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So kommen Studenten in Aushilfsjobs zu ihrem Recht

Café, Mann, Kaffee, Student, Aushilfe [Quelle: unsplash.com, Autor: Ali Yahya,]

Quelle: unsplash.com, Ali Yahya

Schlechte Bezahlung, kurze Verträge, lange Arbeitszeiten: Viele Studenten haben Stress mit ihren Nebenjobs. Doch sie müssen sich nicht alles bieten lassen.

Ihren Bachelor-Abschluss haben Carolin Zieringer und Clemens Schürmann schon seit einigen Jahren in der Tasche. Trotzdem sollten sie als studentische Hilfskräfte an der Goethe-Universität nur den Mindestlohn bekommen – obwohl es eine Selbstverpflichtung der Hochschule gibt, Bachelor-Absolventen 11,82 Euro die Stunde zu zahlen. Mit solchen Schwierigkeiten müssen sich Studenten oft herumschlagen: Rund 60 Prozent arbeiten nebenher, um sich ihr Studium zu finanzieren – die meisten im Büro oder in der Gastronomie. Viele kennen ihre Rechte als Arbeitnehmer nicht und wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn es Probleme gibt.

"Von einem Beratungsangebot an der Uni wussten wir nichts", sagen Schürmann und Zieringer, die an der Goethe-Uni Politische Theorie mit dem Ziel Master studieren. Weil sie ihren Bachelor-Abschluss in einem sozialwissenschaftlichen Fach gemacht haben, war in ihrem Vertrag mit der rechtswissenschaftlichen Fakultät zunächst in der Kategorie Bachelor-Abschluss "nein" angekreuzt – schließlich konnten sie kein abgeschlossenes Jura-Studium vorweisen. "Allerdings haben wir die Stelle nur erhalten, weil es unter den Juristinnen und Juristen zu wenige qualifizierte Bewerber gab und wir uns mit Rechtsphilosophie fachlich besser auskennen", berichtet Zieringer.

Nach langem Hin und Her, vielen E-Mails, Telefonaten und Besuchen in der Personalabteilung, der Tutoriumskoordinatorin und anderen hatten die beiden Erfolg: Der zuständige Professor schrieb einen Brief an die Personalabteilung und bat um angemessene Bezahlung, erfolgreich. "Wir hatten Glück. Ich bezweifle aber, dass sich strukturell etwas geändert hat und das jetzt nicht nur eine Ausnahme war", so Schürmann.

Sozialberatung durch den Asta

Stattdessen hätten sich die beiden auch Hilfe bei der Sozialberatung des Asta suchen können. In Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund bietet das Referat für Soziales während des Semesters eine offene Sprechstunde an (siehe Kasten). Dort können die Studenten unangekündigt erscheinen und ihre Probleme mit ausgebildeten studentischen Beratern besprechen. "Unser Beratungsangebot wird von so vielen Studierenden in Anspruch genommen, dass wir meist vollbeschäftigt sind", sagt Bengican Gülegen, Asta-Referent für Soziales. Am häufigsten kämen Studenten mit Anliegen rund um das Thema Bafög zu ihnen, aber auch arbeitsrechtliche Anfangsberatungen werden angeboten. Bei Themen wie Unterbezahlung und Vertragsbruch können Studenten dort Rat suchen.

Ansonsten gibt es die Möglichkeit, sich direkt an die Gewerkschaften zu wenden. "Bei Studenten kommt es nicht selten vor, dass Arbeitnehmerschutzrechte verletzt werden. Oft ist zum Beispiel gar nicht bekannt, dass es auch im Nebenjob ein Anrecht auf Urlaub gibt", sagt Tom Winhold, der den Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung bei Verdi in Südhessen leitet. Seit zehn Jahren berät Winhold Studierende in ihrem Arbeitsleben. "Der Klassiker ist eigentlich der: Eine Studentin arbeitet zwei Tage in der Woche. Ist sie an einem Tag krank oder ist Feiertag, soll sie ersatzweise an einem anderen Tag in der Woche kommen. Dabei entspricht das nicht der Rechtslage", sagt der Gewerkschafter. Weil Studenten meist nur vorübergehend arbeiteten, sei das Arbeitnehmerbewusstsein deutlich weniger ausgeprägt als bei hauptberuflichen Arbeitnehmern. "Auf der anderen Seite bieten wir regelmäßig Infoveranstaltungen an hessischen Hochschulen an, die werden richtig gut besucht", so Winhold. Oft seien es dann am Ende doch ökonomische Abwägungen, die Studenten daran hinderten, gegen den Arbeitgeber vorzugehen.

Die Hochschulgewerkschaft "Unterbau"

Besonders schwierig ist die Situation für studentische Hilfskräfte wie Carolin Zieringer und Clemens Schürmann. An der Uni stehen sie als Studierende und gleichzeitig als Arbeitnehmer in einem doppelten Abhängigkeitsverhältnis gegenüber ihrem Arbeitgeber. Deswegen sind verbesserte Arbeitsbedingungen von Hilfskräften auch eines der Hauptanliegen der Hochschulgewerkschaft "Unterbau", die vor drei Jahren an der Goethe-Uni gegründet wurde und alle an der Universität Beschäftigten vertreten will.

"Ein typisches Problem von Studierenden sind die kurzen Laufzeiten ihrer Verträge und die hohe Arbeitsbelastung bei geringer Stundenzahl, und die unterbezahlten Pflichtpraktika", erklärt die Sprecherin der Hochschulgewerkschaft. Mit diesen Problemen können sich die Studenten an den "Unterbau" wenden, der vor allem auf struktureller Ebene für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen will. "Besonders in Fällen, in denen man allein nichts ausrichten kann und auch eine Rechtsberatung nicht hilft, weil diese Fälle gar nicht rechtswidrig sind, hilft es, wenn man sich zusammenschließt", sagt die Sprecherin. "Unterbau" setzt sich deswegen zum Beispiel für Tarifverträge für studentische Hilfskräfte sowie für mehr Mitspracherechte in den Gremien ein.

Auch bei Problemen wie sexueller Belästigung oder übergriffigem Verhalten können sich Studenten an die Asta-Beratungsstelle und an die Gewerkschaften wenden. "Solche Fälle sind gerade auch an der Universität sehr, sehr schwierig. Man muss sehr genau darauf achten, dass die betroffene Person sich dabei wohl fühlt. Manchmal ist ein Rechtsstreit in solchen Fällen nicht die richtige Lösung", sagt die "Unterbau"-Sprecherin. Andere Ansprechpartner für solche Fälle sind unter anderem die Antidiskriminierungsstelle der Goethe-Uni, das autonome Frauen-Lesben-Referat des Asta oder das Gleichstellungsbüro.

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