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10 Leitsätze für den Umgang mit Neidern

Neid, böser Blick, Abneigung [Quelle: unsplash.com, Autor: freestocks.org]

Quelle: unsplash.com, freestocks.org

Ob Bestnote, Bonuszahlung oder ein volles Bankkonto: Erfolge ziehen Neider an wie Motten das Licht. Aus der Welt schaffen wirst du sie nie. Aber du kannst lernen, ihnen keine Macht über deine schönsten Momente mehr einzuräumen – mit diesen Tipps.

"Du sollst nicht (…) verlangen nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört" heißt es schon in den zehn Geboten – ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Neid wohl so alt ist wie die Menschheit selbst. Entstehen kann er aufgrund einer Vorliebe des Menschen für Vergleiche: Jeder von uns neigt dazu, sich mit Menschen zu messen, die uns sozial, hierarchisch, altersmäßig oder anderswie ähnlich sind. Deshalb sind wir neidisch auf die Leistungen von Geschwistern oder Kollegen, nicht aber auf die vom Vorstandvorsitzenden oder auf die der Cousine der Tante aus Amerika.

Wenn das Referenzobjekt uns wichtig und begehrenswert erscheint, wollen wir Menschen solche Vergleiche aber nicht einfach nur anstellen, sondern auch gewinnen. Auf die Frage: "Wer hat die schönere Wohnung, die bessere Note, das meiste Geld?" möchten wir alle nur eine Antwort hören: "Ich!" Geht der Vergleich aber zugunsten der anderen Partei aus, ist Neid vorprogrammiert.

Doch was, wenn du, der "Gewinner" des Vergleichs, diesen weder angeregt noch gewollt hast und nun mit der Missgunst deines Gegenübers konfrontiert bist? Zehn Ansätze, die dir helfen, mit Neidern besser fertig zu werden.

1. Niemand erinnert dich zuverlässiger an deinen Erfolg als Neider

Es passiert an der Uni, im Büro und im Privatleben: Manchmal nimmst du deine eigene Leistung vor lauter Projekten, Baustellen und To-do-Listen nicht mehr wahr. Andere hingegen – Neider – haben sehr viel sensiblere Antennen für Erfolge. Sie merken, dass es bei dir gerade richtig rund läuft, während du dir noch Gedanken um den Abschlusssatz deiner Präsentation machst oder das eine Extrakilo, das vor dem Sommer noch runter soll.

Halte es deswegen ganz mit Oscar Wilde, der sagte: "Die Anzahl unserer Neider bestätigt unsere Fähigkeiten". Neidhammel sind zuverlässige Erfolgsindikatoren und je lauter sie blöken, desto mehr solltest du innehalten und dir selbst auf die Schulter klopfen. Wo Erfolg ist, sind auch Neider – aber wo Neider sind, da ist auch Erfolg!

2. Vergiftete Komplimente sind die Geheimwaffe der Neider

Wer Missgunst hört, denkt zuerst an Zurückweisung, offene Ablehnung und Kritik. Oft jedoch kommt Neid auch sehr viel subtiler daher – und ärgert uns umso effektiver. Wenn du zum Beispiel einem Kommilitonen von deinem Plan erzählst, dich an einer Eliteuni zu bewerben, klingt die Antwort "Respekt! Ich würde mich dem Konkurrenzdruck ja nie stellen" zunächst einmal wie eine Ermutigung. Ein paar Stunden später jedoch, wenn du alleine bist, fängst du an, darüber nachzudenken, was genau er mit Konkurrenzdruck gemeint hat und ob diese Uni nicht doch vielleicht eine Nummer zu groß für dich ist.

"Der neue Job als Controller passt super zu dir, du bist ja eh auch eher der pingelige Typ"; "Ach cool, dass du jetzt besser bezahlt wirst, dein Freund und du, ihr gebt ja auch ganz schön was aus": Subtiler und zugleich effektiver als mit vergifteten Komplimenten können Neider dich nicht ausbremsen oder dir zumindest die Freude über einen Erfolg rauben. Umso wichtiger, dass du vergiftete Komplimente als solche erkennst und dir nicht zu Herzen nimmst. "Don’t let anyone rain on your parade", würde der Brite sagen.

