kassiert. Zu Milliardären wurde sie aufgrund der Preissteigerung des "digitalen Goldes", wie sie Bitcoin nennen. Zudem betreiben Cameron und Tyler Winklevoss neben ihrer Investmentgesellschaft die Kryptobörse Gemini, die vom Bitcoin-Boom profitiert und sich ökologisch korrekt gibt. Inzwischen überlegen die Zwillinge, Gemini in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Damit machen sie dann nicht Krypto, sondern Cash.

Die Sicherheitschefin

Frauen verirren sich eher selten in die von Männern geprägte Kryptowelt. Umso beachtenswerter, dass es mit Jutta Steiner eine Deutsche in dieser Welt ziemlich weit nach oben geschafft hat. Steiner ist promovierte Mathematikern und schlug zunächst einen recht klassischen Karriereweg ein: Sie arbeitete bei der Unternehmensberatung McKinsey. 2013 schreckten sie die Ereignisse um die Abhörpraktiken der US-Geheimdienste auf. Es sei ihr Traum, dass jeder Mensch so weit wie möglich die Kontrolle über seine eigenen Daten habe, hat Steiner vor einigen Jahren auf einer Technikkonferenz gesagt.

Um daran mitzuwirken, kündigte sie bei McKinsey und schloss sich 2014 dem Ethereum-Projekt an - einer Plattform mit eigener Digitalwährung ("Ether"), die zu viel mehr imstande ist als Bitcoin. Über sie lassen sich sicher und dezentral Verträge jeder Art abwickeln. Nicht ohne einen gewissen Stolz vergleicht Steiner Bitcoin und Ether so: "Bitcoin ist wie ein Taschenrechner, Ethereum ist wie ein Smartphone." Bitcoin erlaube einfache Transaktionen, Ethereum gehe darüber hinaus. Eine Zeit lang war Steiner für die digitale Sicherheit der Ethereum-Plattform verantwortlich, mittlerweile arbeitet sie gemeinsam mit einigen früheren Mitstreitern an einem neuen Projekt. Es nennt sich Polkadot und hat zum Ziel, die voneinander getrennten Netzwerke digitaler Währungen auf einer Plattform zusammenzuführen. Steiner übt sich öffentlich heute in Zurückhaltung, aber man darf annehmen, dass sie ihr frühes Engagement in der Kryptoszene reich gemacht hat.

Der Kryptoerklärer

Fast 200.000 Abonnenten auf Youtube muss man erst einmal zusammenbekommen: Dem Österreicher Julian Hosp ist es gelungen, zum führenden Experten für Kryptowährungen im deutschsprachigen Raum zu werden. Dabei ist es sicherlich nicht hinderlich, dass der ehemalige Profi-Kite-Surfer über ein ausgeprägtes Talent zur Selbstvermarktung verfügt. Der 35-Jährige präsentiert sich auf allen Kanälen, auf denen sich auch sein vornehmlich jüngeres Publikum herumtreibt: Neben Youtube sind dies Facebook, Twitter und Reddit, um nur einige zu nennen. Dort lässt sich Hosp dabei zusehen, wie er (Überraschung!) mit Bitcoin handelt.

Doch es wäre zu einfach, den Erfolg des Österreichers nur auf geschicktes Marketing zurückzuführen. Hosp gelingt es, die technisch komplizierte Welt der Kryptowährungen mit einfachen Erklärungen auch für Einsteiger gut verständlich zu machen. Er hat sich dabei einen erfreulichen Pragmatismus bewahrt. Zwar profitiert er vom Hype um Bitcoin, aber er benennt auch klar die Risiken. Dass er immer wieder auch größere Mengen an Bitcoin verkauft, empfinden manche Kryptofans als Ketzerei. "Bitcoin ist keine Religion", sagt Hosp dazu. "Als guter Investor sollte es das Ziel sein, so viel Vermögen wie möglich mit so wenig Zeitaufwand wie nötig in die Zukunft zu transportieren." Einige Zeit ist der Österreicher auch einer ganz normalen Arbeit nachgegangen: Er war Arzt in einem Innsbrucker Krankenhaus. Damals habe ihm ein Patient von Bitcoin, Blockchain und Co erzählt, berichtet Hosp. Er war so fasziniert, dass er nach Singapur zog und sich fortan ganz der Kryptowelt widmete. "Der Bitcoin könnte 2025 bei 500.000 Dollar stehen" lautet seine gewagte Prognose.

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