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"Steuerliche Behandlung des Erststudiums ist verfassungsgemäß"

Studentin am Laptop [Quelle: unsplash.com, rawpixel]

Quelle: unsplash.com, Autor: rawpixel

Das Bundesverfassungsgericht hat beschlossen, dass Erststudienkosten – typischerweise Kosten für ein Bachelorstudium direkt nach dem Abitur – in der Steuererklärung weiterhin nur als Sonderausgaben geltend gemacht werden können. Im Gegensatz dazu bleiben die weiteren Studienkosten – typischerweise Kosten für ein Masterstudium – als Werbungskosten absetzbar.

Am 10. Januar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) seinen Beschluss vom 19. November 2019 veröffentlicht, in dem es die derzeitige steuerliche Behandlung von Erstausbildungskosten als verfassungsgemäß beurteilt. Für Studenten heißt das: Aufwendungen für ein Erststudium können sie auch zukünftig nur als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Ausgaben für ein weiteres Studium werden nach wie vor als Werbungskosten anerkannt.

Wer ist von dem Beschluss des BVerfG betroffen?

Betroffen sind nur Studenten, die sich in einem Erststudium befinden, das zugleich eine Erstausbildung vermittelt und das nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet. Das ist typischerweise das Bachelorstudium direkt nach dem Abitur. Diese "echten Erstis" können ihre Erststudienkosten nur als Sonderausgaben im Rahmen des Höchstbetrages (seit 2014: 6.000 Euro) geltend machen. Steuerlich entlastet werden sie nur, wenn sie steuerpflichtige Einkünfte über dem Grundfreibetrag erwirtschaften.

Nicht betroffen vom Beschluss des BVerfG und damit weiterhin in voller Höhe abzugsfähig sind die Studienkosten aller anderen Studierenden, also bei

  • abgeschlossener Berufsausbildung vor dem Studium
  • berufsbegleitendem Studium
  • Zweitstudium, zu dem auch das Masterstudium zählt
  • MBA-Studienkosten
  • Promotions-Kosten

Anders als die "echten Erstis" können diese Studenten die Kosten ihres Studiums weiterhin als Werbungskosten geltend machen. Weil sie in der Regel keine Einkünfte haben, die mit den Werbungskosten verrechnet werden, führt das zu einem jährlichen Verlustvortrag, der sich über die Studienjahre kumulieren und dann mit den ersten Einkünften aus Berufseinkommen nach dem Studium verrechnen lässt.

Für alle Zweit- und Weiterstudierenden gilt daher wie bisher: Das Sammeln der Belege lohnt sich nahezu immer!

Wann gilt eine Erstausbildung als abgeschlossen?

Bis einschließlich 2014 wurden auch Kurzausbildungen, wie zum Beispiel eine Ausbildung zum Rettungssanitäter oder zur Flugbegleiterin, der Taxischein oder eine Lkw-Fahrerlaubnis als abgeschlossene berufliche Erstausbildung anerkannt. Durch eine Gesetzesverschärfung gilt für alle Ausbildungen, die erst nach dem 01.01.2015 abgeschlossen wurden, eine Mindestdauer von zwölf Monaten. Mit dem Bachelorzeugnis ist die berufliche Erstausbildung abgeschlossen. Sämtliche weiteren Studienkosten sind dann als Werbungskosten zu klassifizieren.

Welche Kosten können abgesetzt werden?

  • Arbeitsmittel (Schreibtisch, Stuhl, Regal, Computer, Telefon- und Internetgebühren, Mobiltelefone, Software, IT-Geräte, …)
  • Auslandspraktika/Auslandsstudienaufenthalte
  • Fachliteratur
  • Fahrtkosten: Wohnung – Ausbildungsort und Lern-/Arbeitsgruppen
  • Studien- und Lehrgangsgebühren einschließlich der Verwaltungskosten
  • Umzugskosten (unter anderem Transportkosten für Möbel, Makler, ggf. Pauschalen)
  • Unterkunftskosten bei Vorliegen einer doppelten Haushaltsführung
  • Verpflegungsmehraufwendungen

Wie lange zurück können die Studienkosten noch geltend gemacht werden?

Wenn noch keine Steuererklärungen abgegeben wurden, gilt eine siebenjährige Verjährungsfrist für Anträge auf gesonderte Verlustfeststellung. Bis Ende 2020 können also noch Studienkosten von 2013 bis 2015 geltend gemacht werden. Für die Jahre 2016 bis 2019 gilt die normale vierjährige Verjährungsfrist für Einkommenssteuererklärungen. Für die Veranlagungen ab 2018 ist ggf. eine Verschärfung hinsichtlich der Abgabefrist zu beachten.

Für wen lohnt sich die mögliche Absetzbarkeit der Studienkosten nicht?

Die Studienkosten werden jeweils mit den laufenden steuerpflichtigen Einkünften des betreffenden Jahres verrechnet. Daher lohnt sich die Absetzbarkeit der Studienkosten in der Regel nicht, wenn keine oder nur äußerst geringe Verluste geltend gemacht werden können.

Zu beachten ist ferner die "Steuerfalle":  Bei einem Arbeitsbeginn im September oder Oktober des Abschlussjahres wird das erste Berufseinkommen nach dem Studium aufgrund des Grundfreibetrages und der normalen sonstigen Werbungskosten und Sonderausgaben meist ohnehin steuerfrei gestellt.  Ein kumuliert zur Verfügung stehender Verlustvortrag muss aber mit diesen Einkünften verrechnet werden. Daher lohnt sich die Geltendmachung der Studienkosten nur, wenn auch nach dieser Verrechnung im Abschlussjahr ein mindestens fünfstelliger Verlustvortrag verbleibt. Dieser wird dann im nächsten Jahr mit dem ersten Gesamtjahreseinkommen verrechnet.

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Kommentare (2)

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  1. Anonym

    Danke! Ist korrigiert :-)

  2. Anonym

    Kleiner Hinweis: Das Bundesverfassungsgericht wird mit BVerfG abgekürzt ;-)

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