3. Notorische Neider sortieren sich selbst aus

Du kannst tun und sagen, was du willst – aber diese eine Person in deinem Leben verdirbt dir mit ihrer Missgunst immer wieder den Tag? Auf solch chronisch missgünstige Menschen solltest du so wenig Zeit und Energie wie möglich verschwenden. Vergiss nicht, dass du zu einem großen Teil selbst bestimmst, mit wem du wie viel Zeit verbringst – auch wenn euch Verwandtschaftsgrade, Arbeitsbeziehungen oder längere Bekanntschaften verbinden. Zunächst kannst du versuchen, Einsicht zu erzeugen: Ist dein Gegenüber aber nicht bereit, an sich zu arbeiten, dann wird es auch in absehbarer Zeit nicht in der Lage sein, sich für dich und mit dir zu freuen. In diesem Fall liegt es an dir, zu entscheiden, ob du dich mit dieser Person weiter befassen willst oder zumindest wie viel und wie intensiv. "Pick your battles", würde (schon wieder) der Engländer sagen: Du wirst es nicht schaffen, jeden Menschen in deinem Umfeld zu einem Unterstützer zu machen. Aber du kannst einige von denen aussortieren, die es nicht sind.

Übrigens gibt es tatsächlich Menschen, die sozusagen mit einem angeborenen Hang zum Neid auf die Welt kommen. Die Sozialpsychologie spricht in diesem Fall von dispositionalem Neid, also von einer Missgunst, zu der bestimmte Menschen eine stärkere Veranlagung haben als andere. Dahinter steckt die Genvariation mit dem einprägsamen Namen ADRA2b, aufgrund derer die Betroffenen Negatives stärker fokussieren als die meisten anderen Menschen und folglich auch Neid verstärkt empfinden (Todd/Müller/Lee/Robertson/Eaton/Freeman/Palombo & Levine (2013), S. 2244ff).

4. Neid ändert nichts

Wenn Kommilitone X oder Kollege Y demonstrativ die Stirn runzelt, weil du gerade vom Prof oder Chef gelobt wirst, dann fühlst du dich von diesem Ausdruck der Geringschätzung sicher betroffen. Tatsächlich bist du es aber in den meisten Fällen gar nicht. Neid ändert nichts, bleibt meist vollkommen folgenlos bezogen auf den Auslöser der Missgunst – dein Leben, deine Erfolge, deine Leistung. Im Fall des missgönnten Lobs zum Beispiel wird dein Chef oder Professor deine Leistung nicht weniger schätzen, weil X die Stirn runzelt. Im Gegenteil: Führungskräfte sind in der Regel gut darin, Neider im Team zu identifizieren. Auch wirst du zukünftig nicht weniger imstande sein, lobenswerte Leistungen abzuliefern. Dein Haus wird nicht verschwinden, nur weil es dir deine Schulfreundin missgönnt, und dein Bankkonto nicht leerer, wenn ein Kollege dir dein Vermögen neidet.

Wenn also Bekannte, Kommilitonen oder Kollegen das nächste Mal missgünstig die Stirn runzeln oder die Lippen kräuseln, dann frag dich: "Was ändert sich dadurch?" In den meisten Fällen wirst du feststellen: rein gar nichts – außer vielleicht, dass deine Neider auf Dauer ziemlich faltig werden dürften …

5. Neid hört da auf, wo Manipulation, Ausgrenzung und Benachteiligung anfängt

"Stimmt nicht", sagst du jetzt vielleicht: "Neid ändert sehr wohl etwas", und möglicherweise fallen dir Situationen ein, in denen du unter den Aktionen eines Neiders sehr gelitten hast. Vielleicht hat zum Beispiel einmal jemand Freunde gegen dich aufgestachelt oder dir in einem Projekt falsche Zahlen zugespielt, nur, um deine Glückssträhne zu beenden. In diesem Fall ist das Problem aber nicht mehr der Neid, sondern die Tat, die daraus erwächst. Diese Tat wiederum ist anders als Neid nicht nur klar benennbar, sondern auch sanktionierbar. Während sich Neid als Gefühl nämlich in großen Teilen äußerer Kontrolle entzieht – niemand kann einem Menschen verbieten, neidisch zu sein –, ziehen neidgetriebene Handlungen wie üble Nachrede oder Mobbing in den meisten Kontexten ernste Konsequenzen nach sich.

Zögere nicht, dich an Dozenten, den Hochschulpsychologen, Vorgesetzte, den Betriebsrat oder an andere Beratungsstellen zu wenden, wenn ein Neider dir aktiv oder durch Unterlassung zu schaden versucht. Beschränkt sich das missgünstige Verhalten auf dein Privatleben, mach dir bewusst, dass du und nur du allein entscheidest, wer in deinem Leben einen Platz verdient. Eine missgünstige Person agiert mitten in deinem Freundeskreis? Wer Neidern mehr Gehör schenkt als dir selbst, dessen Platz gehört ebenfalls infrage gestellt. Wahre Freunde halten dir die Treue, auch wenn ein Neider sie bearbeitet.

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