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Neider haben auch ihre Vorteile

6. Dein Erfolg ist das Problem der Neider, aber ihr Neid ist nicht dein Problem

Stell dir vor, du hast gerade einen vielgelobten Vortrag gehalten, während die Präsentation deiner Kollegin oder Kommilitonin völlig unbeachtet blieb: eine Vergleichssituation, wie geschaffen, Neid zu provozieren. Um die Spannung aufzulösen, die dieser Neid erzeugt, könnte deine Bekannte einerseits beschließen, sich selbst mehr anzustrengen – eine konstruktive Form von Neid, die Menschen und Gesellschaften weiterbringt. Problematisch hingegen wird es, wenn aus einem Vergleich destruktiver Neid erwächst. Als destruktive Neiderin würde deine Kollegin nicht selbst mehr in die Waagschale werfen, sondern dir so lange etwas wegnehmen, bis die Waage zu ihren Gunsten ausschlägt: Sie könnte dich zum Beispiel mit vergifteten Komplimenten demoralisieren oder deine Präsentation manipulieren.

Davon abgesehen, dass du derartige Sabotage-Akte wie oben geschrieben nicht dulden musst: Mach deinen Neidern das Leben nicht noch einfacher, indem du dir in vorauseilendem Gehorsam selber schadest. Vielleicht kennst du aus Schulzeiten noch den Impuls, dich als Klassenbester nicht zu melden, selbst wenn du die richtige Antwort weißt. Was im Kindesalter oder singulär unbedenklich ist, kann zum Problem werden, wenn du dein Licht systematisch unter den Scheffel stellst. Dadurch bietest du Neidern an der Uni oder im Beruf zwar keine Angriffsfläche mehr – potenzielle Förderer wie Professoren oder Chefs werden jedoch auch nicht auf dich aufmerksam.

Vergegenwärtige dir deswegen immer, dass die Missgunst deiner Neider keine Anpassung von deiner Seite erfordert. Wirf weiter alles in die Waagschale, hilf anderen, hab Erfolg und freu dich darüber. Alles andere ist nicht dein Problem.

7. Aus Neidern können Mitspieler werden

Der Neid anderer Menschen mag nicht dein Problem sein – aber von ihrer Unterstützung könntest auch du profitieren. Gerade im akademischen oder beruflichen Umfeld ist es deshalb immer einen Versuch wird, Missgunst in Kooperation zu verwandeln. Im vorangegangenen Beispiel könnte deine Bekannte deshalb destruktive Verhaltensweisen an den Tag legen, weil sie keine Möglichkeit sieht, die neidische Anspannung konstruktiv – also durch Selbstoptimierung – aufzulösen. Genau dabei kannst du ihr allerdings behilflich sein und von den Kollateraleffekten noch selbst profitieren: Wenn du sie unterstützt, sie in dein Team holst und ihr zu eigenen Erfolgserlebnissen verhilfst, wird sie dir deine nicht mehr missgönnen.

8. Es gibt keinen "gerechten" Neid – auch nicht auf Privilegierte

Es gibt dumme Menschen auf der Welt, hässliche, kranke und arme. Und dann gibt es dich, dem alles in den Schoß fällt, würden deine Neider sagen. Ist ihre Missgunst also berechtigt, weil du das, was du hast – deine Intelligenz, dein Vermögen, dein Aussehen, deinen Partner, dein Haus – gar nicht verdienst? Vielleicht mag es dir auf den ersten Blick plausibel erscheinen, dass weniger privilegierte Menschen dir deine Situation missgönnen: Schließlich ist es tatsächlich ungerecht, dass einige Menschen mit besseren Startvoraussetzungen zur Welt kommen als andere.

Ein gutes Beispiel für eine noch bessere Replik auf diesen Vorwurf ist Matthias Schlitte, zigfacher nationaler und internationaler Champion im Armdrücken. Aufgrund eines seltenen Gendefekts kam der 31-Jährige mit einem um ein Drittel dickeren Unterarmknochen zur Welt, der ihm im Armdrücken einen beachtlichen Vorteil verschafft. Immer wieder war der Athlet deswegen Missgunst ausgesetzt. Seine Antwort an alle Neider? "Natürlich wäre ich ohne meinen Arm nicht so weit gekommen. Aber mein Arm ohne mich erst recht nicht!"

Fühl dich nicht schlecht, nur weil du mit einem Startvorteil zur Welt gekommen bist. Per se ist dein Leben, dein Erfolg nichts, wofür du dich rechtfertigen müsstest: Erst du hast aus deinen Voraussetzungen das gemacht, worauf andere heute neidisch sind. Vielmehr benutzen Neider das Kriterium der "Fairness", um sich selbst von der Angemessenheit ihrer Emotion – der Missgunst – zu überzeugen.

9. Neider zähmt man im Statusspiel

Vielen Neidern kannst du dich entziehen. Doch was, wenn es ausgerechnet dein direkter Team-Kollege ist, der dir deine Erfolge nicht gönnt? Was tun, wenn du der Person ebenso wenig entkommst wie sie ihrem Neid? In diesem Fall kannst du dir das Statusspiel zunutze machen, über das wir Menschen ohnehin permanent kommunizieren.

Über unsere Worte, aber auch unsere Körpersprache unterteilen wir uns in jeder Kommunikationssituation ein in eine unter- sowie eine überlegene Partei, nehmen also den situativen Hochstatus oder aber den situativen Tiefstatus ein. Genau diesen situativen Tiefstatus kannst du dir zunutze machen, um den Eindruck von Überlegenheit zu mindern, der dein Gegenüber missgünstig stimmt. Du musst dazu kein Projekt versemmeln, keine dumme Antwort im Meeting geben, um aus dem Fokus der Neidhammel zu rücken. Viel souveräner ist es, wenn du dich vor allem in Zweiersituationen ganz bewusst in den Tiefstatus begibst, um dein Gegenüber zu besänftigen. "Situativer Tiefstatus speist sich aus dem Bedürfnis nach Submission und Nähe. Er geht mit der Zurückstellung der eigenen Interessen einher. Der Lohn: Man wird gemocht", erklärt Nico Rose, Diplom-Psychologe und Vice President Employer Branding & Talent Acquisition bei Bertelsmann. Wie genau du dir das Statusspiel zunutze machen kannst, liest du hier.

10. Nicht jeder "Neider" ist ein Neider

Du gehst zum ersten Mal mit einer neuen Kollegin oder Kommilitonin zum Mittagessen und ihr unterhaltet euch über eure Lebensumstände. Dabei erzählst du von deiner Neubau-Penthouse-Wohnung mit Whirlpool auf dem Dach. Am Tag darauf hat deine neue Bekanntschaft leider mittags schon etwas vor – und auch in den folgenden Wochen bekommst du sie nicht mehr zu fassen. Ein klarer Fall von Neid? Nicht unbedingt.

Hinterfrag auch in vermeintlich offensichtlichen Situationen dein eigenes Verhalten kritisch und such nach anderen möglichen Erklärungen zum Beispiel für ablehnendes oder schnippisches Verhalten. Vielleicht hast du deine Bekannte schlichtweg vergessen, nach ihrer eigenen Wohnung zu fragen, hast das Gespräch zu stark dominiert? Wenn du eigenes Fehlverhalten identifizierst, zeig Größe und versuche, deinen Patzer wiedergutzumachen: Nicht immer ist Neid die Ursache dafür, dass dir jemand die kalte Schulter zeigt.

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